Schwache Wirtschaft Frankreich rutscht in die Rezession

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpft erneut: Zum zweiten Mal seit 2009 gerät Frankreichs Wirtschaft in die Rezession. Bald könnte auch der Staat als letzte Stütze der Konjunktur wegfallen. EZB-Präsident Draghi fordert Reformen.

Arbeitnehmer-Protest in Frankreich: Schwache Wirtschaft belastet Arbeitsmarkt
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Arbeitnehmer-Protest in Frankreich: Schwache Wirtschaft belastet Arbeitsmarkt


Paris - Die Wirtschaft Frankreichs ist im ersten Quartal zum zweiten Mal seit 2009 in die Rezession gerutscht. Von Januar bis März sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,2 Prozent gesunken, teilte die französische Statistikbehörde Insee am Mittwoch in Paris auf Basis einer zweiten Erhebung mit. Damit bestätigte Insee eine erste Schätzung.

Bereits im vierten Quartal 2012 war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone um 0,2 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn eine Volkswirtschaft in zwei Dreimonatsperioden in Folge schrumpft.

Belastet wurde die Wirtschaftsentwicklung im Quartalsvergleich vor allem durch gesunkene Investitionen und geringere private Haushaltsausgaben. Zudem fielen die Exporte, während die Importe stiegen. Gestützt wurde das Bruttoinlandsprodukt lediglich durch gestiegene Staatsausgaben. Diese Stütze für die Konjunktur könnte aber auch bald ausfallen: Frankreichs Regierung will 2014 zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren weniger ausgeben als im laufenden Jahr.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die französische Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,4 Prozent. Auch hier wurde die erste Schätzung bestätigt. Im Vorquartal war das BIP im Jahresvergleich um 0,3 Prozent geschrumpft.

Draghi verlangt von Frankreich Reformbereitschaft

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, forderte Frankreich angesichts der schlechten Zahlen zu Reformen auf. Insbesondere ein Umbau des Arbeitsmarktes sei notwendig, sagte Draghi am Mittwoch vor Abgeordneten in der Nationalversammlung in Paris. "Lassen Sie uns nicht vergessen, dass diejenigen, die am meisten unter einem nicht reformierten Arbeitsmarkt leiden, die jungen Leute sind. Der Beweis dafür sind die enormen Zahlen junger Arbeitsloser heutzutage."

Die schwache Wirtschaftsentwicklung ist tatsächlich eine Katastrophe für Frankreichs Arbeitslose und den Staatshaushalt: Die Arbeitslosigkeit ist schon jetzt auf Rekordniveau. Zudem musste die Regierung von Präsident Hollande bereits von ihrem ursprünglichen Ziel abrücken, dieses Jahr nicht erneut das Maastricht-Kriterium zu reißen, das eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorschreibt. Die EU-Kommission hat Paris zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt, um das Defizitziel zu erreichen.

ade/AFP/Reuters

insgesamt 107 Beiträge
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pace335 26.06.2013
1. ja genau
die Franzosen brauchen Reformen genau wie wir sie schon hinter uns haben. Mal schauen ob die Franzosen das mit sich machen lassen?
GSYBE 26.06.2013
2. Nicht zu vergessen die Rentenreformen
"Lassen Sie uns nicht vergessen, dass diejenigen, die am meisten unter einem nicht reformierten Arbeitsmarkt leiden, die jungen Leute sind. Der Beweis dafür sind die enormen Zahlen junger Arbeitsloser heutzutage." Mann darf auch auf keinen Fall die Rentenreformen vergessen, die überall in den europäischen Staaten - teils auf deutsches Rezept - in Mode sind: je später die Arbeitnehmer in Rente gehen bzw je länger sie die Arbeitsstellen - gezwungenermassen - besetzt halten, desto schneller bekommen die Jungen neue Arbeit! Moment mal....da stimmt doch was nicht; habe ich die Reformen nicht richtig verstanden oder ist das Obige Unfug?
mischamai 26.06.2013
3. leider ist es so
Meine langjährigen Geschäfte mit Frankreich haben einen erschreckenden Verlauf genommen,gerade im Bereich gehobene Konsumgüter lässt sich seit Hollande keine Ware mehr an französische Geschäfte verkaufen.
nick115 26.06.2013
4. ...
hoffentlich bleiben die Sozialisten in Paris ihren utopischen Phantasien treu, dann klappts auch mit der EURO Auflösung!
ruthteibold-wagner 26.06.2013
5. Wer ist schuld?
Bald werden sie wieder ihre ewige Litanei loslassen, dass Deutschland und vor allem Kanzlerin Merkel an ihrer Rezession schuld wäre, weil die Deutschen total egoistisch und gemein wären, im Wettbewerb stärker zu sein.
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