Vollautomatische Bescheide Schäuble plant digitale Bearbeitung von Steuererklärungen

Seit Jahresbeginn können Bürger ihre Steuererklärung online abgeben. Jetzt will Bundesfinanzminister Schäuble das Verfahren nach SPIEGEL-Informationen auch auf Seiten der Ämter vereinfachen - Computer sollen die Steuerbescheide ausstellen.
Bundesfinanzminister Schäuble: Kollege Computer soll Steuererklärungen prüfen

Bundesfinanzminister Schäuble: Kollege Computer soll Steuererklärungen prüfen

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Steuererklärungen künftig vollständig durch Computerprogramme prüfen lassen. Nach Informationen des SPIEGEL geht das aus einem Diskussionspapier des Bundesfinanzministeriums für eine Arbeitsgruppe mit den Ländern hervor, die sich eine Modernisierung der Steuerbearbeitung zum Ziel gesetzt hat.

Durch die computergestützte Fallbearbeitung könnten künftig "Steuerbescheide auch vollautomatisch ergehen", heißt es in dem Papier. Die Programme sollen in der Lage sein, fehlerhafte oder falsche Angaben zu erkennen. Das "Risikomanagement" werde so programmiert, "dass es treffsicher risikobehaftete Fälle zur personellen Prüfung aussteuert", schreiben Schäubles Experten. Dennoch sind auch künftig Zufalls- und Turnusprüfungen durch Finanzbeamte vorgesehen.

Bei der maschinenlesbaren Steuererklärung müssen künftig Belege über Ausgaben nicht mehr beiliegen. Sie werden "bei entsprechendem Anlass vom Finanzamt gezielt angefordert". Die Neuerungen sollen 2016 in Kraft treten.

"ElsterOnline" macht noch viel Arbeit

Seit März dieses Jahres bieten die Finanzämter den Steuerzahlern eine vorausgefüllte Steuererklärung. Die digitale Variante soll Zeit und Mühe ersparen, verspricht das elektronische Finanzamt "ElsterOnline". Lohnsteuerhilfevereine warnen allerdings davor, sich blind auf den Service zu verlassen. Die Elster-Variante sei keine fertige Steuererklärung und enthalte schon gar nicht mögliche Beträge, die sich gegen die Steuerlast aufrechnen lassen, lautet die Kritik. Jeder Steuerzahler müsse nach wie vor selbst seine absetzbaren Aufwendungen auflisten und dafür sorgen, dass seine Steuersparchancen nicht unter den Tisch fallen.

Auch die bereits in dem elektronischen Vordruck enthaltenen Daten - etwa von Kranken- oder Rentenversicherern, oder vom Arbeitgeber - müssen akribisch überprüft werden, sind dann allerdings für die kommenden Jahre gespeichert.

Entsprechend gering ist die Nachfrage nach dem neuen Service. Bis Ende März meldeten sich gerade mal 14.000 Bürgerinnen und Bürger für das neue Verfahren an, wie das Bundeszentralamt für Steuern berichtet.

mik
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.