Schuldenschnitt Griechen drängen Gläubiger zu rascher Einigung

Die Banken sprechen von der Chance auf einen "historischen Deal". In Athen gehen die Gespräche zwischen Regierung und Gläubigern über einen Schuldenschnitt in die entscheidende Runde. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat bereits Pläne, wie deutsche Beamte Griechenland helfen könnten.
Akropolis in Athen: Chance auf einen "historischen Deal"

Akropolis in Athen: Chance auf einen "historischen Deal"

Foto: dapd

Athen - Es bleibt kaum Zeit, bis die selbstgesetzte Frist verstreicht: Bis spätestens Montag will die griechische Regierung mit den Gläubigern des Landes eine Einigung über den Schuldenschnitt erreichen. Die Chancen stehen offenbar gar nicht schlecht. "Elemente eines noch nie dagewesenen freiwilligen Schuldenschnitts werden in die Tat umgesetzt", sagte ein Sprecher des Internationalen Bankverbandes IIF. In EU-Kreisen hieß es, eine Einigung sei noch am Wochenende möglich.

Bis nach Mitternacht hatten der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos mit IIF-Chef Charles Dallara verhandelt. Fast sechs Stunden saßen sie zusammen. Es müsse entschlossen gehandelt werden um diesen "historischen Deal" zu einem Ende zu bringen und Griechenland zu stabilisieren, erklärte der IIF. Am Samstag sollen die Gespräche weitergehen.

Eine entscheidende Beteiligung der privaten Gläubiger an einem Schuldenerlass würde zunächst einen Staatsbankrott Griechenlands verhindern. Bis Samstagmorgen hatten sich beide Seiten darauf verständigt, dass die Gläubiger auf 65 bis 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Angepeilt ist die Summe von 100 Milliarden Euro. Im Gegenzug sollen ihnen nach Angaben eines Bankenvertreters Staatsanleihen mit einer 30-jährigen Laufzeit und einer Verzinsung von durchschnittlich vier Prozent angeboten werden.

Streit über Höhe der Zinsen

Über die Höhe dieser Zinsen gebe es aber noch Streit, berichteten griechische Medien. Demnach plädieren EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) für Zinsen unter drei Prozent, damit Griechenland auf eigenen Beinen stehen kann. Solch niedrige Zinsen würden keinen locken, beim Schuldenschnitt mitzumachen, hieß es aus Bankkreisen.

Die griechische Regierung will unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag eine Einigung erzielen, damit genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt. "Die Minister werden sich den Vorschlag ansehen und dann darüber entscheiden. Wenn sie ihn ablehnen, müssen wir zurück an den Verhandlungstisch", sagte ein Banker mit Blick auf das Treffen am Montag.

Der Schuldenschnitt ist eine Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land die nächste Tranche aus dem 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten kann. Ohne das Geld droht dem Land im März der Bankrott. Ob der Schuldenschnitt Erfolg hat, hängt davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen mitmachen.

Rösler will deutsche Beamte nach Griechenland schicken

Doch nicht alle Politiker in der EU sind von dem Schuldenerlass überzeugt. Der irische Finanzminister Michael Noonan sagte der "Süddeutschen Zeitung", durch die geplante Beteiligung privater Banken, Versicherungen und Investmentfonds sei die Euro-Schuldenkrise noch einmal verschärft worden. "Wenn Sie Geld verleihen, lautet die erste Frage: Kriege ich es zurück?", sagte der Minister. "Vor diesem Hintergrund war es tödlich, eine Debatte über Schuldenschnitte zulasten der privaten Gläubiger anzufangen. Das hat die Märkte verrückt gemacht." Spekulationen, auch in Irland könne ein Schuldenschnitt notwendig werden, wies Noonan zurück. "Wir werden unsere Schulden bedienen", sagte er.

Während in Athen noch die Verhandlungen über den Schuldenerlass laufen, denkt Bundeswirtschaftsminister Rösler darüber nach, wie die Regierung in Athen die Bürokratie des Landes in den Griff bekommen kann. Er will deutsche Beamte als Aufbauhelfer nach Griechenland schicken. Sie könnten bei der Reform der Verwaltung helfen, sagte der FDP-Chef der "Rheinischen Post".

Die Bundesregierung arbeite bereits eng mit der Task Force für Griechenland zusammen. "Gerade bei den Rahmenbedingungen, wie Genehmigungsverfahren und Mittelstandsstärkung, können wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum geschaffen werden", sagte er.

mmq/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.