Teurer Rohstoff Saudis drücken Ölpreis

Der hohe Ölpreis bedroht die globale Wirtschaft, jetzt greift der weltgrößte Produzent des Rohstoffs ein: Berichten zufolge will Saudi-Arabien seine Produktion erhöhen und die Kosten auf ein faires Niveau drücken. Die Märkte reagieren bereits.

Ölförderung in Saudi-Arabien: Der Wüstenstaat verspricht Maßnahmen gegen das Preishoch
REUTERS

Ölförderung in Saudi-Arabien: Der Wüstenstaat verspricht Maßnahmen gegen das Preishoch


Singapur - Bislang ist es nur eine Ankündigung in den Medien, doch schon das reicht aus, um den Ölpreis etwas zu senken. Saudi-Arabien will offenbar gegen das grassierende Kostenhoch am Ölmarkt vorgehen. Das Land wolle die Förderung erhöhen, um den Preis wieder auf ein "faires Niveau" zu drücken, berichten die staatliche Nachrichtenagentur Saudi-Arabiens und die britische "Financial Times" übereinstimmend.

Der Ölpreis ist seit langem auf einem bedenklich hohen Niveau weit über der Marke von 100 Dollar - mit weitreichenden Folgen für die globale Wirtschaft. So war 2011 beispielsweise das teuerste Jahr aller Zeiten für deutsche Autofahrer. Größte Preistreiber sind die Verknappung des Angebots in Ländern wie dem Südsudan, die Sanktionen der USA und EU gegen Iran und die Furcht vor Lieferunterbrechungen im Nahen Osten. Iran hatte zuletzt immer wieder gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, die wichtigste Ölroute der Welt.

Eine konkrete Zielmarke wurde in den Berichten nicht genannt. Die Saudis hatten allerdings mehrfach betont, einen Ölpreis von 100 Dollar anzupeilen. Saudi-Arabien ist der größte Ölproduzent der Welt und hat die meisten Reservekapazitäten. Es kann seine Förderung bei Bedarf um mehrere Millionen Barrel pro Tag ausweiten (ein Barrel sind 159 Liter). Ein höheres Angebot senkt die Ölpreise. In der Vergangenheit war Saudi-Arabien bereits mehrmals bei Engpässen am Ölmarkt eingesprungen, zuletzt während des Kriegs im ölreichen Libyen.

Eine offizielle Bestätigung für die Berichte gibt es noch nicht. Die Ölminister der Golfstaaten wollen am Dienstag über den hohen Ölpreis beraten - auf einem Treffen in Doha, der Hauptstadt von Katar. Die Märkte reagieren dennoch: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Morgen rund 125 Dollar, 68 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 62 Cent auf rund 107,50 Dollar.

Die Versprechen der Saudis helfen auch Barack Obama. Weil die Benzinsteuer in den USA sehr niedrig ist, machen sich Preissteigerungen beim Öl besonders bemerkbar. Entsprechend sind die Benzinpreise in Amerika zuletzt auf ein Rekordniveau gestiegen. Autofahrer neigen dann dazu, das Geld an anderer Stelle zu sparen, das schadet dem Konsum, der rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA ausmacht. Ein hoher Ölpreis verstärkt außerdem die Inflation und erhöht den Druck auf die Notenbank, die Zinsen zu erhöhen. Kredite werden teurer - was den ohnehin fragilen Aufschwung belastet. Die Kombination von steigenden Zinsen und hohen Ölpreisen macht Amerika enorm verwundbar.

Entsprechend war der US-Präsident zuletzt immer stärker in die Kritik geraten, was seinen Präsidentschaftswahlkampf erschwert. Die USA pflegen vergleichsweise enge Beziehungen zu den Saudis. Laut "Financial Times" wollen die Saudis vor allem ihre Exporte nach Amerika erhöhen; sie hätten dazu zusätzliche Supertanker angemietet.

