Schuldendrama Wie die Hellas-Krise Europa verändert

Griechenlands Schuldenmisere beschäftigt die Euro-Zone seit fast anderthalb Jahren. Aber wie kam es überhaupt zu der Krise, die Europa schon jetzt stark verändert hat? Die größten Umbrüche als interaktive Chronik.

Protest vor dem griechischen Parlament: Zähes Ringen um Hilfen
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Protest vor dem griechischen Parlament: Zähes Ringen um Hilfen

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Hamburg - Am Dienstag geht es im griechischen Parlament um alles oder nichts. Ministerpräsident Georgios Papandreou muss die Vertrauensfrage stellen, weil Opposition und Bevölkerung seine immer drakonischeren Sparmaßnahmen nicht mehr mittragen wollen. Vergangenen Mittwoch attackierten Demonstranten das Finanzministerium, das Parlament und Papandreous Wagen.

Die Vertrauensfrage ist der neue Höhepunkt einer Krise, die Europas Währung seit 14 Monaten gefährdet. Seit Frühjahr 2010 kämpft Griechenland gegen den Bankrott - mit Sparpaketen und Milliardenhilfen der EU. Die europäischen Länder versuchen, den Griechen nach Kräften zu helfen. Denn eine Staatspleite in der Euro-Zone könnte Folgen haben, die noch katastrophaler sind als die des Zusammenbruchs der US-Bank Lehman Brothers. Dieser hatte die weltweite Finanzkrise ausgelöst; eine Pleite Griechenlands könnte das Aus für den Euro bedeuten.

Bereits im Mai 2010 schnürten EU-Spitzenpolitiker daher ein 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Griechen, derzeit verhandeln sie über ein zweites in etwa derselben Höhe. Es ist nicht klar, ob das reicht. Das Land drücken rund 340 Milliarden Euro Schulden. Allen Bemühungen zum Trotz, stehen die Hellenen noch immer dort, wo sie vor gut einem Jahr standen: am Abgrund. Wie die Krise ausgeht, ist ungewiss. Doch schon jetzt hat sie Europa verändert.

So wurde ein Rettungsschirm für pleitebedrohte Staaten geschaffen - obwohl Transferzahlzungen zwischen EU-Staaten lange tabu waren. So kaufte die Europäische Zentralbank im großen Stil Staatsanleihen verschuldeter EU-Länder - obwohl sie damit einen Teil ihrer Unabhängigkeit gegenüber der Politik verlor. In Finnland wurde eine EU-kritische Partei bei der Parlamentswahl zweitstärkste Kraft. Gleichzeitig aber ist es möglich, dass die Euro-Krise die wirtschaftspolitische Koordination der EU-Länder beschleunigt und die EU am Ende doch noch gestärkt aus dem Schlamassel hervorgeht.

Wie hat die Griechenland-Krise Europa verändert? Wo stand das Land vor einem Jahr, wo steht es heute? Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse - klicken Sie auf die Grafik:

insgesamt 67 Beiträge
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iosono3 21.06.2011
1. europa-aber richtig
was wir brauchen sind jetzt die vereinigten staaten von europa. dann wäre es ''egal'' ob griechenland pleite ist. kalifornien ist schiesslich auch pleite und es findet kein länderfinanzausgleich statt und der dollar ist auch nicht gefährdet wegen bundesstaaten wie kalifornien. was heute immer noch einer art ''emigration'' gleichkommt von einem land der EU in ein anderes zu ziehen wäre in zukunft wie ein umzug von texas nach new york . oder-wir hören mir diesem EU-konstrukt auf. es wird dann neue vereinigungen in europa geben-mit staaten die ''besser zusammenpassen'' was politische und ökonomische kultur betrifft.
rhalpha 21.06.2011
2. Es hängt mir zum Hals heraus
Zitat von sysopGriechenlands Schuldenmisere beschäftigt die Euro-Zone seit fast anderthalb Jahren. Aber wie kam es überhaupt zu*der Krise, die Europa schon jetzt stark verändert hat? Die größten Umbrüche als interaktive Chronik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769428,00.html
Nun der 10000ste Bericht über die Griechenlandkrise. In den Internetforen kann man sich die Finger wund schreiben, unsere Volksverräter werden alles und jede Summe durchwinken. Die haben längst ihre Schäfchen im Trockenen und wenn Deutschland Pleite ist sind sie schon lange nicht mehr im Amt, sondern sitzen auf einem schönen, fetten Versorgungsposten, wo sie in Schweizer Franken bezahlt werden. Ich wäre für einen Haircut, aber bei der Regierung und der EU. Am besten in Halshöhe.
VorwaertsImmer, 21.06.2011
3. Themaverfehlung: Designfehler westlicher Demokratien ist das Problem!!!
Zitat von sysopGriechenlands Schuldenmisere beschäftigt die Euro-Zone seit fast anderthalb Jahren. Aber wie kam es überhaupt zu*der Krise, die Europa schon jetzt stark verändert hat? Die größten Umbrüche als interaktive Chronik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769428,00.html
Die Griechenlandkrise ist nur eine Auspraegung eines grundlegenden Designfehlers westlicher Demokratien: Kurzfrist-Populismus mit auf Pump finanzierten Wahlgeschenken! Die USA, Deutschland, frankreich, Spanien, Portugal usw. die meisten der westlichen Demokratien haben ueber ihre Verhaeltnisse gelebt. Das kann kein Zufall sein! Und wie viele Billionen ballert momentan Merkel raus? 1-2? Banken, Griechen, Berlusconi-Rettung?!? DARUEBER SOLLTEN JOURNALISTEN SCHREIBEN!!! P.S. Und kommt mir nicht mit keyenes. Keynes fordert ja das in der Hochkonjunktur gespart wird, damit die Konjunktur nicht ueberhitzt. Wann wurde in Deutschland das letzte mal netto gespart ?!?!? 50 jahre her?!?
anderton 21.06.2011
4. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
Schluss damit, Jetzt!! Griechenland braucht einen wirklichen Neuanfang. Die ganzen Rettungsaktionen bringen gar nichts und zerstören den Euro und damit Europa noch mehr. Die Anfänge in diese Richtung kann man jetzt schon sehen. Die Menschen wollen diesen Wahnsinn nicht und wurden auch nicht gefragt. Da wo gefragt wurde, wurde abgelehnt. Das scheint allerdings unsere Politiker nicht zu interessieren. Wenn so (Brüsseler Republik (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15317086.html)) die Politik gemacht wird, kann man es den Menschen auch nicht verübeln. ---Zitat--- Jean-Claude Juncker ist ein pfiffiger Kopf. "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert", verrät der Premier des kleinen Luxemburg über die Tricks, zu denen er die Staats- und Regierungschefs der EU in der Europapolitik ermuntert. "Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." ---Zitatende--- Petition gegen den Europäischer Stabilitätsmechanismus (https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123) Danke! anderton
Kurt2, 21.06.2011
5. #1
Zitat von sysopGriechenlands Schuldenmisere beschäftigt die Euro-Zone seit fast anderthalb Jahren. Aber wie kam es überhaupt zu*der Krise, die Europa schon jetzt stark verändert hat? Die größten Umbrüche als interaktive Chronik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769428,00.html
Helfen wird den Griechen wohl nur ein Schuldenerlass und der Austritt aus der Eurozone, um sich dort neu aufzustellen. Dies muss verbunden werden mit einer Art europäischen Marshallplan, der eine staatliche Struktur schafft, inklusive Steuereintreibungssystem, Kataster und Korruptionsverhinderung. Jeder Beamte, der erwischt wird beim "Handaufhalten" wird gefeuert.
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