Schäuble zu Einwanderung "Wir sind darauf angewiesen, dass Arbeitskräfte zu uns kommen"

Finanzminister Schäuble warnt vor Ressentiments gegen Einwanderer. "Deutschland profitiert von der europäischen Integration wie kaum ein anderes Land", sagt er in einem Interview - und spricht sich für einen EU-Beitritt Serbiens aus.
Finanzminister Wolfgang Schäuble: "Es gibt auch Deutsche, die Sozialleistungen missbrauchen."

Finanzminister Wolfgang Schäuble: "Es gibt auch Deutsche, die Sozialleistungen missbrauchen."

Foto: Michael Sohn/ AP/dpa

Hamburg - Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Deutschen vor Ressentiments gegen Zuwanderer gewarnt. "Deutschland profitiert von der europäischen Integration wie kaum ein anderes Land", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag". "Und wir sind darauf angewiesen, dass Arbeitskräfte zu uns kommen."

Im Bereich der Pflege ginge es gar nicht mehr ohne sie, betonte der CDU-Politiker. "Im übrigen gibt es auch Deutsche, die Sozialleistungen missbrauchen oder Steuern hinterziehen. Das kommt selbst in den edelsten Kreisen vor." Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte kürzlich über Deutschland gesagt: "Einwanderung tut diesem Land sehr gut."

Schäuble betonte jetzt die Bedeutung des vereinten Europas: "Es gilt, die europäische Einigung gegen alle Probleme und Widerstände zu verteidigen und fortzusetzen." Mit der Europäischen Union hätte es keinen Ersten und Zweiten Weltkrieg gegeben, fügte er hinzu. "Das Gedenkjahr 2014 könnte uns helfen, zu begreifen, welch ein Glück wir in den Händen halten und dass wir Europa nicht gefährden dürfen." Die Bundesbürger sollten sich bewusst sein, was für ein Glück sie in den vergangenen 50 Jahren gehabt hätten. "1914 herrschte in Europa und Deutschland eine große Zuversicht, und dann kam diese unglaubliche Katastrophe. Daran kann man sehen, wie schnell man Glück verspielen kann."

Dauerhaft Frieden auf dem Balkan

Vor diesem Hintergrund begrüßte Schäuble den Wunsch Serbiens, Mitglied der EU zu werden: "Das sorgt für Stabilität und dauerhaften Frieden auf dem Balkan." Vor allem die Zuwanderung aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien wird derzeit zum teil heftig diskutiert. Seit Anfang des Jahres dürfen die Bürger aus diesen Ländern legal in Deutschland arbeiten.

Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hatte kürzlich ergeben, dass Einwanderer dazu beitragen, den Fachkräftemangel in Deutschland einzudämmen. Zum Teil seien die Zuzügler sogar besser qualifiziert als die einheimische Bevölkerung. So besitzen laut der IW-Untersuchung knapp 25 Prozent der erwachsenen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien einen akademischen Abschluss - unter den Zuwanderern insgesamt sind es 29 Prozent, innerhalb der Gesamtbevölkerung hierzulande aber nur 19 Prozent.

hei/AFP
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