Schuldenkrise Europa fürchtet die verflixten Fünf

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Griechenland - Protestieren, bangen, hoffen auf Europa


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Finanzkrise Griechenland: Die Volksseele kocht
Das hochverschuldete Griechenland ist Europas größtes Problem. Die Schuldenquote, also das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Bruttoinlandsprodukt, liegt weit über 100 Prozent. Tendenz steigend. Das Defizit des Haushalts 2009 beträgt fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Griechenlands Hauptproblem ist, dass die gewaltigen Schulden schnell refinanziert werden müssen. Die Rating-Agentur Moody's rechnet vor, dass die Regierung allein im ersten Halbjahr 2010 rund 40 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen muss - nur um alte Verpflichtungen zu begleichen und neue Ausgaben zu finanzieren. Die Regierung selbst gibt an, sie müsse dieses Jahr gut 10 Prozent ihrer öffentlichen Schulden refinanzieren, einen Großteil davon im April und Mai.

Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission

Das ist ein schwieriges Unterfangen für ein Land, dessen desolate Wirtschaftslage seit Wochen Schlagzeilen macht. Die Rating-Agenturen und die Kreditgeber auf den Kapitalmärkten sind verunsichert, die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen lagen zuletzt zeitweise vier Prozentpunkte über jenen Deutschlands. Die Ängste wachsen, der Staat könnte bald bankrott sein, weil er für die Anleihen keine Käufer mehr findet.

Die griechische Regierung hat der EU inzwischen Sanierungspläne vorgelegt - doch diese muten utopisch an. So soll das Staatsdefizit bis 2012 unter die im Euro-Stabilitätspakt erlaubte Marke von drei Prozent sinken. Das wären zehn Prozentpunkte in drei Jahren. Unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat seit Anfang der neunziger Jahre nur Schweden dieses Kunststück vollbracht. Und damals gab der New-Economy-Boom der Weltkonjunktur einen gewaltigen Schub. Jetzt steht der Weltwirtschaft nach Prognose vieler Ökonomen eine lange Stagnationsphase bevor.

Den Haushalt will die griechische Regierung mit einem Schocksparprogramm sanieren. Von Lohnkürzungen für Staatsdiener ist darin die Rede, von einem Einstellungsstopp im öffentlichen Sektor, von der Abschaffung sämtlicher Steuererleichterungen, von schärferen Kontrollen gegen Hinterzieher. Doch wie der öffentliche Sektor modernisiert werden könnte, wie Korruption und Klientelpolitik bekämpft werden sollen - solche Ansätze finden sich im Sparprogramm nicht. Entsprechend groß ist die Unsicherheit an den Kapitalmärkten immer noch.

Auch der EU reichen die Ankündigungen aus Athen nicht. Währungskommissar Joaquín Almunia forderte, der EU-Gipfel am Donnerstag solle deutlich machen, dass Griechenland nur im Gegenzug für klare Verpflichtungen Hilfen erwarten könne.

Im Klartext hieß das: Wir retten euch - aber nur, wenn ihr euer Land nach unseren Vorgaben umstrukturiert.

insgesamt 4754 Beiträge
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günter1934 10.02.2010
1.
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Der steht nicht mehr und nicht weniger vor dem Crash wie der Dollar. In den USA gibt es ja auch Bundesstaaten, die vor der Pleite stehen, Terminator lässt grüssen. Das wird dort sicher auch solange geregelt, wie es nur geht. Bis das ganze System crasht, dort wie bei uns.
Nutu 11.02.2010
2.
och nöööööööö ... nich schon wieder ne währungsumstellung. Ich weiss nich woher die griechen es langfristig nehmen wollen. Ihre Touristen haben sie jedenfalls vergrault.
tylerdurdenvolland 11.02.2010
3. Tolles Signal!
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Heissa! Da freut man sich in Irland Spanien und Portugal & Co, wenn man Griecheland mit Beram aushilft,dann kann man ja andetrswo getrost geauso weiter machen. Das "too big to fail" schreitet fort in eine andere Dimension. Steuerzahler und Wähler, wie dumm seid ihr doch...
amarildo 11.02.2010
4. Urlaub
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
If hoffe das der Euro abrutscht. Ich will nach DE und andere EU Staaten in Urlaub fahren und hoffe auf eine gute Umtausch rate.
mexi42 11.02.2010
5. Der Crash ...
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
war für jeden denkenden Menschen zu erkennen. Die Inhomogenität aller Mitgliedsstaaten begründet das Problem. Französischer Zeitungskommentar: Maastricht ist wie Versailles ohne Krieg. Die Deutschen müssen zahlen.
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