Schuldenkrise Troika empfiehlt schnelle Hilfe für Griechenland

Die Troika macht Druck: Die Kontrolleure von IWF und EU empfehlen die Auszahlung von acht Milliarden Euro an Griechenland - und zwar so schnell wie möglich. Zwar hinke die Regierung beim Sparen noch hinterher, sie habe aber Fortschritte bei der Sanierung des Haushalts erzielt.

Parlament in Athen: Fortschritte bei Haushaltskonsolidierung
AP

Parlament in Athen: Fortschritte bei Haushaltskonsolidierung


Brüssel/Berlin - Griechenland kann auf weitere acht Milliarden Euro von seinen Geldgebern hoffen: Die Experten der sogenannten Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission wollen die möglichst schnelle Zahlung der nächsten Hilfstranche an das Land empfehlen. Das geht aus einem Entwurf für den Bericht zur Lage Griechenlands hervor, der am Freitag vorgestellt werden soll.

Zwar gebe es Mängel bei der Umsetzung des Sparprogramms, die Regierung habe aber wichtige Fortschritte bei der Konsolidierung des Landes gemacht, heißt es in dem Papier. Daher seien die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt worden, um die nächste Teilsumme der Kredite auszahlen zu können.

Allerdings ist eine eine endgültige Entscheidung über eine Überweisung an das Land noch nicht gefallen. Denn gleichzeitig stellt die Troika die Schuldentragfähigkeit Griechenlands in Frage: Die Finanzsituation habe sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, so dass das am 21. Juli beschlossene Hilfspaket nicht ausreichen könnte.

Von dieser Frage hängt ab, ob das hoch verschuldete Land langfristig in der Lage ist, die Krise zu meistern und somit weitere Hilfen der Partner Sinn ergeben. Am Freitag wollen die Finanzminister der Euro-Zone darüber entscheiden, ob sie die nächste Teilsumme des Kredits freigeben. Es wäre die bislang sechste Tranche aus dem Rettungspaket aus dem Mai 2010 über insgesamt 110 Milliarden Euro.

Am Sonntag treffen sich die Euro-Staaten zu einem weiteren Krisengipfel. Dabei soll es sowohl um die Ausweitung des Rettungsschirms gehen, von dem auch Griechenland profitiert, als auch um einen möglichen Schuldenerlass für das Land. In dieser Frage gibt es dem Vernehmen nach weiterhin Streit unter den Geldgebern. Demnach soll der IWF einen Schuldenschnitt skeptischer sehen als die Europäer.

fdi/Reuters/dpa

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Litajao 20.10.2011
1. Die Troika macht also Druck
Ich dachte, die Troika sind Prüfer, die einen umfassenden Bericht vorlegen wollten. (Wahrscheinlich muss der aber noch vom Griechischen ins Englische übersetzt werden.) Wo ist denn nun der umfassende Bericht und vor allem hat jetzt die Troika die Macht, Druck zu machen und Druck gegen wen?
unterländer 20.10.2011
2. ?
Zitat von sysopDie Troika macht Druck: Die Kontrolleure von IWF und EU empfehlen die Auszahlung von acht Milliarden Euro an Griechenland - und zwar so schnell wie möglich. Zwar hinke die Regierung beim Sparen noch hinterher, sie habe aber Fortschritte bei der Sanierung des Haushalts erzielt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792979,00.html
Verstehe ich jetzt nicht. Die Troika sagt, dass Geld an die griechische Regierung überwiesen werden soll. Gleichzeitig sagt sie aber auch, dass die "Schuldentragfähigkeit" Griechenlands nicht ausreichend sei. Übersetzt heißt das doch nur, dass das zu überweisende Geld auf keinen Fall zurückgezahlt werden kann. Das allerdings war schon vor dem Einsatz dieser unnützen Troika bekannt. Wozu also der ganze Terz?
aramis45 20.10.2011
3. Warnung
Was in Griechenland jetzt geschieht sollte dem Berliner Parlament als eine Warnung ins Gästebuch geschrieben werden! Sogar ich mit 66 Jahre aus der Provinz werde dann dabei sein!
heraldik 20.10.2011
4. Schuldenkrise: Troika emphielt schnelle Hilfe für Griechenland
Es ist bezeichnend das nun auch die Troika nicht nach rationalen wirtschaftlichen Kennzahlen beurteilt sondern sich dem politischem Wunschdenken beugt. Damit ist die letzte Brandmauer gegen den Ruin geschliffen. Spätestens jetzt gilt rete sich wer kann.
wika 20.10.2011
5. Etwas realitätsfern unsere Eu-Kraten …
… jeder Drittklässler weiß doch inzwischen, dass Griechenland nur den Auftakt in diesem mörderischen Spiel bildet. Ein Staat nach dem anderen wird über die Klinge springen müssen, dies gebietet schon das kaputte Geldsystem. Nur die Berichterstattung konzentriert sich offenbar nur auf das Sterben aber nicht auf die Ursachen dafür. Das Geld wird von Tag zu Tag mehr und erhebt absolutistischen Anspruch auf Verzinsung, gesetzlich verbrieft und in der Priorität höher bewertet las das Leben von 300 Millionen Europäern, bei denen kann man durchaus sparen um die Geldberge mit Zinsen zu versorgen. So bleibt wenigstens das AAA Rating ein wenig erhalten. damit aber die Umverteilung schneller geht, machen Rate-Agenturen und Banken ein feines Spiel. Ein wenig runter-raten, dann gibt es gleich mehr Zinsen auf das erfundene Geld und die Spirale läuft noch etwas schneller. Und weil die Deutschen immer so mustergültig sind, sollten wir den Griechen ein gutes Beispiel geben: *Die Quadriga, die Goldelse und "Dem Deutschen Volke" werden verhökert* … Link (alles für den solidarischen Zweck) (http://qpress.de/2011/09/09/quadriga-goldelse-und-%e2%80%9edem-deutschen-volke%e2%80%9c-werden-verkauft/), damit ja die schönen großen Gelderge der Wenigen nicht zusammenbrechen. Nun gut, die Realisten wissen wie es endet, aber unsere Politiker träumen noch die Träume der Erstklässler, von der heilen Welt und lassen sich dafür den Sand von den Ackermännern der Welt in die Augen kippen, während sich das Volk auf den Straßen schon längst die Augen reibt. Viel realistischer kann ich das Bild nicht zeichnen. Und am Ende des Tages werden unsere Politiker uns erklären, dass sie die Katastrophe nicht absehen konnten, vor der schon seit Einführung des Euros gewarnt wird. Schade nur, dass unsere Politiker so "immun" sind, offenbar in jeder Hinsicht, auch gegen bessere Erkenntnisse.
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