Schuldenkrise Deutsche Großbanken verweigern Griechenland den Kredit

Griechenlands Schuldenkrise droht sich zu verschärfen: Laut einer Branchenumfrage erwägen wichtige deutsche Großbanken einen Investitionsstopp in griechische Staatsanleihen. Gleichzeitig verschärfen Spekulanten die Finanznot.
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Die Wut der Straße: Proteste in Griechenland

Foto: Simela Pantzartzi/ dpa

Hamburg - Große deutsche Banken wollen laut einer Umfrage der "Financial Times Deutschland" ("FTD") nicht mehr in Staatsanleihen des hochverschuldeten Landes investieren. Die beiden wichtigsten deutschen Staatsfinanzierer, Eurohypo   und Hypo Real Estate  , kündigten am Donnerstag an, bei der bevorstehenden Finanzierungsrunde keine neuen Griechenland-Bonds mehr zu zeichnen.

Auch die Postbank   werde kein frisches Geld in dem Mittelmeerland investieren. Die Deutsche Bank   wolle nur noch als Investmentbank bei der Platzierung von Anleihen mitwirken und nicht mehr selbst Geld in griechischen Staatspapieren anlegen. Große Landesbanken wie die BayernLB und die Stuttgarter LBBW wollten sich nicht äußern. Aus Kreisen der Institute heiße es allerdings, Investitionen in Griechenland-Bonds seien "kaum vorstellbar".

Athens Finanzprobleme drohen sich damit deutlich zu verschärfen, schreibt die "FTD". Sollten sich die Anleihegläubiger aus Deutschland und möglicherweise auch aus anderen Ländern tatsächlich von Griechenland abwenden, müsste das Land höhere Zinskosten schultern. Dies würde den Kampf der Regierung gegen die enormen Staatsschulden zusätzlich erschweren - und das schon bald: Branchenkenner rechnen damit, dass die Griechen spätestens im kommenden Monat frische Milliarden aufzutreiben müssen, um alte Schulden zu finanzieren.

Deutschlands Banken waren für die Südeuropäer bislang ein äußerst wichtiger Kreditgeber. Derzeit stehe Griechenland bei ihnen mit umgerechnet 43 Milliarden Dollar in der Kreide, schreibt die "FTD". Nach SPIEGEL-Informationen hält die Hypo Real Estate   griechische Staatsanleihen in Höhe von 9,1 Milliarden Euro. Die Commerzbank, an der der Bund ebenfalls beteiligt ist, hält Griechenland-Papiere im Volumen von 4,6 Milliarden Euro. Auch angeschlagene Landesbanken haben im großen Stil griechische Anlagepapiere gekauft, die LBBW für 2,7 Milliarden Euro, die BayernLB für 1,5 Milliarden Euro.

Verschärfen Spekulanten die Schuldenkrise?

Das Geld wird für Griechenland möglicherweise nicht nur wegen der eigenen Schulden knapp. Das hochverschuldete Land droht laut "New York Times"  auch durch einen massiven Angriff von Spekulanten in den Ruin getrieben zu werden. Ein Dutzend Banken, darunter die amerikanischen Schwergewichte Goldman Sachs   und JP Morgan  , haben demnach einen Index entworfen, an dem sich ablesen lässt, wie hoch das Risiko ist, dass Griechenland oder andere Schuldenstaaten (siehe Infobox) pleitegehen.

Seine Berechnungsgrundlage seien Credit Default Swaps, Kreditversicherungen darauf, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Durch den Massenkauf solcher Papiere schieße ihr Preis in die Höhe. Dem Bericht zufolge verteuerte sich die Absicherung von zehn Millionen Euro griechischer Staatsschulden von Januar bis Februar um mehr als 100.000 Euro. Am Markt schüre dies die Angst, dass sich die reale Lage in Griechenland verschlimmert hat - was gar nicht unbedingt der Fall sein muss. Dennoch investieren weniger Anleger in griechische Bonds.

An den Spekulationen sind laut "New York Times" auch Banken beteiligt, die Griechenlands Haushalt andererseits stabilisieren, indem sie dem Staat seine Anleihen abkaufen. Zu den Instituten gehören dem Bericht zufolge die Credit Suisse  und die UBS  , die Société Générale   und die BNP Paribas  .

Die Zeitung erwähnt auch die Deutsche Bank  . Diese wollte sich am Donnerstag auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst nicht äußern. Am Abend jedoch dementierte ein Sprecher des Instituts die Vorwürfe: "Die Deutsche Bank spekuliert nicht gegen Griechenland."

ssu/dpa-AFX
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