Nach Einschätzung der Commerzbank sind die saudi-arabischen Öllieferungen in die USA bereits in den vergangenen Woche gestiegen. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA wurden die saudischen Ölexporte in die größte Volkswirtschaft der Welt in den ersten zehn Wochen des Jahres 2012 um 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag aufgestockt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Das sei der höchste Stand seit Mitte 2008.

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
Cephalotus 20.03.2012
1. Warum?
Entweder ist das ein Deal mit den USA pünktlich zum Wahljahr oder aber Saudi Arabien hat Angst davor, dass sich bei einem Ölpreos dauerjhaft über 100 US$ Altenativen zum Öl verbrennen entwickeln. Schon heute ist es im eigenen Land wirtscahftlich sehr sinnvoll, Photovoltaikkraftwerke zu bauen. Da kostet ein Kilowatt Leistung rund 2.000US$ und substituiert in den Ölkraftwerken des Landes mehr als 3 Barrel Öl pro Jahr, also mehr als 300 US$/Jahr zusätzliche Erlöse. (Passenderweise auch noch zum Zeitpunkt der höchsten Stromnachfrage durch die Klimaanlagen) Ansonsten dürfte Saudi Arabien keine Probleme mit einem zu hohen Ölpreis haben, ganz im Gegenteil ist deren derzeitiges Sozialsystem bei einem dauerhaft deutlich niedrigeren Ölpreis garnicht mehr zu finanzieren. Gilt auch für andere OPEC Staaten.
Systembereuer 20.03.2012
2. Die Märkte reagieren bereits.
Zitat von sysopREUTERSDer hohe Ölpreis bedroht die globale Wirtschaft, jetzt greift der weltgrößte Produzent des Rohstoffs ein: Berichten zufolge will Saudi-Arabien seine Produktion erhöhen und die Kosten auf ein faires Niveau drücken. Die Märkte reagieren bereits. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,822415,00.html
Ach deswegen kostet ein Liter Super heute morgen stattliche 1,70... Hat ja prima funktioniert.
Lelaya 20.03.2012
3. Ferienzeit
Leider werden nur Preiserhöhungen an die deutschen Autofahrer weitergegeben. Abgesehen davon steht Ostern und damit Schulferien und Urlaubszeit vor der Tür. Als würden sich unsere Abzocker dieses Geschäft entgehen lassen. Ich geh mal stark davon aus, dass der Benzinpreis spätestens Anfang April noch ein gutes Stück steigen wird.
felisconcolor 20.03.2012
4. Das hat alles
Zitat von SystembereuerAch deswegen kostet ein Liter Super heute morgen stattliche 1,70... Hat ja prima funktioniert.
nichts mehr mit Logik zu tun. und mit marktwirtschaft schon gar nicht. Samstag Raum Alfeld Hildesheim Super 95 zwischen 1,68 - 1,69 Ausnahme Nordstemmen 1,63 Und nur mal so nebenbei Mit Photovoltaik komme ich immer noch nicht zur Arbeit nein auch nicht mit dem ÖPNV. Soviel mal zur Theorie uind Praxis. Ausserdem sicher mal interessant: Preisvergleiche EU weit und Weltweit. Da sieht man dann wo hier im Ländle die Steuermilliarden versickern. Gespendet von den paar wenigen die überhaupt noch Lust haben jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu fahren.
spontiki 20.03.2012
5. Von welcher Sorte Öl spricht SPON?
Im SPON-Artikel steht: "Die Saudis hatten allerdings mehrfach betont, einen Ölpreis von 100 Dollar anzupeilen." Es wäre schon gewesen, zu erfahren, von welcher Ölsorte geredet wird. Während eine Senkung des Preises von "Brent Crude" von aktuell 125 $/Barrel auf 100 $/Barrel spürbare Auswirkungen auf den Preis an der Zapfstelle hätte, würde eine Senkung von "WTI Crude" auf 100 $/Barrel sich nur in einstelligen Cent-Beträgen an der Zapfsäule auswirken, da dessen Preis im Moment bei 107 $/Barrel beträgt.
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