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29. März 2011, 17:53 Uhr

Schuldenkrise

Rating-Agentur stuft Portugal knapp über Ramsch-Niveau ein

Analysten verlieren zunehmend die Geduld mit Portugal. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stufte das Land erneut herab. Bis zum Schrott-Niveau fehlt nur noch eine Stufe.

New York - Für viele Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft. Eine Entscheidung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) könnte den Prozess beschleunigen. Denn die Finanzexperten haben die Bewertung für Portugal von "BBB" auf "BBB-" reduziert.

Die enorme Schuldenlast und das schwache Wachstum der portugiesischen Wirtschaft machten es immer wahrscheinlicher notwendig, dass Portugal ein internationales Rettungspaket in Anspruch nehme, erklärte die Rating-Agentur. Der Ausblick bleibe negativ.

Sollte S&P Portugal erneut abstufen, würden die Anleihen den Status des sogenannten "Investment Grade" verlieren, den die Rating-Agentur für solide Schuldner vergibt. Bei allen Bewertungen darunter handelt es sich um Anlagen mit stark spekulativem Charakter, im Börsenjargon auch als "Ramsch-Anleihen" bezeichnet. Unter den europäischen Ländern hat derzeit nur Griechenland solch eine Bewertung. Auch die Bonität griechischer Staatanleihen senkte S&P erneut - von "BB+" auf "BB-". Je schlechter Rating-Agenturen die Bonität beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es, sich an den Märkten Geld zu besorgen.

Während das ebenfalls hochverschuldete Spanien bei wichtigen Investoren wieder Vertrauen gewinnen konnte, gerät Portugal zunehmend unter Druck. Auch die Rating-Agentur Fitch hatte das Land kürzlich herabgestuft.

In Portugal war die Minderheitsregierung des sozialistischen Ministerpräsidenten José Sócrates in der vergangenen Woche zurückgetreten, weil sie keine Mehrheit im Parlament für das von ihr vorgeschlagene rigorose Sparprogramm bekommen hatte. Analysten gehen davon aus, dass Portugal internationale Finanzhilfen in Höhe von 70 bis 80 Milliarden Euro benötigen könnte.

mmq/Reuters/dpa

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