Kredit für Auto verweigert Schufa-Klägerin zieht vor Verfassungsgericht

Wegen eines Fehlers der Schufa bekam eine Frau aus Mittelhessen keinen Kredit für ein Auto. Sie hatte daraufhin gegen die Bewertungspraxis geklagt - vergeblich. Jetzt legt sie in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde ein.

Schufa-Filiale in Berlin: Verfassungsbeschwerde eingereicht
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Schufa-Filiale in Berlin: Verfassungsbeschwerde eingereicht


Karlsruhe - Das Bundesverfassungsgericht muss sich mit der Schufa auseinandersetzen: Eine Angestellte aus Mittelhessen hat Beschwerde in Karlsruhe eingereicht, wie ein Sprecher des Gerichts erklärte. Die Klägerin will die Wirtschaftsauskunftsdatei dazu zwingen, ihr mitzuteilen, wie die Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit zustande kam. Die 55-Jährige war mit einer entsprechenden Klage im Januar vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gescheitert.

Der BGH hatte die Revision der Frau mit der Begründung zurückgewiesen, dass die Schufa Verbrauchern keine umfassende Auskunft zur Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit geben muss. Zuvor hatte bereits das Landgericht Gießen im März 2013 entschieden, dass die bisherige Auskunftspraxis der Schufa den Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes genügt.

Die Schufa hatte der Klägerin eine negative Kreditwürdigkeit bescheinigt, so dass sie kein Darlehen für ein neues Auto aufnehmen konnte. Später stellte sich heraus, dass die Schufa die Frau mit einer Namensvetterin verwechselt hatte. Die 55-Jährige kündigte daraufhin an, den Fall nötigenfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof zu treiben, sollten auch die Verfassungsrichter ihre Beschwerde ablehnen.

Das Unternehmen gibt auf Anfrage Auskunft über die gespeicherten Daten, nicht aber über seine Rechenmethode. Es informiert Verbraucher auch nicht, wie diese Werte errechnet werden, und verweist dazu auf ihr Geschäftsgeheimnis. Zuletzt war zudem bekannt geworden, dass die Schufa entgegen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nicht immer alle gespeicherten Daten auf Anfrage herausgibt. Die Bewertungen der Schufa und anderer Auskunfteien sind für Millionen Menschen wichtig, die für Kredite oder Mietverträge auf eine positive Auskunft angewiesen sind.

mxw/dpa



insgesamt 97 Beiträge
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hhfra 11.04.2014
1. Respekt!!
Die Frau ist einfach nur noch zu bewundern. Klagt sich aus Prinzip (und wohl völlig zu Recht) durch alle Instanzen. Solche Menschen, die selbst gegen Windmühlen anrennen, braucht dieses Land. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen viel Kraft - und am Ende Erfolg
weltbetrachter 11.04.2014
2. Schufa ???
Die Schufa ist an "SELSTHERRLICHKEIT" kaum noch zu überbieten. Soweit mir bekannt ist, wird die Schufa von Banken finanziert und ist keine staatliche Einrichtung. Für uns Bürger ist sie jedoch eine Institution, die durchaus auch Existenzen vernichten kann. Wer hat der Schufa eigentlich so viel Macht gegeben ? Und Auskünfte verweigern, wenn die betroffene Person selbst anfragt, geht ja wohl gar nicht.
weltbetrachter 11.04.2014
3. uneingeschränkte Auskunft ..? - für wen ..?
Wenn ich den Artikel so lese, läuft es mir eiskalt über den Rücken. Da bekommen Kreditgeber "uneingeschränkte" Auskünfte über Personen. Den "betroffenen Personen" werden diese jedoch verweigert. DAS hat mit Datenschutz nichts zu tun. Das ist Willkür eines privat organisierten Unternehmens.
kenterziege 11.04.2014
4. Transparenz
Die Schufa müsste im Einzelfall gezwungen werden können, ihre "Berechnungs- und Einstufungsmethoden offen zu legen. Es gibt für die Mehrzahl der Bürger Anschaffungen, die sind in einer Größenordnung, dass es ohne Kredit nur schwer geht. Ich denke da an Autos oder Küchen. Es muss noch nicht einmal die Hypothek für das Haus sein. Es kann aber schon ein Mietvertrag sein. Fehler können nur beseitigt werden, wenn sich ein Kunde auf Basis von transparenten Einstufungsmethoden wehren kann. Wenn dann einer wirklich keine gute Bonität hat muss er damit leben. Aber wenn jemand zu Unrecht die falsche Bonität zugewiesen wird, ist das Rufschädigung. Ich schätze, die Dame bekommt zum Schluss recht!
weltbetrachter 11.04.2014
5. Schufa Privatunternehmen
Im Impressum der Schufa ist diese mit "AG" - also einer "Aktiengesellschaft" bezeichnet. Wieso hat eine Aktiengesellschaft so viel Rechte und Macht ? Wer beaufsichtigt eigentlich die Schufa ?
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