Schuldenschnitt Poker in Griechenland geht in die nächste Runde

Die Gespräche stocken, und die Griechen machen Druck. Die Regierung in Athen will private Gläubiger offenbar per Gesetz zum Schuldenschnitt zwingen. Die aktuellen Verhandlungen werden am Mittwoch wieder aufgenommen - aber ein entsprechender Gesetzentwurf könnte bereits am Montag vorliegen.

Dallara, Lemierre: Bankenvertreter vermissen eine "konstruktive Antwort" von den Griechen
AFP

Dallara, Lemierre: Bankenvertreter vermissen eine "konstruktive Antwort" von den Griechen


Hamburg - Griechenland pokert hoch. Angesichts der schleppenden Verhandlungen mit der Finanzbranche will die griechische Regierung unwillige private Gläubiger notfalls per Gesetz zu einem erheblichen Forderungsverzicht zwingen. Ein Sprecher schloss am Freitag einen solchen Schritt nicht mehr aus.

Noch habe die griechische Regierung nicht entschieden, ob sie ein entsprechendes Gesetz ins Parlament einbringen wolle, hieß es. Ein Beobachter der Verhandlungen erklärte, die Unterhändler seien inzwischen weniger optimistisch, dass es zwischen Regierung und Vertretern der Anleiheneigner zu einer Einigung kommen werde. Die Gespräche sollen am Mittwoch wieder aufgenommen werden.

Wenn die Einigung scheitert, droht Griechenland eine unkontrollierte Staatspleite. Um das zu vermeiden, haben am Freitag auch Vertreter der Euro-Gruppe über den Schuldenschnitt beraten - parallel zu den Gesprächen in Athen.

Gesetzesentwurf könnte bereits am Montag vorliegen

Die griechische Zeitung "Ta Nea" hatte berichtet, die Regierung wolle spätestens am Montag ein Gesetz vorlegen, mit dem auch unwillige Gläubiger zu einem Forderungsverzicht in Form eines Anleihentauschprogramms gezwungen werden könnten.

Laut Informationen der "Financial Times" versuchen die griechischen Regierungsvertreter offenbar eine Lösung durchzusetzen, die auf einen Forderungsverzicht von mehr als 50 Prozent auf den Nennwert griechischer Anleihen hinauslaufen würde. Die dadurch aufgerissene Finanzlücke müsste voraussichtlich von den Euro-Partnern geschlossen werden.

Bereits am Donnerstag war ein erstes Treffen von Ministerpräsident Loukas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos mit Charles Dallara und Jean Lemierre vom Internationalen Bankenverband (IIF) ohne Durchbruch zu Ende gegangen. Laut IIF steht bei mehreren Schlüsselthemen noch eine Einigung aus.

Auch der IIF bestätigte am Freitag die Unterbrechung der Verhandlungen mit der griechischen Regierung, "um über den Nutzen eines freiwilligen Ansatzes" für den Schuldenaustausch "nachzudenken", wie es in einer vom IIF verbreiteten Erklärung hieß. Bisher hätten die Vorschläge der griechischen Regierung zu keiner "konstruktiven und fundierten Antwort" für alle Parteien geführt.

Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit seinen privaten Gläubigern über die Details eines in Grundzügen bereits im Oktober vereinbarten Programms. Ziel der Gespräche ist ein Schuldenaustausch in einer Gesamthöhe von 100 Milliarden Euro. Sollten sie scheitern, wäre eine zweite internationale Rettungszahlung für Griechenland im Frühjahr in Gefahr und könnte zur Zahlungsunfähigkeit Griechenlands führen. Das hätte vermutlich Auswirkungen weit über die Euro-Zone hinaus.

bos/Reuters/dapd

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
hansjoki 13.01.2012
1. Die "Erfinder" der Demokratie...
Zitat von sysopDie Gespräche stocken, und die Griechen machen Druck. Die Regierung in Athen will*private Gläubiger*offenbar per Gesetz zum Schuldenschnitt zwingen. Die*aktuellen Verhandlungen*werden am Mittwoch wieder aufgenommen - aber*ein entsprechender Gesetzentwurf könnte bereits am Montag vorliegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809043,00.html
sind offenbar auf dem Wege, alle die Methoden und Instrumente des in anderen Staaten glücklicherweise überwundenen Absolutismus anzuwenden. Wie anders könnte man die Selbstherrlichkeit eines Schuldners werten, seine Gläubiger zum Verzicht zu ZWINGEN (!!!) ? Bei aller Unzulänglichkeit und Dämlichkeit der griechischen Politiker reicht es doch zu erkennen, dass die willfährigen EU-Partner wohl oder übel die "Suppe auslöffen" werden...
fr01l 13.01.2012
2. Royal Flush
Die Griechen pokern - den wachsweichen Europäern mag das Eindruck machen. Aber inzwischen haben Hedgefonds die Griechen-Anleihen übernommen. Die wollen keine Einigung sondern den Kreditausfall und damit die Auszahlung der CDS. Es werden interessante Zeiten!
semaphil 13.01.2012
3. Finanzertüchtigungsgesetz ...
Zitat von hansjokisind offenbar auf dem Wege, alle die Methoden und Instrumente des in anderen Staaten glücklicherweise überwundenen Absolutismus anzuwenden. Wie anders könnte man die Selbstherrlichkeit eines Schuldners werten, seine Gläubiger zum Verzicht zu ZWINGEN (!!!) ? Bei aller Unzulänglichkeit und Dämlichkeit der griechischen Politiker reicht es doch zu erkennen, dass die willfährigen EU-Partner wohl oder übel die "Suppe auslöffen" werden...
Da wird doch bald ein weiteres Gesetz folgen, das die "EU-Partner" zwingt, periodisch die Restschuld zu übernehmen. Dann können Merkozy gar nicht mehr anders.
Asirdahan 14.01.2012
4. ohne
Zitat von sysopDie Gespräche stocken, und die Griechen machen Druck. Die Regierung in Athen will*private Gläubiger*offenbar per Gesetz zum Schuldenschnitt zwingen. Die*aktuellen Verhandlungen*werden am Mittwoch wieder aufgenommen - aber*ein entsprechender Gesetzentwurf könnte bereits am Montag vorliegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809043,00.html
Was würde eigentlich passieren, wenn Griechenland einfach sagt, wir zahlen nichts mehr zurück. Wie man mit einem privaten Schuldner verfährt, weiß ich. Aber ein Land kann man ja nicht genauso behandeln, keinen Gerichtsvollzieher schicken o.ä.
Hari Seldon 14.01.2012
5.
Zitat von fr01lDie Griechen pokern - den wachsweichen Europäern mag das Eindruck machen. Aber inzwischen haben Hedgefonds die Griechen-Anleihen übernommen. Die wollen keine Einigung sondern den Kreditausfall und damit die Auszahlung der CDS. Es werden interessante Zeiten!
Wer hat denn die CDS? Dann kennen wir wenigstens die Fraktion, die einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone mit anschließender offizieller Staatspleite und Neuanfang verhindern möchte. Bzw wer kauft denn sowas noch, da das Drama ja nun schon mindestens eineinhalb Jahre geht.
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