Euro-Krise Schäuble lehnt EZB-Hilfen für Spanien ab

Seit Tagen wird gemunkelt, dass die EZB spanische Staatsanleihen im großen Stil aufkaufen will. Jetzt hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble entsprechende Berichte zurückgewiesen - da sei "nichts dran". Spanien selbst fordert von Deutschland mehr Solidarität in der Euro-Krise.
EZB-Neubau in Frankfurt am Main: Greift die Notenbank ein oder nicht?

EZB-Neubau in Frankfurt am Main: Greift die Notenbank ein oder nicht?

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Berlin - Seit Tagen wird darüber spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) plant, gemeinsam mit dem Rettungsfonds EFSF spanische Staatsanleihen aufzukaufen - so soll Spanien wieder günstiger an Kapital kommen. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge sind die Euro-Länder bereit, dieses Vorgehen zu unterstützen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) allerdings hat die Berichte jetzt in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" zurückgewiesen.

"Nein, an diesen Spekulationen ist nichts dran", sagte Schäuble der Zeitung. Der Bundesfinanzminister sagte, es sei bereits ein hinreichend großes Hilfspaket für Spanien geschnürt worden.

Das 100-Milliarden-Euro-Paket zur Rekapitalisierung spanischer Banken schließe auch eine Soforthilfe von 30 Milliarden Euro ein. "Der Finanzbedarf Spaniens ist kurzfristig nicht so groß", sagte Schäuble, "die hohen Zinsen sind schmerzlich - aber die Welt geht nicht unter, wenn man bei einigen Anleiheauktionen ein paar Prozent mehr zahlen muss".

"Deutschland ist in einer schwierigeren Situation sehr geholfen worden"

Die Zinsen für spanische Staatsanleihen hatten in den vergangenen Tagen die als kritisch geltende Schwelle von sieben Prozent überschritten. Schäuble äußerte sich aber überzeugt, dass die spanischen Reformanstrengungen, die er ausdrücklich lobte, bald belohnt werden dürften. Der Finanzminister trifft sich am Montag mit seinem US-Amtskollegen Timothy Geithner. Beobachter erwarten, dass auch in diesem Gespräch auf der Urlaubsinsel Sylt die europäische Finanzkrise im Mittelpunkt stehen wird.

Der spanische Europaminister Inigo Méndez de Vigo hat in einem Interview von der Bundesregierung mehr Einsatz und Solidarität bei der Krisenbewältigung gefordert. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Deutschland in einer weitaus schwierigeren Situation sehr geholfen worden, sagte der Minister der "Bild"-Zeitung. Viele Länder hätten zugunsten der Bundesrepublik auf Geld verzichtet. "Das sollte Deutschland nicht vergessen".

Auch der Minister wies Spekulationen zurück, wonach Spanien umfassende Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF benötige. "Das wird nicht passieren", sagte Méndez de Vigo. Allerdings müsse die EZB "dringend handeln", um die hohen Zinslasten zu verringern.

nck/AFP/dapd