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01. April 2016, 18:31 Uhr

Plan für Zeit nach dem Öl

Saudi-Arabien will Zwei-Billionen-Dollar-Fonds schaffen

Saudi-Arabien bereitet einen spektakulären Strategieschwenk vor: Das Königreich will den größten Staatsfonds der Welt schaffen - und seine Abhängigkeit vom Öl binnen 20 Jahren drastisch reduzieren.

Saudi-Arabien plant für die Zeit nach dem Öl. Im Zuge eines Börsengangs wolle das Königreich den größten Staatsfonds der Welt schaffen, sagte stellvertretender Kronprinz Mohammed bin Salman der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Public Investment Fund (PIF) solle künftig Werte von mehr als zwei Billionen Dollar kontrollieren.

"Binnen 20 Jahren werden wir eine Volkswirtschaft oder ein Staat sein, der nicht mehr hauptsächlich vom Öl abhängt", sagte bin Salman. Um erste Mittel einzusammeln, wolle Saudi-Arabien den staatlichen Öl- und Chemiekonzern Saudi Aramco im Jahr 2017 oder 2018 an die Börse bringen. Dabei sollen zunächst weniger als fünf Prozent der Anteile des weltgrößten Öllieferanten an Privatinvestoren gelangen.

Zugleich soll aus dem Ölkonzern ein Industriekonglomerat werden. Mit dem Börsengang würde sich die geschlossene Volkswirtschaft Saudi-Arabien für Investoren öffnen. Aramco kämpft derzeit allerdings mit dem extrem niedrigen Ölpreis .

Die Preise sind seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge musste sich Saudi-Arabien im vergangenen Jahr mit rund einem Fünftel seiner Wirtschaftsleistung verschulden, um die eingebrochenen Einnahmen zu kompensieren.

Saudi-Arabien steht als wichtigster Ölförderer des Ölkartells Opec besonders unter Druck, einen Ausweg aus der sich abzeichnenden Abkehr von fossilen Brennstoffen zu finden. Allerdings könnten die Anstrengungen zu spät kommen. Einer IWF-Studie zufolge hatten die Monarchien am arabischen Golf ihre beste Chance auf einen erfolgreichen Umbau gehabt, als der Ölpreis bei 100 Dollar pro Barrel gelegen hatte.

"Saudi-Arabien muss seine Wirtschaft diversifizieren, reformieren und neu beleben", sagte Paul Sullivan, Professor an der Washingtoner Georgetown-Universität zu Bloomberg. Es reiche nicht aus, seine Investitionen außerhalb des Ölgeschäfts zu erhöhen.

Auslandsinvestitionen sollen massiv steigen

Der geplante Fonds soll eine herausragende Rolle in der Wirtschaft spielen und im In- und Ausland investieren, sagte der Prinz. Er sei groß genug, um die vier größten börsennotierten Konzerne zu übernehmen. Der Anteil an ausländischen Investments solle bis 2020 von derzeit fünf auf 50 Prozent steigen, sagte der Generalsekretär des PIF-Verwaltungsrates Yasir Alrumayyan.

Bin Salman kündigte zudem weitere Schritte als Teil eines Nationalen Übergangsplans an. So sollen die Umsätze außerhalb des Ölgeschäfts durch verschiedene Maßnahmen wie Preisanhebungen und Mehrwertsteuern gesteigert werden. Auch die Ausgaben könnten durch stärkere Effizienz gesenkt werden. Die Regierungsausgaben hätten üblicherweise mehr als 40 Prozent des Budgets betragen. Dies sei 2015 auf zwölf Prozent reduziert worden, sagte der Vize-Kronprinz.

ssu/brt

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