Schuldenkrise US-Finanzminister verteidigt Deutschland

US-Finanzminister Timothy Geithner hat die Bundesregierung gegen die internationale Kritik an ihrer Euro-Krisenpolitik verteidigt: Die Lösung der Finanzkrise in Europa sei nicht allein die Sache Deutschlands. Geithner forderte die EU aber zum Handeln auf.

US-Finanzminister Timothy Geithner: Europa soll klaren Krisenplan vorlegen
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US-Finanzminister Timothy Geithner: Europa soll klaren Krisenplan vorlegen


Washington - Es waren ungewohnt freundliche Worte, die US-Finanzminister Timothy Geithner auf einer Veranstaltung in Washington sprach: Es wäre ungerecht, Deutschland für die Schwierigkeiten bei der Lösung der europäischen Schuldenprobleme verantwortlich zu machen, sagte Geithner .bei einer Veranstaltung des politischen Forschungsinstituts Council on Foreign Relations: "Es ist ein bisschen unfair, Deutschland als die einzige Quelle für das Problem zu sehen".

Europa habe entschieden, dass es in seinem besten Interesse sei, den Währungsblock zusammenzuhalten. Es könne Unstimmigkeiten über Elemente der Strategie geben, aber die Reformen müssten funktionieren. "Es geht nicht nur um Deutschland, es erfordert von anderen Staaten, dass sie fähig sind, sich auf sie zuzubewegen", sagte Geithner.

Geithner fordert von EU Details zur Krisenbewältigung

Zugleich drängte der US-Minister die europäischen Staats- und Regierungschefs, vor dem nächsten EU-Gipfel Ende des Monats die Konturen einer Bankenunion sowie eine Wachstumsstrategie darzulegen. Ferner sollten sie klarstellen, wie die Euro-Zone ihre Rettungsfonds zum Schutz hoch verschuldeter Länder einsetzen wolle.

Die Bundesregierung setze sich für eine Umsetzung der Fiskalunion ein, sagte Geithner. Die USA seien bereit, dieses Bemühen zu unterstützen. Zur Krisenbewältigung und -vorbeugung hat die EU eine Fiskalunion beschlossen, die zu einer strikteren Haushaltsdisziplin führen soll. Für den Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) Anfang kommender Woche in Mexiko erwarten die USA noch keine deutlichen Fortschritte der europäischen Länder bei der Krisenbekämpfung, wie ein US-Regierungsvertreter sagte.

Mehr Klarheit müsse es dann beim EU-Gipfel geben. Eine rasche Entscheidung über den Verbleib Griechenlands sei nach der Wahl am Sonntag nicht zu erwarten. Der Wahlsieger müsse zunächst eine Regierungskoalition bilden und mit den europäischen Partnern verhandeln. Der US-Regierungsvertreter äußerte sich allerdings besorgt, dass es zu einem Ansturm auf die Banken und Ansteckungseffekten in der Schuldenkrise kommen könnte.

nck/Reuters/dpa



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odysseus33 14.06.2012
1. Deutschland nicht einzige Quelle für das Problem
"Deutschland nicht einzige Quelle für das Problem ". Eine Verteidigung ist das eher nicht. 1. Stur kurzsichtige, ideologische Wirtschaftspolitik, aus der Arroganz es schon immer besser zu wissen als alle anderen, ist ein Grund für die Probleme seitens der deutschen Regierung.. 2. Und das sture Festhalten am "schrecklichen Fehler" Euro, bei gleichzeitig halbherzigen und zögerlichen Hilfsmaßnahmen, ist der andere Grund. Gegen alle wirtschaftliche Vernunft, da der Euro ein politisches, kein ökonomisches Projekt ist. Agenda2010 und über 10 Jahre Lohn-Deckelung für die Arbeitnehmer haben ebenso zum Ungleichgewicht beigetragen, wie Lohnsteigerungen in Griechenland &Co. Jetzt steht Deutschland formal "gut da", muss aber natürlich aufgrund der internationalen Verknüpfungen Riesen-Summen zahlen um den anderen zu helfen. Dies bisschen Komplexität überfordert uns scheinbar schon, - wir sind zu doof für eine komplexe Welt, tragisch. Es gibt aber Leute wie Prof. Flassbeck die es die ganze Zeit erklären. Die normalen Menschen in Deutschland hatten in diesem Jahrhundert nichts vom Aufschwung, haben den Preis gezahlt für diesen "Erfolg" (auf dem Papier). Damit Leute wie Schröder und Merkel sich als "erfolgreiche" Wirtschafts-Strategen feiern können. Und jetzt kommt der Hammer zurück. Also noch mal zum mitschreiben: die Neoliberalen, wozu auch Schröder und sein Truppe zählen, dachten sie haben es durchblickt: De-Regulierung sei alternativlos. Folge: erst wurden erstmals die Menschen hier abgekoppelt von Produktivitäts-Zuwächsen, und asoziale Arbeitsverhältnisse normal. Gleichzeitig wurden auch die europäischen Partner an die Wand gespielt.
scratchpatch 14.06.2012
2. Alte Leier in neuer Tonart
Geithner schlägt andere Töne an, bleibt aber in der Sache bei den alten Forderungen nach mehr Geld aus Deutschland für Wachstumsprogramme und Bankenunion. Die Fiskalunion will er "unterstützen", da fragt man sich, wie er das machen will, da er Kredite über den IWF ja schon verweigert hat. Ratschläge gibt es genug und sie sind nichts wert aus Ländern, die selbst keine Lasten tragen wollen.
Litajao 14.06.2012
3. Danaergeschenk
Zitat von sysopAFPUS-Finanzminister Timothy Geithner hat die Bundesregierung gegen die internationale Kritik an ihrer Euro-Krisenpolitik verteidigt: Die Lösung der Finanzkrise in Europa sei nicht allein die Sache Deutschlands. Geithner forderte die EU aber zum Handeln auf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,838764,00.html
Also dieses Lob von Geithner kann man nur als Danaergeschenk bewerten, denn wie heißt es doch so schön: "Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen." Und so ist es wohl mit dem "Lob" von Geithner. Aber Merkel merkt ja nichts, will ja gar nicht merken, denn sonst müßten sie und ihre tollen Experten ja sofort zugeben, dass Sie mit dem Euro und ihren Großmachtsträumen gescheitert sind.
Wunderläufer 14.06.2012
4. Putzig
Es ist schon putzig, was US-Politiker zum Thema Euro so alles von sich geben. Amüsant wird's, wenn man sich die katastrophale Verschuldung der USA anschaut. Und hierbei handelt es sich im Gegensatz zur EU um einen einzelnen souveränen Staat, keinen Staatenbund. Welche positiven Ergebnisse hat Herr Geithner bei diesem Problem vorzuweisen?
yves1981 14.06.2012
5.
Zitat von WunderläuferEs ist schon putzig, was US-Politiker zum Thema Euro so alles von sich geben. Amüsant wird's, wenn man sich die katastrophale Verschuldung der USA anschaut. Und hierbei handelt es sich im Gegensatz zur EU um einen einzelnen souveränen Staat, keinen Staatenbund. Welche positiven Ergebnisse hat Herr Geithner bei diesem Problem vorzuweisen?
Tja nur das die USA einfach Geld drucken können und Rohstoffe in USD gehandelt werden. Kapiert?
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