Schäuble im Glück Schrottbank entdeckt 55,5 Milliarden Euro

Ein kapitaler Fehler! Finanzminister Schäuble kann sich über unerwarteten Geldsegen freuen: Ein jetzt aufgedeckter Bilanzpfusch bei der Bad Bank der Hypo Real Estate verkleinert das Staatsdefizit. Aus zunächst gemeldeten 24,5 Milliarden Euro an Fehlbuchungen wurden nun sogar 55,5 Milliarden.
Finanzminister Schäuble: Klammheimliche Freude

Finanzminister Schäuble: Klammheimliche Freude

Foto: dapd

München/Berlin - Wolfgang Schäuble ist dafür bekannt, wenig Verständnis für Fehlleistungen zu zeigen - über diesen Pfusch könnte sich der CDU-Finanzminister aber sehr gefreut haben: Weil die Experten bei der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) die Verbindlichkeiten in der Bilanz falsch gebucht hatten, ist Deutschland schlagartig um 55,5 Milliarden Euro weniger verschuldet als bislang angenommen.

Man habe schlichtweg falsch gerechnet, sagte ein Sprecher der FMS Wertmanagement, wie die Bad Bank der HRE heißt. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von "stern.de". Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bestätigte Fehler in der Bilanzierung; die Summe von 55,5 Milliarden Euro sei auf Fehlbuchungen zurückzuführen.

Zunächst hatte es noch geheißen, es sei nicht der gesamte Betrag eine Folge von Fehlbuchungen gewesen, sondern lediglich 24,5 Milliarden Euro. Das Institut habe im laufenden Jahr außerdem Werte für knapp 31 Milliarden Euro verkaufen können. Später am Abend korrigierte ein Sprecher des Finanzministeriums diese Darstellung - der gesamte Betrag sei das Ergebnis eines Rechenfehlers.

Tatsächlich verteilten sich die 55,5 Milliarden auf zwei Jahre, erklärte der Sprecher Schäubles, 2010 sei der ursprünglich genannte Betrag von 24,5 Milliarden falsch deklariert worden, im Folgejahr seien weitere 31 Milliarden nicht korrekt verbucht worden.

Dem Ministerium ist der Bilanzpfusch bei der FMS Wertmanagement nach eigenen Angaben bereits seit Anfang Oktober bekannt. Es hat die korrigierten Zahlen bereits an Eurostat in Brüssel gemeldet - was rückwirkend zu einer Absenkung des deutschen Staatsschuldenberges im Jahr 2010 von 84,2 Prozent auf 83,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) führte.

Für das Jahr 2011 erwartet das Ministerium nun eine Schuldenquote von nur noch 81,1 Prozent des BIPs - das sind 2,6 Prozentpunkte weniger als die Regierung noch Ende September nach Brüssel meldete.

Griechenland-Schnitt wird Bad Bank der HRE hart treffen

Der Öffentlichkeit gegenüber bewahrte das Ministerium über die Nachricht aber Stillschweigen. Die Bundesregierung habe die korrigierte Bilanz "zur Kenntnis genommen", lässt Schäuble nun verlauten. Die von der FMS Wertmanagement genannten Gründe für die falschen Buchungen seien zwar plausibel. "Die genauen Hintergründe und Einzelheiten müssen jedoch noch sorgfältig untersucht und bewertet werden."

Die Freude des Ministers über den Geldsegen könnte sich jedoch bald wieder eintrüben: Der beabsichtigte Schuldenschnitt für Griechenland wird die Bad Bank der HRE wohl besonders hart treffen - sie hat immer noch Anleihen des Euro-Krisenstaats für 8,8 Milliarden Euro in der Bilanz.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, das Finanzministerium habe 24,5 Milliarden Euro aus Fehlbuchungen bei der Bad Bank der Hypo Real Estate entdeckt, 31 weitere Milliarden seien auf die Veräußerung von Werten zurückzuführen. Später korrigierte das Ministerium seine eigene Darstellung. Die gesamte Summe von 55,5 Milliarden Euro sei die Folge eines Rechenfehlers bei der Bilanzierung.

fdi/Reuters/dapd/