Vermögensstudie Schuldenkrise macht Europäer ärmer

Europas Bürger spüren die Krise - das ist das Ergebnis einer Studie zum weltweiten Privatvermögen. Während die Menschen in Schwellenländern ihren Wohlstand vermehren, schrumpfen die Vermögen in vielen Ländern Westeuropas. Deutschland steht im Vergleich zu den Nachbarn gut da.

Bankkunden in Dortmund: "Schuldenkrise hat die breite Bevölkerung getroffen"
DDP

Bankkunden in Dortmund: "Schuldenkrise hat die breite Bevölkerung getroffen"


New York - Die Euro-Krise begegnet Europäern nicht nur in den Nachrichten, sondern auch beim Blick auf ihr Konto oder Aktiendepot. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG). Demnach schrumpfte das Privatvermögen in Westeuropa im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent auf umgerechnet 33,5 Billionen Dollar.

"Die europäische Schuldenkrise hat die breite Bevölkerung getroffen", sagte Peter Damisch, der bei BCG die Vermögensverwaltung betreut. Nach seinen Worten haben insbesondere die Menschen in südlichen Ländern wie Italien (minus 1,3 Prozent) und Spanien (minus 0,8 Prozent) gelitten. "Wir haben aufgrund des schwachen Aktienmarkts aber auch Rückgänge in Großbritannien gesehen."

Deutschland steht laut Damisch im Vergleich zu den europäischen Nachbarn jedoch gut da. Hierzulande habe es keine Immobilienkrise gegeben, und die Menschen seien nicht so schlimm verschuldet. Das Privatvermögen in Deutschland wuchs den Daten zufolge um 0,4 Prozent auf 6,4 Billionen Dollar. In der vergangenen Woche hatte die Deutsche Bundesbank neue Zahlen veröffentlicht, laut denen die Deutschen so viel Geld horten wie noch nie zuvor.

Allerdings mussten auch die Bundesbürger Federn lassen. Sie hatten in den Vorjahren ihr Geld deutlich schneller mehren können, nämlich im Schnitt seit 2006 um jährlich 2,2 Prozent. Nun aber schmolz insbesondere der Wert ihrer Aktien dahin. Stattdessen lagert jetzt mehr Geld auf Konten oder steckt in Anleihen.

Auch in Nordamerika (minus 0,9 Prozent) und Japan (minus 2,0 Prozent) ging es abwärts, während die Schwellenländer mächtig zulegen konnten. 2011 vermehrten sich die Vermögen in den sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China demnach um durchschnittlich 18,5 Prozent. Weltweit gesehen stieg das Privatvermögen im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent auf 122,8 Billionen Dollar. Damit fiel die Zunahme deutlich geringer als in den beiden Vorjahren.

dab/dpa/AFP



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