Schuldenkrise Griechen machen Irland Druck

Sie waren die ersten, die Finanzhilfe brauchten - jetzt drängen die Griechen auch Irland, endlich den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds in Anspruch zu nehmen. Der Zeitpunkt einer Entscheidung sei erreicht.

Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou: Irland muss Entscheidung treffen
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Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou: Irland muss Entscheidung treffen


Frankfurt am Main - Irland ist hochverschuldet, seit Donnerstag konferieren die Unterhändler über Finanzhilfen - und jetzt machen ausgerechnet die Griechen Druck. Das Land, dem als erstes aus dem Euroraum vor einem halben Jahr der Kollaps drohte, drängt die Iren nun zu einem schnellen Ja zu Krisenhilfen. Es sei der Punkt erreicht, an dem die Regierung in Dublin eine Entscheidung über die Finanzhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) treffen müsse, sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Freitag am Rande einer Konferenz in Frankfurt. Zudem forderte er die EU auf, den geplanten permanenten Krisenmechanismus in Angriff zu nehmen. Dies sei unbedingt nötig, sagte er.

Papakonstantinou erneuerte aber zugleich seine Kritik an der öffentlichen Diskussion über Zahlungsausfälle einzelner Euro-Länder: "Dies würde ein absolut falsches Signal an die Märkte senden". Eine Debatte über Umschuldungen und einen Forderungsverzicht von Gläubigern schade nicht nur der griechischen Wirtschaft, sondern auch anderen Ländern am Rand der Euro-Zone, warnte der Minister, dessen Land wegen der hohen Verschuldung von anderen Euro-Ländern unterstützt werden musste und sich nun einen strikten Sparkurs auferlegt hat.

Die Regierung in Athen hat zuletzt Deutschland mit dafür verantwortlich gemacht, dass die Risikoaufschläge für Anleihen von Staaten wie Griechenland oder Irland wieder gestiegen sind und damit den Schuldendienst verteuern. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der EU durchgesetzt, dass bei einem ständigen Krisenmechanismus ab 2013 auch Gläubiger eines Staates die Lasten mittragen sollen.

Hilfsplan soll in den kommenden Wochen entstehen

Der Hilfsplan für Irland wird EU-Insidern zufolge in der kommenden Woche stehen. Er werde entweder zeitgleich mit dem irischen Sparpaket oder kurz darauf veröffentlicht, vermeldete Nachrichtenagentur Reuters. Der irische Minister Pat Carey hatte die Veröffentlichung des Sparpakets für nächste Woche angekündigt. EU und IWF verhandeln seit Donnerstag in Dublin über Finanzhilfen. Diese könnten sich Insidern zufolge auf 45 bis 90 Milliarden Euro belaufen. Am Donnerstag hatte der irische Finanzminister Brian Lenihan eingeräumt, dass das Euro-Land nicht ohne Hilfe von außen aus seiner Schuldenkrise herausfinde.

Mit Blick auf die Krise sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, das Aufspannen eines vorläufigen Rettungsschirms habe sich als langwierig erwiesen: "Die Schuldenkrise schwelt weiter." Es sei dringend erforderlich, dass die Einzelstaaten mehr Kompetenzen an Brüssel abgäben. Dabei gehe es auch darum, dass die Hauptverantwortung für Strukturreformen vom Europäischen Rat auf die Kommission als Hüterin des Stabilitätspakts verlagert werde. "Eine separate, unabhängige Institution wäre auch geeignet", sagte Strauss-Kahn.

Anders als Griechenland, das unter der ausufernden Staatsverschuldung leidet, sind in Irland die Banken Auslöser der Finanzkrise. Im Mittelpunkt stehen dabei die maroden Großbanken, die die Regierung in Dublin bislang unter größter Kraftanstrengung über Wasser gehalten hat. Allerdings haben die internationalen Finanzmärkte die Schieflage längst registriert und hohe Risikoprämien für neue Anleihen ausgelobt.

