Schulden-Konzept Deutsche Banken wollen Athen helfen

Ein Vorschlag aus Frankreich bringt offenbar den Durchbruch: Auch deutsche Banken sollen nun bereit sein, sich an der Griechenland-Rettung zu beteiligen und einen Teil der Schulden Athens zu strecken. Finanzminister Schäuble will mit Josef Ackermann & Co. persönlich über die Details verhandeln.

Demonstrant vor dem griechischen Parlament: Mehr Zeit für die Schuldentilgung
REUTERS

Demonstrant vor dem griechischen Parlament: Mehr Zeit für die Schuldentilgung


Hamburg - Private Gläubiger sollen sich beteiligen: Das hat die Bundesregierung immer wieder zur Voraussetzung für weitere Finanzhilfen an Griechenland erklärt. Nun ist offenbar eine Lösung gefunden: Verschiedene Medien berichten, die Mehrzahl der deutschen Institute sei bereit, sich einem Vorschlag zur Schuldenstreckung aus Frankreich anzuschließen.

"Das soll jetzt zu einem deutschen Beschluss ausgearbeitet werden", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider im Bundesfinanzministerium. Die Details wolle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag persönlich mit den Chefs der großen deutschen Banken und Versicherer aushandeln.

Nach dem zwischen der Regierung in Paris und französischen Banken vereinbarten Plan sollen Geldgeber 50 Prozent ihrer auslaufenden griechischen Staatsanleihen in neue, 30 Jahre lang laufende Schuldtitel investieren. 20 Prozent sollen in einen speziellen Fonds fließen, der über Wertpapiere mit höchster Kreditwürdigkeit abgesichert wird.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ist jedoch noch unklar, ob auch deutsche Banken für die neuen Anleihen eine Laufzeit von 30 Jahren akzeptieren. Andernfalls sollten mehrere Zweckgesellschaften gegründet werden, um die Geschäfte parallel abzusichern. Die Fonds würden voraussichtlich beim Rettungsfonds EFSF angesiedelt, aus dem Griechenland bislang keine Mittel erhält.

Die Deutsche Bundesbank begrüßte die Verhandlungen mit deutschen Banken. Auf keinen Fall dürfe jedoch "die Beteiligung privater Gläubiger zu einer höheren Belastung der öffentlichen Haushalte führen", sagte Bundesbankvorstand Joachim Nagel der "Süddeutschen Zeitung". Der Beitrag der Banken müsse absolut freiwillig sein und dürfe von den Ratingagenturen nicht als Zahlungsausfall gewertet werden.

Deutsche Banken und Versicherer waren nach früheren Angaben mit 10 bis 18 Milliarden Euro in Griechenland engagiert. Eine komplett freiwillige Einbindung der Privatgläubiger ist wichtig, damit Rating-Agenturen diese Maßnahme nicht als Zahlungsausfall bewerten. Dies würde die Schuldenkrise in der Euro-Zone dramatisch verschärfen.

Eine endgültige Lösung für die freiwillige Gläubigerbeteiligung wird bis zum Sondertreffen der Euro-Finanzminister am 3. Juli angestrebt. Dort sollen auch die Eckpunkte des zweiten Hilfspakets für Griechenland beschlossen werden. Zuvor muss das griechische Parlament am Mittwoch dem umstrittenen neuen Sparpaket der Regierung zustimmen.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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cruzha 29.06.2011
1. Toll
Einfach ein Genuss: Die Deutsche Bank leiht sich für 1,25% Milliarden bei der EZB und verleiht diese Gelder mit zweistelligem Zins an Griechenland weiter. Und wer soll für diesen Wucher jetzt bezahlen? Natürlich die anderen, logisch. Einziger Profiteur bei diesem Geschäft sich die kreditgebenden Finanzinstitute.
anderton 29.06.2011
2. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
---Zitat--- Deutschland will private Gläubiger unbedingt an der Rettung von Hellas beteiligen. Selbst im derzeit diskutierten französischen Modell wäre das allerdings nicht der Fall: Private Gläubiger wären bei einer Laufzeitverlängerung von Verlustrisiken befreit. ---Zitatende--- Quelle: http://www.ftd.de/politik/europa/:franzoesisches-modell-banken-entgehen-griechen-risiken/60071086.html
thrasybulos 29.06.2011
3. ...
Die Wahrscheinlichkeit, daß "unsere" Banken einen wesentlichen Teil des Risikos auf sich nehmen werden, tendiert doch gegen Null. Die Sahne schöpft man vorher gerne ab...
Nevis 29.06.2011
4. Text
"Finanzminister Schäuble will mit Josef Ackermann & Co. persönlich über die Details verhandeln." Na das werden sicher knallharte Verhandlungen in denen Schäuble Ackermann und Konsorten brutalsmöglichst in die Pflicht nehmen wird! Und ich wette Schäuble wird den Banken diesmal keine Schlupflöchler lassen oder Verluste der Banken dem Steuerzahler aufhalsen. Ich habe allergrößtes Vertrauen zu unseren Politikern und zu Herrn Schäuble.
hardy641 29.06.2011
5. Was geschieht mit den Anleihen in privater Hand?
Hier ist immer nur von institutionellen Anlegern die Rede. Was geschieht eigentlich mit den Bonds, die in im Besitz von Privatanlegern, sprich dem Buerger, sind? Sind diese von der Laufzeitverlaengerung ausgeschlossen oder werden die kleinen Privatanleger nicht gefragt und muessen eine Laufzeitverlaenerung einfach so akzeptieren?
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