Schuldenkrise Griechen melden ihre Autos ab

Die drastischen Sparmaßnahmen ihrer Regierung zwingen die Griechen zu Einschnitten in ihrem Privatleben: Nachdem sie in diesem Jahr kaum Weihnachtsgeschenke gekauft haben, melden jetzt immer mehr Autobesitzer ihre Wagen ab.
Stau in Athen: Das Verkehrsproblem könnte sich lösen, viele Griechen melden ihre Autos ab

Stau in Athen: Das Verkehrsproblem könnte sich lösen, viele Griechen melden ihre Autos ab

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

Athen - In langen Schlangen stehen die Griechen vor den zuständigen Behörden um die Nummernschilder ihrer Autos abzugeben. Mehr als 250.000 Wagenbesitzer werden ihr Fahrzeug wegen der schwierigen Finanzsituation bis Jahresende abgemeldet haben - schon 2010 legten die Griechen dem Verkehrsministerium zufolge 170.000 Pkw still.

In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um Zweitwagen, denn zum Sparpaket der griechischen Bundesregierung gehört auch eine Erhöhung der Kfz-Steuer: Besitzer von 15 Jahre alten Kleinwagen müssen jährlich 120 Euro, Inhaber von Luxusautos bis zu 3000 Euro Steuern zahlen.

Auch an Geschenken haben die Griechen gespart - das Weihnachtsgeschäft ist laut Handelsverband um rund 30 Prozent eingebrochen. Die Bürger hätten vor allem Schuhe und Kleidung liegenlassen, die Branche musste einen Rückgang von 40 Prozent hinnehmen. Weniger stark sparten die Griechen an Essen und Getränken - der Konsum ging nur um 15 Prozent zurück.

Reiche Griechen im Visier

Neben dem drastischen Sparkurs auf der einen Seite versucht die griechische Regierung auf der anderen Seite an das Geld der wohlhabenden Bürger zu kommen, das auf Auslandskonten lagert. Athen führt derzeit intensive Verhandlungen mit der Schweizer Regierung über griechische Geldanlagen in der Schweiz, hieß es aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums. "Die Sache mit den Verhandlungen läuft gut", sagte ein Ministeriumsmitarbeiter, "viele Griechen werden sich wundern".

Reiche Griechen sollen nach Recherchen der Regierung in den vergangenen Jahren riesige Summen außer Landes geschafft haben, berichteten griechische Medien. Das Geld könnte aus Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft stammen und die Summe von 200 Milliarden Euro übertreffen.

nck/dapd/dpa
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