Zerschlagung einiger Banken im Gespräch

Sollte Irland durch die Schieflage seiner Banken tatsächlich zahlungsunfähig werden, dann könnte sich daraus ein Flächenbrand entwickeln, der ganz Europa erfasst - so fürchtet man es jedenfalls in den Regierungszentralen der großen Euro-Staaten. Die deutschen Banken etwa sind mit knapp 140 Milliarden dort engagiert.

Um die Schulden in den Griff zu bekommen, wird einem Zeitungsbericht zufolge eine Verkleinerung bestimmter Banken erwogen. Abspecken sollten jene Institute, die als zu groß und zu stark von EZB-Hilfen abhängig eingestuft würden, berichtete die "Irish Times" am Freitag. So diskutiere Irland mit EU und IWF über einen Verkauf von Sparten, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Demnach könnten die Allied Irish Bank ihre Kreditsparte abgeben und Irish Life and Permanent könnte sich vom britischen Hypothekengeschäft trennen.

Um diese Anteile für Käufer attraktiver zu machen, sind dem Bericht zufolge zwei Möglichkeiten im Gespräch: Garantien für drohende Verluste oder eine Vereinbarung, nach der die Verluste aufgeteilt werden.

wit/Reuters



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kimba2010 19.11.2010
1. yes they can
"Nehmt das Geld, die Deutschen zahlen doch alles!"
vofr 19.11.2010
2. F: Deutschland schafft sich ab?
A: Europa schafft sich ab! Das ganze ist doch nur noch ein Theaterspiel. Irland ist - wie Griechenland - längst bankrott. Die einstudierten Sätze der Akteure zur vermeintlichen Rettung von Irland klingen hohl und nichtssagend, eben ein richtiges "Phrasendreschergesülze"! Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob es sich bei dem von den 16 EWU Laienschauspielern um eine Tragödie, Drama oder gar eine (Schmieren)Komödie handelt. Und wie es eben im richtigen Theater so ist, ist das Bühnenstück beendet, wenn der Vorhang fällt - diesmal leider mit keinem "happy end"
digitalturbulence, 19.11.2010
3. Das wünscht sich vor allem Ackermann
Zitat von sysopSie waren die ersten, die Finanzhilfe brauchten - jetzt drängen die Griechen auch Irland, endlich den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds in Anspruch zu nehmen. Der Zeitpunkt einer Entscheidung sei erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,730086,00.html
Macht lieber eine Währungsreform. Den EU-Ländern geht es nur um das eigene Interesse.
Baracke Osama, 19.11.2010
4. --
Zitat von sysopSie waren die ersten, die Finanzhilfe brauchten - jetzt drängen die Griechen auch Irland, endlich den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds in Anspruch zu nehmen. Der Zeitpunkt einer Entscheidung sei erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,730086,00.html
Wenn ein Land unter die "Obhut" des IWF fällt, ist es meist verloren. Dieses Monstrum (neben WorldBankGroup) ist der größte Sklaventreiber weltweit. Auch sehr seltsam konstruiert. Die Amis haben ein Veto-Recht, denn die Resolutionen müssen mit 85%-er Mehrheit beschlossen werde. Da aber die Amis über 16 % Stimmanteile haben, können sie alle andere Länder überstimmen und ggf. ein Veto einlegen und somit Entscheindungen aller Länder blockieren und eigene Interessen durchsetzen. Sehr demokratisch. Interessenten empfehle ich über IWF und Bolivien nachzulesen. Kann ein Verschuldetes Land nicht mehr zahlen (nachdem IWF "geholfen" hat), müssen die Ressourcen dieses Landes dran glauben. Und glauben Sie mir, die "Lenker" des IWF wissen das ganz genau. Ähnlich verhält es sich mit World Bank. Diese faschistischen Organisationen gehören verboten. Punkt!
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