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01. April 2011, 15:33 Uhr

Schuldenkrise

Rating-Agentur straft Irland ab

Irland gerät weiter unter Druck: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat das hochverschuldete Land abgewertet. Grund sei aber nicht der aktuelle Banken-Stresstest, sondern die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels. Eine positive Meldung kommt dagegen aus Portugal. 

London - Nächster Rückschlag für Irland: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes um eine Note gesenkt. Die Bonität werde jetzt nur noch mit "BBB+" bewertet, teilte S&P am Freitag in London mit. Zuvor wurde Irland noch mit "A-" eingestuft.

Die Rating-Agentur begründete die Entscheidung mit den Ergebnissen des EU-Gipfels Ende März. Dieser hatte für den ab dem Jahr 2013 geltenden Rettungsmechanismus (ESM) eine Umschuldung nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Note "BBB+" liegt drei Noten über dem sogenannten "Ramschniveau".

Der Ausblick sei aber stabil, teilte S&P weiter mit. Es drohe also zunächst keine weitere Herabstufung. Der am Donnerstag veröffentlichte Banken-Stresstest sei glaubwürdig, schreibt die Rating-Agentur. Der durch die Stresstests identifizierte Kapitalbedarf der Banken von 24 Milliarden Euro habe im Rahmen der Erwartungen gelegen. Zudem dürfte sich die irische Wirtschaft jetzt schrittweise von der schweren Rezession erholen. Die Wachstumsaussichten seien günstiger als die Portugals oder Griechenlands, da Irland eine flexible und wettbewerbsfähige Wirtschaft habe.

Neben der Abwertung Irlands gibt es auch zwei positive Nachrichten: So kann der zusätzliche Geldbedarf nach dem Stresstest für die Banken laut EU-Kommission aus dem aktuellen Hilfspaket von IWF und Euro-Zone gedeckt werden. Der Bedarf von 24 Milliarden Euro liege unter den 35 Milliarden Euro, die im Hilfspaket für die Banken bereitgestellt worden seien, teilte die Kommission am Freitag mit.

Portugal platziert Anleihe "auf besonderen Wunsch"

Die zweite gute Nachricht kommt aus Portugal: Das nächste Sorgenkind der Euro-Zone hat sich am Freitag erfolgreich frisches Geld an den Finanzmärkten besorgt. Trotz der schwierigen Lage hat das Land es geschafft, Käufer für Anleihen über 1,645 Milliarden Euro zu finden. Die Zinsen lagen bei 5,8 Prozent. Die Anleihe läuft bis Juni 2012. Im vergangenen Monat musste Portugal für eine zwölfmonatige Anleihe nur 4,33 Prozent zahlen.

Positiv für Portugal war aber, dass die Anleihe 1,4fach überzeichnet war. Das Land entschloss sich deshalb, mehr Geld statt der ursprünglich geplanten 1,5 Milliarden Euro einzunehmen. Portugal versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass es wie Griechenland und Irland internationale Hilfe annehmen muss.

Wie die Behörden mitteilten, fand die Auktion auf "besonderen Wunsch" statt. Medienberichten zufolge hatte Portugal schon vor der Bekanntgabe der Auktion Käufer gefunden, möglicherweise aus Brasilien und China. Diese Länder hatten angedeutet, dass sie Portugal unterstützen wollten. Insgesamt muss Portugal in diesem Jahr 20 Milliarden Euro aufbringen, um die Finanzierung aufrechtzuerhalten. Ein Drittel davon soll schon gesichert sein.

cte/Reuters/dpa

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