Schuldenabbau Spaniens Schocksparpläne treiben Dax und Euro

Lohnkürzungen, Stellenabbau, Investitionsstopp: Spanien reagiert mit drastischen Einschnitten auf die Schuldenkrise. Bis Ende 2011 will die Regierung 15 Milliarden Euro sparen. Dax und Euro drehten nach der Ankündigung ins Plus.

AP

Madrid - Spanien spart - und zwar kräftig: Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat am Mittwoch ein umfassendes Reformpaket im Madrider Parlament präsentiert. Spanien will 2010 und 2011 insgesamt 15 Milliarden Euro sparen und das Haushaltsdefizit rascher abbauen als bisher geplant. Insgesamt will die Regierung in den kommenden zwei Jahren gut sechs Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen einsparen. Die regionalen Regierungen sollen ihre Ausgaben um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Gehälter von Staatsbediensteten sollen noch in diesem Jahr um fünf Prozent gesenkt werden. Bei den Ministern beträgt die Kürzung sogar 15 Prozent. 2011 sollen die Beamtengehälter eingefroren werden. Außerdem sollen 13.000 Stellen im öffentlichen Dienst wegfallen. Die Renten sollen im kommenden Jahr nicht erhöht werden, mit Ausnahme der Mindestrenten.

Nach den von Zapatero nun bekanntgegebenen Details sieht das Sparpaket außerdem die Abschaffung des sogenannten "("Baby-Schecks" vor: einer Sonderbeihilfe für Familien mit Neugeborenen in Höhe von 2500 Euro. Auch bei den staatlichen Investitionen und der Entwicklungshilfe soll gespart werden. US-Präsident Barack Obama hatte Zapatero in der Nacht zum Mittwoch in einem Telefongespräch aufgefordert, die spanische Wirtschaft mit "einschneidenden Maßnahmen" zu stärken.

Das Parlament soll bereits am Freitag über die Sparmaßnahmen abstimmen. Durch das Paket soll das Haushaltsdefizit bis 2011 auf sechs Prozent reduziert werden. Zapatero reagiert damit auf die Schuldenkrise. Die Neuverschuldung im einstigen Boomland stieg 2009 auf 11,2 Prozent. Sie ist damit ähnlich hoch wie in Griechenland. Die Rating-Agentur S&P hatte deshalb die Kreditwürdigkeit des Landes Ende April auf "AA" von zuvor "AA+" herabgestuft.

Fotostrecke

3  Bilder
Spaniens Regierung unter Druck: Die Krise in Zahlen
Die spanische Wirtschaft hatte sich zu Jahresbeginn aus der Rezession gelöst. Die Wirtschaftsleistung legte im ersten Quartal um 0,1 Prozent zu. Das ist das erste Wachstum seit fast zwei Jahren

In Reaktion auf Spaniens Sparpläne hat der Euro deutlich zugelegt. Der Dax baute seine Gewinne aus und notierte zuletzt mehr als ein Prozent im Plus.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 279 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zwangsreunose 29.04.2010
1.
Zitat von sysopErst Griechenland, dann Portugal und Spanien - schließlich Italien und Irland? Die Krise hat die Staatsschulden und Zinsen von fünf EU-Problemstaaten so bedenklich in die Höhe getrieben, dass es Ökonomen graut. Kann Europa das Desaster noch abwenden? Was müssen die verflixten Fünf tun?
Kann nicht, weil die Märkte schneller reagieren als die Politik. ...was zu beweisen war.
schniggeldi 29.04.2010
2.
Wenn man den bevorstehenden Untergang des Abendlandes, pardon natürlich des Euros, oft genug unreflektiert beschwört und nachbetet - dann wird er kommen. Selbsterfüllende Prophezeihung.
dull77 29.04.2010
3. Der Euro ist schwach - aber die stärkst Währung der Welt
Zitat von sysopErst Griechenland, dann Portugal und Spanien - schließlich Italien und Irland? Die Krise hat die Staatsschulden und Zinsen von fünf EU-Problemstaaten so bedenklich in die Höhe getrieben, dass es Ökonomen graut. Kann Europa das Desaster noch abwenden? Was müssen die verflixten Fünf tun?
Der Euro ist nicht "das Gelbe vom Ei" - nur verglichen mit den Anderen immer noch "sau stark". Es wird kein Geld nachgedruckt, es werden nicht Kredite "für lau" rausgegeben und der Wechselkurs richtet sich nach den Märkten. Wenn jetzt die Verantwortlichen die Nerven behalten - haben wir zumindest US-Dolar, Yen und GB-Pfund auf Jahre "abgehängt".
zwangsreunose 29.04.2010
4.
Zitat von dull77Der Euro ist nicht "das Gelbe vom Ei" - nur verglichen mit den Anderen immer noch "sau stark". Es wird kein Geld nachgedruckt, es werden nicht Kredite "für lau" rausgegeben und der Wechselkurs richtet sich nach den Märkten. Wenn jetzt die Verantwortlichen die Nerven behalten - haben wir zumindest US-Dolar, Yen und GB-Pfund auf Jahre "abgehängt".
Sie meinen wir sind die Schönsten unter den Loosern. Es ist auch in Deutschland üblich, dass Kredite aufgenommen werden, um alte Kredite abzulösen (das nennt sich dann - Kredite werden zurückgezahlt) und die Zinsen zu zahlen. Das hört sich irgendwie nach pleite an. Ich wusste gar nicht, dass man da jetzt schon unterscheidet in: ein bisschen mehr zahlungsunfähig und ein bisschen weniger zahlungsunfähig.
Andreas Heil, 29.04.2010
5.
Zitat von dull77Der Euro ist nicht "das Gelbe vom Ei" - nur verglichen mit den Anderen immer noch "sau stark". Es wird kein Geld nachgedruckt, es werden nicht Kredite "für lau" rausgegeben und der Wechselkurs richtet sich nach den Märkten. Wenn jetzt die Verantwortlichen die Nerven behalten - haben wir zumindest US-Dolar, Yen und GB-Pfund auf Jahre "abgehängt".
Ganz genau.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.