Schuldenkrise in Europa Rating-Agentur Moody's stuft Zypern ab

Moody's senkt den Daumen: Die Rating-Agentur hat die Bonität Zyperns herabgestuft. Die Wirtschaft des Landes kämpft noch immer mit den Folgen der Explosion eines Munitionslagers.

London - Zypern könnte das nächste Euro-Land sein, das in eine Schuldenkrise stürzt. Die Rating-Agentur Moody's hat die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes heute gesenkt. Sie liegt nun bei "Baa1", nur noch drei Stufen über dem Status von Ramschanleihen.

Ein Grund für die Herabstufung sind die wirtschaftlichen und politischen Folgen einer verheerenden Explosion auf einem zyprischen Marinestützpunkt. Durch die Detonation eines Munitionslagers, bei der 13 Menschen ums Leben kamen, war auch das größte Kraftwerk des Landes schwer beschädigt worden. Seitdem herrscht in Zypern Energieknappheit. Die Nachwirkungen der Explosion könnten nach Einschätzung von Ökonomen rund eine Milliarde Euro kosten - eine erhebliche Belastung für Zypern. Die Wirtschaftsleistung des Landes liegt nur bei rund 17 Milliarden Euro.

Moody's bemängelte, die Regierung habe zwar einige strukturelle Maßnahmen ergriffen, um die Haushalte zu konsolidieren. Die positive Wirkung dieser Maßnahmen werde jedoch durch die Zerstörung des Elektrizitätswerks überkompensiert. Die Mitte-Links-Regierung habe noch keine Lösung dafür gefunden, wie der Stromausfall des bei der Explosion beschädigten Kraftwerks ausgeglichen werden könne, sagte Moody's-Analystin Sarah Carlson. Außerdem berge das politische Klima nach der Explosion die Gefahr, dass geplante Wirtschaftsreformen verwässert oder verzögert werden könnten.

Den Zyprern könnte zudem die enge Verflechtung der Finanzbranche mit dem angeschlagenen griechischen Bankensektor zum Verhängnis werden. Moody's kündigte an, die Kreditwürdigkeit Zyperns weiter herabzustufen, sollte das Land seinen Bankensektor mit erheblichen Mitteln stützen müssen. Die zyprischen Geldhäuser halten bis zu fünf Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen.

Griechenland rückt indes immer näher an den Rand eines Zahlungsausfalls. Jüngst senkte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsbewertung Griechenlands um zwei weitere Stufen auf den Status "aktuell sehr gefährdet". Dem Land drohen weitere Abstufungen. Die Rating-Agentur Fitch hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, kurzfristig sogar einen teilweisen Ausfall griechischer Staatsanleihen feststellen zu wollen.

In der Folge des Explosionsunglücks hat Zyperns Präsident Dimitris Christofias nun angekündigt, das Kabinett umzubilden. Nach der Explosion des Munitionslagers waren schon der Verteidigungsminister und der Außenminister zurückgetreten. Nun sollen nach Angaben eines Regierungssprechers auch die verbliebenen neun Minister ihre Plätze im Kabinett räumen.

usp/Reuters/dpa/AP
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