Schuldenkrise Globale Finanzelite beschwört Euro-Comeback

Die Signale für Europas Zukunft sind positiv: Einflussreiche Finanzexperten rechnen beim Spitzentreffen in Davos mit einem schnellen Ende der Schuldenkrise - eine Flucht Spaniens unter den Rettungsschirm schließen sie aus. Gläubigerländer müssen sich wohl auf Umschuldungen gefasst machen.

Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos: Zuversichtlich für Spanien
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Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos: Zuversichtlich für Spanien


Davos/Frankfurt am Main - Euro-Krise? War da was? Die Elite der globalen Finanzwelt ist sich nahezu einig: Europa ist auf dem besten Weg, seine Schuldenkrise zu überwinden - und dürfte ein starkes Comeback feiern.

Das ist die Quintessenz dessen, was die meisten Großen der Branche in diesen Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos der Öffentlichkeit mitteilen wollen. Auch auf die in der Euro-Zone derzeit am heißesten diskutierte Frage geben sie eine Antwort: Muss das schuldengeplagte Spanien unter den 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm flüchten?

Nein, meint Deutsche-Bank-Chef Chart zeigen Josef Ackermann. Er gehe davon aus, dass Spanien es aus eigener Kraft aus der schwierigen Lage schafft - und damit eine Verschärfung der Krise verhindert wird. "Ich war gerade in Spanien, und ich muss sagen, die Regierung hat viele richtige Schritte jetzt eingeleitet. Und deshalb bin ich zuversichtlich für Spanien", sagte er dem Deutschen Anleger Fernsehen.

Die europäischen Staaten hätten den richtigen Kurs eingeschlagen, um die Krise zu lösen, sagt auch Jamie Dimon, Chef der US-Investmentbank JP Morgan Chase Chart zeigen. Es sei richtig gewesen, die Banken nicht zusätzlich zu belasten. Dieter Wemmer, Finanzchef von Zurich Financial sagte: "Wir sind zuversichtlich, dass der Euro als Gemeinschaftswährung erhalten bleibt und die Mitgliedsländer ihre Probleme allein schultern können." Zuvor hatte auch Star-Investor George Soros die Fortschritte Europas gelobt und dabei Deutschlands Vorbildfunktion erwähnt.

Knapp ein Jahr nach dem Ausbruch der Euro-Krise könnte sich demnach die Lage beruhigen. Zuletzt war massiv spekuliert worden, ob nach Griechenland und Irland weitere Staaten Hilfsgelder der Euro-Partner in Anspruch nehmen müssen. Vor allem bei Portugal und Spanien war über eine Flucht unter den Rettungsschirm diskutiert worden.

Kommt nun die Wende? Immerhin der Euro-Kurs lässt darauf hoffen. Er steigt seit mehr als einer Woche. Aktuell liegt er bei 1,37 Dollar.

Doch all die positiven Nachrichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krisenstaaten nach wie vor auf hohen Schuldenbergen sitzen und bei der Refinanzierung hohe Zinsen zahlen müssen. Zurich-Financial-Finanzchef Wemmer rechnet daher damit, dass es noch zu Umschuldungen kommen wird. In welchen Ländern das der Fall sein wird, sagte er nicht.

Wirtschaftsweise rät Griechen zu Schuldengesprächen

Zuletzt war über einen Umschuldungsplan für Griechenland spekuliert worden. Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro rät der Regierung in Athen nun dazu. "Verhandlungen mit den Gläubigern über Laufzeitstreckung und günstige Konditionen würden helfen." In Griechenland steige die Verschuldung trotz der extrem harten Maßnahmen, die die Regierung schon eingeleitet habe, weiter. Das Land müsse daher hohe Haushaltsüberschüsse erwirtschaften, um seine Altschulden bedienen zu können.

Die Expertin sprach sich zugleich für ein umfassendes Euro-Rettungspaket aus. "Die gefährlichste Strategie ist eine der kleinen Schritte, denn diese verlängern und verschärfen die Krise weiter." Das Problem sei, dass es sowohl in den betroffenen Ländern als auch in den übrigen Euro-Staaten leichter sei, zu reagieren, wenn keine anderen Alternativen erkennbar seien. Besser wäre es, sich auf ein Gesamtpaket zu einigen. "Notwendig ist jetzt eine große Lösung, die gleichzeitig alle Länder, die unter Stress stehen, in den Blick nimmt."

Der Rückkauf von Anleihen könne ein Teilelement einer großen Lösung sein. Die EZB könne aber nicht dauerhaft am Markt für Staatsanleihen intervenieren. "Als Teil eines Instrumentenkastens des Euro-Rettungsschirms EFSF kann es hingegen mehr Sinn ergeben, denn dieser gewährt Unterstützung nur im Gegenzug gegen Anpassungsprogramme."

Auch eine Ausweitung des Rettungsschirms hat prominente Befürworter, darunter EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Wie die europäischen Staats- und Regierungschefs letztlich verfahren, könnte Ende März bei ihrem Gipfel entschieden werden.

yes/Reuters

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