Schuldenkrise in Europa Finanzprofis fürchten um den deutschen Boom

Die deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise - aber wie lange noch? Investoren und Analysten sind so pessimistisch wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Und auch der Wirtschaftsminister warnt vor einer Abschwächung.

Autoproduktion: ZEW-Index fällt zum neunten Mal in Folge
DPA

Autoproduktion: ZEW-Index fällt zum neunten Mal in Folge


Mannheim - Die deutsche Konjunktur erweist sich derzeit als krisenfest: Die Wirtschaftsleistung ist von Juli bis September erneut gewachsen - doch wie stabil ist der Aufschwung? Finanzexperten jedenfalls sind skeptisch. Sie glauben nicht, dass das noch lange so weitergeht.

So sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im November stärker gefallen als erwartet. Der Index, für den monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt werden, sank um 6,9 Punkte auf minus 55,2 Zähler, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mit. Es ist der tiefste Stand seit Oktober 2008. Und der Einbruch fällt deutlich größer aus als erwartet.

Auch vom Handel kommen warnende Worte: Der Präsident des deutschen Handelsverbands Deutschland, Josef Sanktjohanser, sagte in Berlin, die Verunsicherung durch die Euro-Krise stelle derzeit das größte Risiko für den Einzelhandel dar. Wichtigste Aufgabe der Politik sei es daher, Vertrauen zu schaffen und zu sichern.

Euro-Zone wächst nur minimal

Die Warnungen schmälern die positiven Nachrichten des Statistischen Bundesamts. Demnach hat das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland von Juli bis September um 0,5 Prozent zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs die Konjunktur gar um 2,6 Prozent. Auch im Frühjahr fiel das Wachstum stärker aus als bislang angenommen: Das Plus habe seinerzeit 0,3 Prozent betragen und nicht wie bislang angegeben 0,1 Prozent.

In der Euro-Zone läuft es längst nicht so gut: In der Währungsgemeinschaft wächst die Wirtschaft nur noch minimal. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft im Vergleich zu den drei Vormonaten um 0,2 Prozent. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mit.

Die Turbulenzen könnten auch den Boom in Deutschland treffen. Nach dem rasanten Aufholprozess sei aber in den kommenden Monaten damit zu rechnen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verlangsame, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Die Politik müsse jetzt durch entschlossenen Sparkurs und bessere Rahmenbedingungen "die Vertrauenskrise möglichst schnell überwinden".

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit einem schwachen Winter. Zu Optimismus bestehe "kein Anlass", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Vor allem die Euro-Krise stimmt die Konjunkturforscher pessimistisch: "Die Menschen sind verunsichert. Das ist Gift für die Konjunktur."

Die EU-Kommission hatte bereits in der vergangenen Woche vor einer Rezession in Europa gewarnt. Portugal, das am Tropf internationaler Geldgeber hängt, steckt bereits im Abschwung, im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 0,4 Prozent. Europas Börsen reagierten mit Verlusten: Der Dax Chart zeigen notierte zeitweise zwei Prozent im Minus, der EuroStoxx50 Chart zeigen gab rund 1,5 Prozent nach.

cte/dpa/dapd

insgesamt 49 Beiträge
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Panasonic, 15.11.2011
1. Auf ab auf ab auf ab
Könnt Ihr Euch mal irgendwie festlegen, wenigstens für 48 Stunden oder so?
Michael Giertz, 15.11.2011
2. Boom?
Zitat von sysopDie*deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise - aber wie lange*noch? Investoren und Analysten sind so*pessimistisch*wie seit Oktober 2008 nicht mehr.*Und auch der Wirtschaftsminister warnt vor einer Abschwächung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797913,00.html
Welcher Boom? Deutschland ist doch der Einäugige im Land der Blinden. Der Rest Europa's ist so entsetzlich schwach, dass Deutschlands Mickerwachstum wie ein Boom ausschaut.
fritzyoski, 15.11.2011
3. Export auf Pump
Zitat von sysopDie*deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise - aber wie lange*noch? Investoren und Analysten sind so*pessimistisch*wie seit Oktober 2008 nicht mehr.*Und auch der Wirtschaftsminister warnt vor einer Abschwächung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797913,00.html
Was? Die Griechen kaufen keine deutschen U-Boote mehr? Ja wieso dann das nicht?
gsm900, 15.11.2011
4. Also keine Lohnsteigerungen
Zitat von sysopDie*deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise - aber wie lange*noch? Investoren und Analysten sind so*pessimistisch*wie seit Oktober 2008 nicht mehr.*Und auch der Wirtschaftsminister warnt vor einer Abschwächung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797913,00.html
weil das ja denn Boom gefährdet, trotz "Fachkräftemangel"
lieven 15.11.2011
5. Analzysten und Wirtschaftsministrant "die Koryphäe" Rösler
Zitat von sysopDie*deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise - aber wie lange*noch? Investoren und Analysten sind so*pessimistisch*wie seit Oktober 2008 nicht mehr.*Und auch der Wirtschaftsminister warnt vor einer Abschwächung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797913,00.html
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Korrekturprognose für das laufende Jahr leicht erhöht – und für das kommende Jahr deutlich gesenkt. In ihrem Herbstgutachten sagen sie für dieses Jahr eine Korrekturquote von 98% für ihre Prognosen voraus, in Sommer hatten sie noch damit gerechnet, nur 93% ihrer Fehlurteile korrigieren zu müssen. Für kommendes Jahr erwarten sie aber eine Korrekturquote von nur zehn Prozent. "Es muß ja irgendwann mal auch ein Jahr kommen, in dem wir nicht mit fast allen unseren Ankündigungen danebenliegen", hieß es auf einer für 12 Uhr geplanten Pressekonferenz, die dann auf 16 Uhr verschoben und später auf 14 Uhr vorgezogen wurde.
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