Schuldenkrise Europa fürchtet die verflixten Fünf

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Spanien - das wohl größte Risiko für den Euro


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Tapas und Tristesse: Spaniens EU-Ratsvorsitz
Spanien ist dabei, der nächste große Problemfall der EU zu werden. Experten fürchten, dass dieses Land eine viel größere Gefahr für die Stabilität der Euro-Zone ist als Griechenland. "Der eigentliche Brandherd ist nicht Griechenland, sondern Spanien", schrieb der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman in seinem Blog und zeigte sich besorgt über die geplatzte Immobilienblase des Landes. Der New Yorker Ökonomieprofessor Nouriel Roubini sieht das Land als größte Gefahr für dem Euro-Raum. Und die "Financial Times" schreibt in einem Kommentar: "In Spanien bahnt sich ein potentiell viel größeres Drama an."

Tatsächlich ist die spanische Staatsverschuldung vergleichsweise niedrig, sie beträgt 54,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch die potentiellen Gefahren für Europa sind weit größer - weil die spanische Wirtschaft viereinhalbmal so groß ist wie die griechische.

Steckbrief: Spanien

Schuldenquote: 54,3 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 11,4 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -3,7 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 11,8 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission / spanisches Wirtschaftsministerium
Und es gibt Befürchtungen, dass die Staatsschulden in den kommenden Jahren rasch wachsen werden. Das Haushaltsdefizit ist 2009 auf 11,2 Prozent hochgeschnellt. Und die Wirtschaft kommt, anders als in den meisten führenden Industrieländern, noch immer nicht in Fahrt. Spanien wird nach den Prognosen des Weltwährungsfonds (IWF) als einziges größeres Land in der EU 2010 kein Wachstum erzielen.

Und Ökonomen hegen wenig Hoffnung, dass das in den kommenden Jahren anders wird. Denn der bisherige Motor der spanischen Wirtschaft, der Immobiliensektor, wurde durch die Finanzkrise zerstört. Jahrelang hatte das Land von einem beispiellosen und von Spekulanten angeheizten Bauboom profitiert. Jetzt verkommen halbfertige Siedlungen zu Geisterstädten, und die Arbeitslosigkeit wächst auf immer neue Rekorde. Vier Millionen Menschen haben mittlerweile keinen Job mehr, mehr als 20 Prozent.

Spanien muss sich deshalb so stark umstrukturieren wie kaum ein anderes Land der Euro-Zone. Gleichzeitig muss die Regierung mächtig sparen, um das Defizit zu drücken.

Um Skeptiker in der EU zu beschwichtigen, hat die Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero einen Spar- und Reformplan vorgelegt. Bis 2013 will sie rund 50 Milliarden Euro einsparen und das Haushaltsdefizit auf drei Prozent drücken. Doch das Konzept wurde zur Blamage. Die Regierung musste den Plan wenige Stunden nach der Vorlage in Brüssel korrigieren. In dem Papier waren Kürzungen bei den Renten angekündigt, die bei den Spaniern einen Sturm der Entrüstung auslösten. Die Passage wurde umgehend getilgt. "Wir haben es hier mit einem unglaublichen Pfuschwerk zu tun", schrieb die Zeitung "El Mundo" am folgenden Tag.

Die Anleger sind verunsichert. Der Risikoaufschlag auf spanische Staatsanleihen liegt derzeit gut ein Prozentpunkt über dem für deutsche.

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günter1934 10.02.2010
1.
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Der steht nicht mehr und nicht weniger vor dem Crash wie der Dollar. In den USA gibt es ja auch Bundesstaaten, die vor der Pleite stehen, Terminator lässt grüssen. Das wird dort sicher auch solange geregelt, wie es nur geht. Bis das ganze System crasht, dort wie bei uns.
Nutu 11.02.2010
2.
och nöööööööö ... nich schon wieder ne währungsumstellung. Ich weiss nich woher die griechen es langfristig nehmen wollen. Ihre Touristen haben sie jedenfalls vergrault.
tylerdurdenvolland 11.02.2010
3. Tolles Signal!
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
Heissa! Da freut man sich in Irland Spanien und Portugal & Co, wenn man Griecheland mit Beram aushilft,dann kann man ja andetrswo getrost geauso weiter machen. Das "too big to fail" schreitet fort in eine andere Dimension. Steuerzahler und Wähler, wie dumm seid ihr doch...
amarildo 11.02.2010
4. Urlaub
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
If hoffe das der Euro abrutscht. Ich will nach DE und andere EU Staaten in Urlaub fahren und hoffe auf eine gute Umtausch rate.
mexi42 11.02.2010
5. Der Crash ...
Zitat von sysopMega-Defizite in Griechenland, Spanien und anderen Ländern bringen den Euro-Kurs unter Druck, das Krisenmanagement der Politik schwankt zwischen Aktionismus und Hilflosigkeit - steht der Euro vor dem Crash?
war für jeden denkenden Menschen zu erkennen. Die Inhomogenität aller Mitgliedsstaaten begründet das Problem. Französischer Zeitungskommentar: Maastricht ist wie Versailles ohne Krieg. Die Deutschen müssen zahlen.
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