Schuldenkrise Italien buhlt um Finanzhilfe aus China

In ihrer Finanznot sucht Italiens Regierung Verbündete in Fernost: Rom hat beim chinesischen Staatsfonds CIC mehrfach vorgesprochen, laut "Financial Times" geht es um den Kauf von italienischen Anleihen. Den Dax konnte das nur kurz stützen - und es gibt Zweifel an einer großen Rettungsaktion.

Demonstranten in Rom: Gespräche mit China
AFP

Demonstranten in Rom: Gespräche mit China


New York - Hoffnung beflügelt bisweilen Kurse - das konnte man am Montag einmal mehr an den Börsen beobachten: So zogen die amerikanischen Indizes im späten Handel deutlich an, weil in der britischen "Financial Times" ("FT") zu lesen war, Italien habe China um den Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil gebeten. Später berichtete auch das "Wall Street Journal" über eine mögliche Rettungsaktion aus Fernost.

Der japanische Leitindex Nikkei Chart zeigen schloss 0,95 Prozent höher bei 8616 Punkten. Der Euro legt deutlich zu. Der Dax Chart zeigen startete mit einem Plus von rund 1,5 Prozent in den Handel rutschte aber rasch wieder ins Minus. Dabei sind Umfang und Verlässlichkeit der Rettungsaktion weitgehend zweifelhaft.

Konkret berichtet die "FT" über zwei Treffen zwischen italienischen Regierungsvertretern und Abgesandten des staatlichen chinesischen Fonds China Investment Corp. (CIC), der einen Großteil von Chinas rund 3,2 Billionen Dollar schweren Devisenreserven verwaltet.

Demnach traf sich eine vom CIC-Chef angeführte Delegation in der vergangenen Woche unter anderen mit Italiens Finanzminister bestätigte Giulio Tremonti in Rom. Vor zwei Wochen hätten italienische Regierungsvertreter in Peking Gespräche beim Staatsfonds CIC sowie einer Behörde für die Verwaltung der chinesischen Devisenreserven geführt. Die "FT" beruft sich auf italienische Regierungskreise. Tremonti bestätigte ein treffen mit dem CIC, äußerte sich aber nicht zu dessen Inhalt.

Zweifel an chinesischen Zusagen

Italien ist hochverschuldet; die Verpflichtungen belaufen sich auf knapp 1,9 Billionen Euro. Das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Landes sinkt; die Zinsen, die die Regierung auf Staatsanleihen zahlen muss, sind bedenklich hoch. Mit zwei Sparprogrammen will Rom das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen; die Bevölkerung reagiert mit Streiks und Massendemonstrationen.

China hatte schon im April signalisiert, verstärkt Schulden der unter Druck geratenen Euro-Länder aufkaufen zu wollen - unter anderem von Portugal und Griechenland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Volksrepublik hatte aber angegeben, Milliarden in Euro-Staatsanleihen investiert zu haben. Auch chinesische Politiker haben wiederholt ihre Unterstützung für die von der Schuldenkrise gebeutelte Währungsregion bekundet - nicht zuletzt weil schätzungsweise ein Viertel der chinesischen Währungsreserven in Euro-Anleihen investiert sind.

Wirtschaftsweiser warnt vor Lehman II

Dennoch gibt es Zweifel, wie umfassend die Hilfe ausfallen wird. Griechische und portugiesische Analysten sagen, dass die Hilfe aus China sich entgegen aller Beteuerungen bislang in Grenzen halte. Wie viele italienische Staatsanleihen China aufgekauft hat, ist nicht bekannt - ein italienischer Regierungsbeamter sagte der "FT", die Summe betrage gut vier Prozent der italienischen Schulden. Das wären rund 80 Milliarden Euro.

Nach den Berichten wurden auch Rufe nach Hilfen anderer Länder laut. Japan reagierte darauf zurückhaltend. Man erwarte alle denkbaren Schritte Europas, um eine Staatspleite Griechenlands zu verhindern, sagte Finanzminister Jun Azumi. Es hänge vom Vorgehen Europas ab, ob Länder wie Japan, China oder die USA wirklich eingriffen. Japan und die USA haben selbst einen enormen Schuldenstand.

US-Präsident Barack Obama hat die Europäer ebenfalls zum entschlossenen Kampf gegen die Schuldenkrise aufgerufen. In einem Interview mit mehreren Nachrichtenagenturen, darunter die dpa, sagte Obama, im Kern gehe es jetzt darum, die Währungsunion durch eine abgestimmte Haushaltspolitik zu ergänzen. Europa verfüge derzeit zwar über eine geeinte Währung, nicht aber über eine gemeinsame Wirtschaftspolitik.

