Schuldentausch Griechen-Gläubiger sollen bis zu 35 Milliarden Euro aufbringen

Banken und andere Gläubiger werden Griechenland helfen müssen: Nach SPIEGEL-Informationen sollen sie freiwillig die Laufzeiten von Krediten für den hochverschuldeten Staat verlängern - und ihn so um bis zu 35 Milliarden Euro entlasten. Die griechische Regierung plant einen "Soli" nach deutschem Vorbild.

Finanzminister Schäuble: Schuldentausch wird wahrscheinlicher
REUTERS

Finanzminister Schäuble: Schuldentausch wird wahrscheinlicher


Hamburg - Die Beteiligung privater Gläubiger an der griechischen Schuldenkrise nimmt Formen an: Um Athen vor dem Ruin zu retten, sollen die Inhaber griechischer Staatsanleihen zwischen 20 und 35 Milliarden Euro aufbringen. Das erwägen die EU-Finanzminister nach Informationen des SPIEGEL. Diskutiert wird das Modell eines sogenannten Rollover. Dabei tauschen die privaten Gläubiger ihre bestehenden Forderungen gegen neue Schuldtitel mit längerer Laufzeit.

Grund für die Pläne ist die weiterhin desaströse Haushaltslage in Griechenland: Eigentlich sollte der Staat ab 2012 wieder auf eigenen Füßen stehen. Doch ihn drücken Schulden in Höhe von 350 Milliarden Euro, Strukturreformen kommen nur langsam voran. Europas Steuerzahler werden die Griechen wohl weit länger mit Geld versorgen müssen als ursprünglich geplant, vermuten die EU-Retter. Um bis zu 90 Milliarden Euro dürften sie ihre Hilfen aufstocken müssen.

Wegen des Rollover-Modells gab es bislang Streit in der EU. Die Bundesregierung will alle Privatgläubiger zur Hilfe verpflichten. Konkret schlägt der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor, dass die Staatsanleihen der privaten Gläubiger um sieben Jahre verlängert werden. Vor allem die Europäische Zentralbank und Frankreich pochten bislang darauf, der Rollover müsse auf freiwilliger Basis erfolgen. Eine verpflichtende Gläubigerbeteiligung könne dazu führen, dass die Rating-Agenturen Griechenland für zahlungsunfähig erklären.

Nun zeichnet sich ab, dass es eine freiwillige Lösung geben wird. Dem würde auch die Bundesregierung zustimmen - unter der Bedingung, dass möglichst viele daran teilnehmen. "Es ist möglich, die Beteiligung der privaten Gläubiger auf freiwilliger Basis zu organisieren", sagte der belgische Finanzminister Didier Reynders. "Dem wird dann auch Deutschland zustimmen können."

Regierung plant griechischen "Soli"

Die griechische Bevölkerung muss sich auf noch härtere Einschnitte einstellen: Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou präsentierte am Freitag die Eckpunkte eines neuen Sparpakets zur Rettung des pleitebedrohten Landes. Allein bis Ende 2011 müssen demnach mehr als sechs Milliarden Euro gespart werden. "Voraussetzung für die Unterstützung an uns ist, dass wir einen Sparplan haben und unsere Ziele erreichen", sagte Papakonstantinou im Fernsehen nach der Zustimmung des Ministerrats zum Sparpaket.

Athen will die Zahl der Staatsbediensteten in den kommenden zwei Jahren im Vergleich zum Jahr 2009 um 150.000 verringern. Dutzende staatliche Behörden und Unternehmen sollen fusionieren, schließen oder privatisiert werden. Zudem soll eine neue Sondersteuer nach dem Vorbild der deutschen Solidaritätssteuer für Einkommen über 12.000 Euro jährlich erhoben werden.

