Schuldenkrise Portugal stellt Überleben ohne Hilfe in Frage

Die Regierung spart, doch die Investoren bleiben misstrauisch: Portugal musste für Anleihen erneut Rekordzinsen bieten. Der Finanzminister spricht von Problemen, diesen Druck auf Dauer auszuhalten. Muss das Land doch noch den Rettungsschirm in Anspruch nehmen?


Lissabon - Trotz des Bemühens der Euro-Länder, Stärke zu demonstrieren, wird die Lage für Portugal immer schwieriger: Die Regierung in Lissabon hält ihre Refinanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt langfristig für untragbar. Am Mittwoch musste das Land Investoren wieder mehr Zinsen für Staatsanleihen bieten, die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit Portugals noch einmal herab.

"Die derzeitigen Marktbedingungen sind auf mittlere und lange Sicht nicht auszuhalten", sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos. Portugal platzierte einjährige Staatsanleihen im Volumen von einer Milliarde Euro am Kapitalmarkt, zahlt dafür aber 4,3 Prozent Zinsen nach zuvor 4,0 Prozent.

Damit konnte Portugal anders als Spanien am Dienstag nicht von den jüngsten Gipfelbeschlüssen zum künftigen Euro-Rettungsschirm profitieren. Die Staats- und Regierungschef der Euro-Zone hatten am Wochenende vereinbart, den Euro-Rettungsschirm zu vergrößern. Spanien musste den Anlegern danach weniger Zinsen zahlen.

Portugal gilt in der Schuldenkrise als nächster Wackelkandidat. Die Finanzmärkte spekulieren, dass der Staat wie Griechenland und Irland auf Hilfen seiner europäischen Partner angewiesen sein könnte.

Regierungschef warnt Opposition vor Blockade

Die portugiesische Regierung hatte zuletzt mit einer Verschärfung ihres Sparkurses um das Vertrauen von Investoren geworben. Dazu will die Minderheitsregierung im Gesundheitswesen, in den Sozialsystemen und bei Infrastrukturinvestitionen sparen - im Volumen von 0,8 Prozent der Wirtschaftskraft. Die Mitte-Rechts-Opposition, die den Sparkurs bisher unterstützte, will aber nicht mitziehen.

Socrates warnte die Opposition vor den Folgen einer Blockade: "Nach meinem Verständnis würde die Konsequenz einer politischen Krise die finanziellen Risiken für unsere Wirtschaft verstärken und Portugal dazu bringen, um eine Intervention des Auslands zu ersuchen", sagte Socrates dem Fernsehsender SIC.

Trotz der Sparpläne herrscht Skepsis auf den Finanzmärkten. Moody's senkte die Bonität des hoch verschuldeten Landes um zwei Stufen auf die Note A3 und bezeichnete den Ausblick als negativ. Die Agentur begründete dies mit den erwarteten Auswirkungen der hohen Kreditkosten für das Land. Zudem werde Portugal wohl Probleme bekommen, seine Haushaltsziele zu erreichen. Die Regierung nannte den Schritt voreilig, Finanzmarktprofis hatten aber damit gerechnet.

cte/Reuters



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syramon 14.01.2011
1. Wie?
Zitat von sysopDie europäische Schuldenkrise galt mit der Hilfe für Griechenland und mit dem Euro-Rettungsschirm als überwunden. Doch nach Ansicht vieler Experten ist die Gemeinschaftswährung so gefährdet wie nie. Muss Deutschland den Euro sichern - egal was es kostet?
ich dachte die Haftungs - und Transferunion ist fest beschlossen. Kommende Woche soll wohl zudem auch noch der Rettungsschirm verdoppelt werden. Ab nun heisst für die Nehmer-Staaten, Krise vorbei und Freibier für alle. Es kann wieder sorglos weiter gemacht werden.
Tastenhengst, 14.01.2011
2. Die Transferunion ist das Problem, nicht die Lösung.
Der Euro ist nicht gefährdet. Nur wenn Schuldenstaaten (D gehört im Grunde schon dazu) unbedingt weitermißwirtschaften wollen, werden sie die EZB so unter Druck setzen, daß der Euro gefährdet ist. Geldzahlungen der Bundesrepublik würden sowas nur verzögern und verschlimmern.
zwangsreunose 14.01.2011
3.
Zitat von syramonich dachte die Haftungs - und Transferunion ist fest beschlossen. Kommende Woche soll wohl zudem auch noch der Rettungsschirm verdoppelt werden. Ab nun heisst für die Nehmer-Staaten, Krise vorbei und Freibier für alle. Es kann wieder sorglos weiter gemacht werden.
Habe Sie da was verraten, was noch keiner weiß?
Negotiator, 14.01.2011
4.
Aber natürlich ! Wer denn auch sonst ? Mit unserem aggressiven Lohndumping überschwemmen wir die Eurozone mit konkurrenzlos billigen Produkten. Diese Produkte müssen wir den anderen Ländern aber effektiv schenken, weil die anderen Länder nunmal gegen den Konkurrenzdruck aus Deutschland nicht ankommen. Und diese schlußendliche Schenkung passiert dann eben dadurch, das Deutschland zahlt. De facto dafür zahlt, das es die anderen Länder der Eurozone in praktisch grenzenlose Verschuldung stürzt und weiter stürzen kann. Wie diese ganze Rechnung jemals aufgehen soll, ist mir völlig schleierhaft, aber hey, Hauptsache, die deutschen Medien können wieder mal behaupten, das die Welt am Deutschen Geist gesunden soll. Und das wir die "Wirtschaftslokomotive" in Europa wären. Aber eine Lokomotive würde die anderen Länder ja anschieben. Wir hingegen sorgen bloss dafür, das anderswo Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung explodiert. Irgendwann wird diese Blase platzen müssen.
syramon 14.01.2011
5.
Zitat von TastenhengstDer Euro ist nicht gefährdet. Nur wenn Schuldenstaaten (D gehört im Grunde schon dazu) unbedingt weitermißwirtschaften wollen, werden sie die EZB so unter Druck setzen, daß der Euro gefährdet ist. Geldzahlungen der Bundesrepublik würden sowas nur verzögern und verschlimmern.
Aber sie sagen es selbst. Der Sündenfall passierte doch schon, als Trichet sich unter Druck setzen liess und begann, aktiv Schrottpapiere mit fraglicher Sicherheit direkt aufzukaufen. Dies war eigentlich so nicht vorgesehen für die EZB. Böse Zungen behaupten er wär von Sarkozy persönlich unter Druck gesetzt worden. Dies fördet zudem massiv die Inflation logischerweise. Jetzt will Mutti auch noch schlechtem Geld, noch Gutes nachwerfen.
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