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27. August 2014, 16:06 Uhr

Sanktionen gegen EU

Deutsche Bauern kommen auch ohne Russland klar

Gelassenheit bei deutschen Landwirten: Das von Russland verhängte Einfuhrverbot für EU-Produkte macht den hiesigen Bauern kaum zu schaffen. Jedoch wenden sich russische Investoren wegen der Ukraine-Krise von Deutschland ab.

Berlin - Die Folgen des russischen Lebensmittel-Importstopps sind für Deutschland nach Einschätzung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt überschaubar. Betroffen seien vor allem Milch und Fleisch sowie Äpfel und Kohl, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Jedoch seien bisher insgesamt weniger als 0,5 Prozent der Produktion nach Russland gegangen. Vielmehr träfen die Sanktionen die Russen selbst: "Die Preise steigen, die Selbstversorgung in Russland ist auf unter 60 Prozent anzusetzen, das heißt er (Wladimir Putin) muss von außen Nahrungsmittel importieren."

Auch die deutschen Obst- und Gemüseerzeuger nannten die direkten Auswirkungen aufgrund weggefallener Russland-Exporte überschaubar. Der Bauernverband (DBV) und der Raiffeisenverband (DRV) verwiesen aber auf indirekte Markteffekte: "Waren aus dem innereuropäischen Ausland, die bisher in die Russische Föderation geliefert wurden, werden umgeleitet." Es sei davon auszugehen, dass mehr Produkte aus der EU nach Deutschland gelangen - dem bedeutendsten Importmarkt.

Die EU hat bereits angekündigt, betroffenen Landwirten mit EU-Hilfen in Höhe von bis zu 125 Millionen unter die Arme zu greifen. Das Geld soll noch bis Ende November zur Verfügung gestellt werden.

Russland hatte als Reaktion auf EU- und US-Sanktionen in der Ukraine-Krise eigene Strafmaßnahmen gegen den Westen verhängt. Im Zuge dessen wurde die Einfuhr von Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen vorerst verboten. Der Kreml hatte versucht, auch Weißrussland und Kasachstan dazu zu bewegen, diese Beschränkungen zu erlassen, bislang ohne Erfolg. So ist das Embargo durchlässig, denn die drei Länder bilden eine Zollunion. Nach Angaben der russischen Regierung können Westprodukte nach wie vor über Weißrussland und Kasachstan nach Russland gelangen.

Derweil machen russische Investoren wegen der politischen Turbulenzen einen großen Bogen um Deutschland. Im ersten Halbjahr registrierten weder die Wirtschaftsfördergesellschaften der 16 Bundesländer noch die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Germany Trade & Invest (GTAI) eine Neuansiedlung russischer Unternehmen. "Das hat sicherlich mit der Ukraine-Krise zu tun", sagte GTAI-Experte Robert Hermann am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Gesamtjahr 2013 hatten russische Investoren noch elf neue Projekte angeschoben. 2012 waren es sogar 13 Initiativen. Der Bestand russischer Direktinvestitionen in Deutschland wird auf über drei Milliarden Euro beziffert und ist damit mehr als doppelt so groß wie der chinesischer Investitionen in der Bundesrepublik.

jbe/dpa/Reuters

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