Nach dem Ende der Tourismus-Saison im September soll zudem der Mehrwertsteuersatz für Gerichte und Getränke, die in Tavernen und Cafés serviert werden, von derzeit 13 Prozent auf 23 Prozent steigen. Noch mehr Geld müssen auch die Besitzer von Immobilien und Luxusautos sowie Yachten und Booten zahlen.

Dem neuen Sparprogramm muss noch das Parlament in Athen zustimmen. Die Billigung ist eine der Bedingungen dafür, dass EU und Internationaler Währungsfonds grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche von Finanzhilfen an Griechenland geben.

ssu/dab

insgesamt 112 Beiträge
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kimba2010 10.06.2011
1. Ich lache ...
Haha, viel Spass dabei, vom privaten Markt "freiwillig" 35 Milliarden einzusammeln. Ich wäre überrascht, wenn 35 Millionen zusammenkommen. Die Banken verkaufen gerade jetzt das ganze Griechenzeug wie verrückt. Nur weg mit dem Zeug, lautet die Parole. Nur Idioten oder Politiker halten noch irgendwas, wo "Griechenland" draufsteht!
c++ 10.06.2011
2. .
Den Vorschlag mit den Rolloverkrediten finde ich gut. Dabei sollte der Bestand an Griechenlandanleihen vor 12 Monaten die Basis sein. Die Banken müssen verpflichtet werden, griechische Zwangsanleihen zu zeichnen. Warum soll das der Steuerzahler machen? Diese Zwangsanleihen müssten mit einem Zinssatz von 3% ausgestattet werden und eine Laufzeit nach Bedarf des Schuldners haben. Außerdem sollten diese Zwangsanleihen auch allen vermögenden Griechen aufgedrückt werden, ob sie ihr Geld ins Ausland geschafft haben oder nicht. Damit wäre die Finanzkrise Griechenlands gelöst, ohne den Steuerzahler auszubeuten. Aber bitte kein Soli nach "deutschem Vorbild". Damit wird der Hass auf Deutschland noch mehr geschürt. Die Griechen sollen sich mal lieber selbst Gedanken machen, wie sie ihre Bürger abzocken, ohne Deutschland ins Spiel zu bringen.
syramon 10.06.2011
3. Viel zuwenig
Zitat von sysopBanken und andere Gläubiger werden Griechenland helfen müssen: Nach SPIEGEL-Informationen sollen sie freiwillig die Laufzeiten von Krediten für den hochverschuldeten Staat verlängern - und ihn so um bis zu 35 Milliarden Euro entlasten. Die griechische Regierung*plant einen "Soli" nach deutschem Vorbild. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767728,00.html
Deutschland allein hat heute ca. 200 Milliarden für einen EU Rettungsschirm bis 2013 beschlossen. Danach gibts den unbegrenzten in Billionenhöhe.
BR_Demokratie 10.06.2011
4. kniet nieder vor dem Bankensektor!
"einer freiwilligen Beteiligung des Privatsektors einverstanden erklären - unter der Bedingung, dass möglichst viele daran teilnehmen" das ist auch mal ne gute Formulierung... im Endeffekt werden die Banken sich eh durchsetzen...und die Regierung kann dennoch sagen "haja, wir haben sie ja darum gebeten, mehr können wir nicht tun..." ... Griechenland brennt, wann folgen die Banken?
syramon 10.06.2011
5. Hier sollte der SPON auch ehrlicher sein,
Zitat von sysopBanken und andere Gläubiger werden Griechenland helfen müssen: Nach SPIEGEL-Informationen sollen sie freiwillig die Laufzeiten von Krediten für den hochverschuldeten Staat verlängern - und ihn so um bis zu 35 Milliarden Euro entlasten. Die griechische Regierung*plant einen "Soli" nach deutschem Vorbild. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767728,00.html
Mit solch lächerlichen Summen, kann man in der EU heute keine Figur mehr machen, da sind 3-stellige Milliarden eingefordert. Oh Mann, was sollen denn noch lächerliche 35 Milliarden Euro in der EU bringen?
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