Das Schuldendrama in der Euro-Zone hatte sich am Montag noch einmal zugespitzt. Ohne neue Hilfen ist Griechenland nur noch bis Oktober zahlungsfähig. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte vor unkalkulierbaren Folgen. "Wenn Griechenland keine Hilfen mehr bekommt, dann gibt es eine unkontrollierte Insolvenz mit dem Ergebnis, dass das griechische Bankensystem zusammenbricht und dem Risiko einer enormen Kettenreaktion, die womöglich noch verheerender als bei der Lehman-Pleite 2008 ist", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

Während die Euro-Zone um Griechenland kämpft, gibt es im ebenfalls pleitebedrohten Portugal etwas Hoffnung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gab eine Kredittranche über knapp vier Milliarden Euro frei. Das Land habe seine Sparziele erfüllt, teilte der IWF am Montag mit. Das hochverschuldete Portugal hatte im Frühjahr ein 78 Milliarden Euro schweres Hilfspaket von EU und IWF erhalten und muss im Gegenzug seinen Haushalt sanieren.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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katerramus 13.09.2011
1. womit klar ist, dass es nicht nur um Griechenland geht
nur gehen die Diskussionen am Thema vorbei. Ob Griechenland pleite ist oder nicht, spielt doch überhaupt keine Rolle mehr - ohne die EZB- Ankeihenkäufe wären Spanien und Italien auch pleite. Wer sagt denn , dass die Finanzmärkte nicht einfach die neuen zugesagten Milliarden dankbar annehmen und weiterzuzocken? - gegen Italien und Frankreich ? z.B.: gestern: Wirkung der EZB-Stützungskäufe lässt nach http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/a.../60103251.html heute: China soll Italien-Bonds kaufen http://www.ftd.de/politik/europa/:eu.../60103381.html Es gibt nur 2 Lösungen, die dem Irrsinn ein Ende bereiten können: 1. Rückkkehr zu nationalen Währungen 2. Euro- Raum abkoppeln vom Finanzmarkt - bedeutet, die EZB gibt den Euro- Staaten direkt Gelder ohne Umweg über die Banken Ansonsten wird der Euro- Raum weiter ausgeblutet zum Wohle der globalen Finanzwirtschaft.
...und gut ist`s 13.09.2011
2. ...und Zypern bettelt bei den Russen
um Kredite. Diesen Hinweis von mir wollte SPON ja wohl in der letzten Woche nicht im Forum einstellen. Vielleicht ist es ja jetzt Zeit, dass auch Journalisten mal ihr Wissen an den Bürger bringen, damit er weiss, welche Staaten schon mit dem Hut am Straßenrand sitzen. http://de.rian.ru/business/20110910/260521720.html
Moshpit 13.09.2011
3. Schuldenkrise? Nee, ist klar
Für alle Redakteure noch mal zum mitschreiben: es gibt keine Schuldenkrise. Die Schulden sind Folge, nicht Ursache der Krise. Das düfte doch mittlerweile selbst der Dümmste kapiert haben. Wäre schön wenn SPON jedem Redakteur der dieses Wort verwendet eine Abmahnung verpasst. Die Aufgabe der Medien ist Aufklärung, nicht Volksverdummung.
slider 13.09.2011
4. Fein formuliert
SPON: "Laut "Financial Times" hat Rom beim chinesischen Staatsfonds CIC mehrfach vorgesprochen, es geht um den Kauf von italienischen Anleihen." das nennt man betteln gehen. Offensichtlich wird Italien der neue Roma, der in der Finanzzone der Welt bettelt.
Michael Giertz, 13.09.2011
5. Demnächst Italien?
Zitat von sysopIn ihrer Finanznot sucht Italiens Regierung Verbündete in Fernost: Laut "Financial Times" hat Rom beim chinesischen Staatsfonds CIC mehrfach vorgesprochen, es geht um den Kauf von italienischen Anleihen. Die Börsen erholen sich - obwohl es Zweifel an einer großen Rettungsaktion gibt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,785882,00.html
Griechenland ist ja "gerettet" ... quasi. So richtig zwar nicht, die Pleite steht immernoch im Raum, dazu der (mehr oder weniger) berechtigte Volkszorn auf die griechische Regierung, aber wenigstens haben alle anderen EU-Mitglieder ein wohlig-warmes Gefühl um's Herz. Jetzt also wohl bald Italien? Na da bin ich gespannt - im Gegensatz zu Griechenland hat Italien tatsächlich einen gewissen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft der EU. Wenn schon das wirtschaftlich völlig unbedeutende Griechenland den Euro sprengen könnte, sollte es bankrott gehen, wie soll es dann mit einem "Schwergewicht" ausgehen? Wenn Italien bankrott gehen sollte - oder auch nur aus dem EU-Rettungsfonds finanziert werden muss - dann wird das hier noch ungemütlicher, als es ohnehin schon ist. Optimismus wird uns dann ebensowenig retten wie die Xte Auflage von Rettungsfonds.
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