Schuldenkrise in EU und USA OECD warnt vor weltweiter Rezession

Die Schuldenkrise in Europa und den USA droht die gesamte Welt in eine Rezession zu stürzen - das berichtet die OECD in ihrem neuen Wirtschaftsausblick. Laut den Experten sind die Risiken enorm, unverblümt schreiben sie von einer möglichen "Katastrophe".
Börsenhändler in Sorge: Die Euro-Krise könnte die ganze Weltwirtschaft treffen

Börsenhändler in Sorge: Die Euro-Krise könnte die ganze Weltwirtschaft treffen

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Paris - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor massiven Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise auf die Weltwirtschaft gewarnt. Politiker rund um den Globus müssten sich "auf das Schlimmste vorbereiten", heißt es in einem am Montag veröffentlichten Wirtschaftsausblick. Sollte Europa die Lage nicht unter Kontrolle bringen, könnte sich die Störung der Wirtschaft massiv ausweiten und "in absolut katastrophalen Resultaten enden".

Schon in ihrem Basisszenario geht die OECD von einer "milden Rezession" in der Euro-Zone aus. Auch Deutschland werde davon betroffen sein. Schon im laufenden vierten Quartal 2011 werde die deutsche Wirtschaft schrumpfen. Für das kommende Jahr prognostizieren die Experten in der Bundesrepublik ein Miniwachstum von 0,5 Prozent, ab Mitte 2012 solle es aber wieder aufwärts gehen. Für 2013 rechnet die OECD mit einem Plus von 1,9 Prozent. "2013 dürfte das Wachstum stärker ausfallen als in anderen Mitgliedern des Euro-Raums - nicht zuletzt, da kein nennenswerter Abbau von Privat- und Unternehmensschulden erfolgen muss."

Ob es wirklich so kommt, ist aber selbst nach Meinung der OECD-Experten höchst unsicher. Die Prognose basiere auf der Annahme, dass die Euro-Zone ihre Staatsschulden- und Bankenkrise in den Griff bekomme und dabei "exzessive Sparmaßnahmen" vermeiden kann. Gelingt dies nicht, droht ein "Abwärtsszenario" - und das fällt dramatisch schlecht aus.

Zweiter Risikofaktor sind die USA

Ein "größeres negatives Ereignis" in der Euro-Zone könnte "verheerende" Auswirkungen für die Wirtschaft weltweit haben, mahnt die OECD. Auch die Schwellenländer seien dagegen nicht immun. Der Euro-Zone drohe sogar eine "lange und tiefe Rezession" mit deutlich steigender Arbeitslosigkleit.

Damit ein solches Horrorszenario vermieden wird, müssten die Euro-Staaten ihre Banken laut OECD ausreichend mit Kapital ausstatten und sicherstellen, dass solvente Staaten zu erträglichen Zinssätzen frisches Geld am Kapitalmarkt bekommen. "Um die Ansteckungsgefahr in der Euro-Zone einzudämmen, muss der Europäische Rettungsfonds erheblich aufgestockt und die Europäische Zentralbank mit einbezogen werden", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. "Diese deutlich erhöhte Feuerkraft muss mit Reformen einhergehen, die fahrlässigem Verhalten entgegenwirken."

Als zweiten großen Risikofaktor sehen die Experten die Lage in den USA. "Sollte kein Weg gefunden werden, die Sparmaßnahmen abzumildern, die per Gesetz ab 2013 greifen, könnte das die Wirtschaft in eine Rezession stürzen, die durch politische Mittel kaum noch aufzufangen wäre", warnt die OECD. Die USA wollen in den kommenden zehn Jahren rund 1,2 Billionen Dollar einsparen.

Die OECD ist ein Zusammenschluss von 34 Industrieländern. Große aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China, Indien, Russland oder Brasilien gehören nicht dazu.

Auch die Rating-Agentur Moody's sieht die Lage der Euro-Zone kritisch: Sie warnte am Montag vor weiteren Staatspleiten und einem Zerfall der Währungsgemeinschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass neben Griechenland andere Euro-Länder in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten, sei nicht mehr länger vernachlässigbar, stellte die Agentur fest. Sollten gleich mehrere Länder in Schwierigkeiten geraten, seien zudem Austritte aus dem Euro-Raum denkbar.

Eine solche Eskalation der Krise würde sich laut Moody's negativ auf die Kreditwürdigkeit aller Länder im Währungsraum und in der Europäischen Union auswirken.

stk/Reuters/dpad/dpa
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