Schattenwirtschaft Aufschwung drückt Schwarzarbeit auf 18-Jahres-Tief

Der Boom der Wirtschaft hat den Arbeitsmarkt beflügelt - und die illegale Beschäftigung stark gedrückt: In Deutschland wird so wenig schwarzgearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr. Trotzdem wird Schätzungen zufolge jeder siebte Euro am Finanzamt vorbeigeschleust - insgesamt 344 Milliarden Euro im Jahr.
Maler bei der Arbeit: Vergleichsweise leichte Jobsuche

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Foto: Patrick Pleul/ dpa

Tübingen - Noch geht Schwarzarbeit in Deutschland zurück - doch hält der Trend trotz schwächerer Konjunktur an? Ja, sagen die Forscher des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in ihrer am Dienstag veröffentlichten Schattenwirtschaftsprognose. Allerdings nehme das Tempo gegenüber den Vorjahren ab.

Zunächst gibt es jedoch Rekorde zu vermelden: In Deutschland wird derzeit so wenig schwarzgearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr. Demnach wurden im vergangenen Jahr knapp 344 Milliarden Euro am Fiskus vorbei erwirtschaftet - vier Milliarden Euro weniger als 2010. Die IAW-Forscher führen dies insbesondere auf die niedrige Arbeitslosigkeit zurück. Weil man derzeit vergleichsweise leicht einen regulären Job bekomme, sei Schwarzarbeit für die Menschen nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren, sagte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann.

Trotzdem geht das Institut davon aus, dass in Deutschland jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust wird. Das Volumen der Schattenwirtschaft betrug zuletzt demnach mehr als 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Zur Schattenwirtschaft zählen nach Angaben der Autoren:

  • Schwarzarbeit, also Tätigkeiten, die auch legal ausgeübt werden könnten, die jedoch den staatlichen Stellen nicht gemeldet werden, damit keine Steuern und Sozialbeiträge gezahlt werden müssen.
  • Illegale Beschäftigung (insbesondere illegale Arbeitnehmerüberlassung und illegale Ausländerbeschäftigung),
  • kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei, Drogenhandel, Betrug, Schmuggel und Menschenhandel.

Für das bereits begonnene Jahr sind die Autoren weiter zuversichtlich. Sie rechnen mit einem Rückgang der Schattenwirtschaft um rund 1,6 Milliarden Euro auf knapp 343 Milliarden Euro, auch weil die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen dürfte. Der zum Jahresbeginn eingeführte Mindestlohn für Zeitarbeiter werde das Volumen zusätzlich um geschätzte 300 Millionen Euro verringern. Auch der seit Anfang Januar geltende geringere Rentenversicherungsbeitrag werde den Trend stützen.

yes/dpa
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