Schwächelnde Währung Griechen-Poker drückt Euro auf Zehn-Monats-Tief

Wetten gegen Europa: Die Spitzen der EU debattieren über Nothilfe fürs taumelnde Griechenland, die Finanzmärkte sprechen ihr Votum schon jetzt - sie misstrauen dem Euro. Zum Dollar rutscht die Gemeinschaftswährung auf den niedrigsten Stand seit zehn Monaten, zum Franken gar auf ein Allzeittief.

Währungshändler in Chicago: Wetten gegen den Euro
REUTERS

Währungshändler in Chicago: Wetten gegen den Euro


Frankfurt am Main - Das Treffen mit den EU-Regierungschefs könnte für Angela Merkel ein voller Erfolg werden. Schon vor dem Gipfel am Donnerstag in Brüssel zeichnet sich ab, dass die Kanzlerin mit ihrer Ablehnung von direkten Hilfen für Griechenland Erfolg haben könnte. Die französische Regierung hat signalisiert, den deutschen Vorschlag mitzutragen, nach dem der Internationale Währungsfonds (IWF) bei der Rettung des hochverschuldeten Landes hilft.

Die Folgen für die Haushalte der anderen Mitgliedstaaten dürften deshalb vorerst gering sein. Die internationalen Märkte reagieren allerdings keineswegs euphorisch - im Gegenteil. Der Euro Chart zeigen sackte am Mittwochmorgen auf den niedrigsten Stand zum Dollar seit zehn Monaten - und fiel bis auf 1,3408 Dollar im späten US-Geschäft. Dies ist der niedrigste Stand seit Anfang Mai 2009.

Laut Experten der Commerzbank haben Investoren derzeit den Eindruck, "dass sich Angela Merkel mit ihrer harten Haltung gegenüber Griechenland durchsetzen könnte und auch Frankreich einer Hilfe durch den IWF zustimmt". Am Devisenmarkt werde eine solche Lösung als Schwäche der europäischen Politik interpretiert.

Zum Schweizer Franken fiel der Euro Chart zeigen sogar auf den niedrigsten Wert seit Bestehen der Währung. Auch im fernöstlichen Handel sackte der Euro ab. Zur japanischen Währung wurde er mit 121,47 Yen gehandelt. Am Markt werde damit gerechnet, dass die Unsicherheiten über eine rasche Lösung der Krise und die maue Erholung in der Euro-Zone die Europäische Zentralbank noch bis ins kommende Jahr von einer Zinserhöhung abhalten könne. Dies belaste den Euro zusätzlich.

EU-Währungskommissar Olli Rehn fordert angesichts des schwächelnden Euros einen schnellen Beschluss zur Griechenland-Hilfe. Die Europäische Union müsse noch in dieser Woche darüber entscheiden, sagte Rehn der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat". Sollte dies der Gemeinschaft nicht gelingen, drohten schwere Störungen beim Euro. "Wir stehen an einer Wegscheide. Griechenland kann eine schwere Störung verursachen, oder wir können aus dieser Krise lernen." Technisch stehe die EU bereit, sagte Rehn weiter. "Jetzt brauchen wir eine politische Entscheidung."

Auch Brüderle lehnt deutsche Hilfen ab

Nach Merkel und Außenminister Guido Westerwelle hat nun auch Rainer Brüderle deutsche Finanzhilfen für Griechenland abgelehnt. "Die griechische Regierung sagt selbst, dass sie keine Finanzhilfen braucht und es aus eigener Kraft schafft", sagte der Wirtschaftsminister der "Passauer Neuen Presse". Hilfen für Griechenland wären das falsche Signal. "Wir dürfen hier keinen Präzedenzfall schaffen, auf den sich später andere EU-Mitgliedstaaten berufen könnten. Jeder muss seine Hausaufgaben selbst erledigen." In Zukunft müsse als Lehre aus der Griechenland-Krise der Stabilitäts- und Wachstumspakt stärker überwacht und eingehalten werden.

