Schlechtere Ratings Finanzmärkte verlieren Vertrauen in Griechenland

Die Reaktion der Märkte kam schnell: Nachdem mit Standard & Poors auch die zweite Ratingagentur binnen weniger Tage die Kreditwürdigkeit Griechenlands herabgestuft hat, herrscht an den Finanzmärkten des Landes Aufregung. Denn die Bonität könnte sich weiter verschlechtern.

Sitz der griechischen Nationalbank: Brenzlige Zeiten
dpa

Sitz der griechischen Nationalbank: Brenzlige Zeiten


Athen - Es war bereits die zweite Herabstufung Griechenlands durch eine Ratingagentur binnen einer Woche. Am Donnerstag sorgte die Entscheidung von Standard & Poors (S&P), die Bonität des Landes deutlich schlechter einzustufen, für Aufregung an den Finanzmärkten des Landes. Die Renditeaufschläge auf griechische Staatsanleihen schnellten nach oben, Aktienkurse gaben nach.

Die Investoren befürchteten nun, dass nach Fitch und S&P auch die dritte Agentur Moody's ihre Bewertung senkt. "Der Markt geht davon aus, dass auch Moody's nach unten geht - was wir nicht wissen ist, wie stark das Rating gekappt wird", sagte ein Analyst. Derzeit liegt die Moody's-Note bei A1 und damit noch drei Stufen über der Bewertung BBB+, die S&P und Fitch vergeben. Insbesondere die Aktien von Banken verloren.

Der Renditeaufschlag bei Staatsanleihen stieg auf mehr als 2,5 Prozentpunkte. Investoren nannten als Begründung das höhere Risiko, das mit der schlechteren S&P-Note verbunden werde. "Was Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass der S&P-Bericht Platz für mögliche weitere Herabstufungen lässt", sagte Takis Zamanis von Beta Securities.

Staatsdefizit in Höhe von 12,7 Prozent

Auch der Zeitpunkt sei Grund zur Besorgnis: Er zeige an, dass die Sparbemühungen der griechischen Regierung als nicht ausreichend bewertet würden. Die Regierung in Athen hat in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dass sie die Verschuldung kräftig drosseln und binnen weniger Jahre beim Haushaltsdefizit die Maastricht-Grenze von drei Prozent einhalten wolle.

Griechenland hatte erst vor kurzem eingeräumt, dass sich das Staatsdefizit auf 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft und damit doppelt so groß ist wie ursprünglich angegeben. S&P hält mehrjährige Anstrengungen Griechenlands für nötig, um die Finanzen zu reformieren. Das Rating könnte erneut gesenkt werden, falls der politische Rückhalt für die Umsetzung des Sparprogramms fehle. Deshalb laste auch auf der neuen Note ein negativer Ausblick, erklärte S&P am Mittwochabend.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou wollte sich am Donnerstag mit dem EZB-Vizepräsidenten Lucas Papademos in Frankfurt treffen, um über die desolate Finanzlage Griechenlands zu sprechen.

Größte Gewerkschaften halten sich noch zurück

Schon jetzt regt sich aber Widerstand gegen die bislang unkonkreten Sparpläne der Regierung. Am Donnerstag demonstrierten mehrere tausend Griechen in Athen gegen den verordneten Sparkurs. Lehrer, Krankenhausärzte, Journalisten und städtische Arbeiter legten ihre Arbeit nieder. Zu dem Ausstand hatte eine kommunistisch orientierte Gewerkschaft aufgerufen.

Die größten Gewerkschaften Griechenlands beteiligten sich nicht an den Kundgebungen, die nach mehreren Stunden friedlich zu Ende gingen. Sie wollen zunächst die Einzelheiten des Sparprogramms erfahren, mit dem Ministerpräsident George Papandreou das Land vor dem drohenden Schuldenkollaps retten will.

Papandreou erklärte bereits, er werde sein Land mit dem Kampf gegen Korruption und Verschwendung ohne Rücksicht auf die politischen Kosten aus dem Schuldensumpf ziehen. "Uns steht kein orthodoxer Mix aus Maßnahmen zur Verfügung", sagte er. "Wir haben aber Mittel, die sich nicht nur mit den Symptomen befassen, sondern mit den Kernproblemen der griechischen Wirtschaft und Finanzsituation."

böl/Reuters/APD

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