Brüderle sagte der Zeitung, es könne nicht sein, "dass der deutsche Steuerzahler für Misswirtschaft in Griechenland oder anderswo bezahlt". Man benötige keinen Länderfinanzausgleich auf europäischer Ebene, sondern Spielregeln, die auch geordnete Insolvenzverfahren beinhalten. Mit zu erhebenden Strafgeldern für Verstöße gegen die Euro-Stabilitätskriterien könnte "ein Feuerwehr-Fonds für künftige Krisensituationen eingerichtet werden".

cte/Reuters/dpa

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Seite 1
T. Wagner 06.03.2010
1.
Zitat von sysopDie Auswirkungen der Finanzkrise sind auch in diesem Jahr noch stark zu spüren. Mehrere europäische Länder verzeichnen hohe Defizite. Die Situation in Europa hat sich durch die hohe Staatsverschuldung Griechenlands noch einmal verschärft. Viele Experten befürchten die Schwächung des Euro. Wie gefährlich ist Ihrer Meinung nach die Krise für die gemeinsame Währung der EU-Länder? Diskutieren Sie mit!
Erste Auswirkungen sind bereits zu spüren. Offenbar hat der Euro an Wert verloren. Die Spritpreise haben deutlich angezogen. Ich denke jedoch nicht, daß der Euro wirklich in Gefahr ist. Es ist die erste grosse Bewährungsprobe für ihn. Europa wird sich aus der Krise lavieren und in ein paar Jahren glänzend dastehen. Jetzt heisst es, Zähne zusammenbeissen und durchhalten. Auch diese Krise geht vorbei. Europa bleibt. Der Euro auch.
Ghost12 06.03.2010
2.
Zitat von sysopDie Auswirkungen der Finanzkrise sind auch in diesem Jahr noch stark zu spüren. Mehrere europäische Länder verzeichnen hohe Defizite. Die Situation in Europa hat sich durch die hohe Staatsverschuldung Griechenlands noch einmal verschärft. Viele Experten befürchten die Schwächung des Euro. Wie gefährlich ist Ihrer Meinung nach die Krise für die gemeinsame Währung der EU-Länder? Diskutieren Sie mit!
Praktisch arbeiten alle westlichen großen Notenbanken zusammen, eine Währung lässt man nicht untergehen, da wird gestützt. Alle diese ungedeckten Papiergeldwährungen verlieren gerade daher zusammen immer mehr an Wert. Probleme werden gemeinsam weginflationiert. Ich sehe hier keine "Verschwörung", ich sehe überhaupt keine Struktur, Plan oder Exit. Das ist reines Chaos, bei dem der gesamte Wohlstand der betreffenden Länder draufgeht, höchstwahrscheinlich aber auch die Freiheit der Einwohner.
japan10 06.03.2010
3.
Zitat von sysopDie Auswirkungen der Finanzkrise sind auch in diesem Jahr noch stark zu spüren. Mehrere europäische Länder verzeichnen hohe Defizite. Die Situation in Europa hat sich durch die hohe Staatsverschuldung Griechenlands noch einmal verschärft. Viele Experten befürchten die Schwächung des Euro. Wie gefährlich ist Ihrer Meinung nach die Krise für die gemeinsame Währung der EU-Länder? Diskutieren Sie mit!
Viele haben schon den Euro am Ende gesehen. Griechenland sollte ihn begraben. Doch als Griechenland diese Woche sich Geld leihen müsste, wurde die Staatsanleihe von Privaten Investoren aufgenommen. Für den Euro wird es nicht eng. Eher sind andere Währungen, die sich Sorgen machen müssen. Als diese Woche an der Wall Street der Kurs für den franz. Franc gestellt wurde, war das wohl mehr Psyscho. Den USA ist halt nichts peinlich. In diesem ganzen Investmentstrudel gibt es zwei Länder und eine Volksgruppe, die das ganze hin und herschieben, wie es ihnen gefällt.
Ghost12 06.03.2010
4.
Zitat von japan10Viele haben schon den Euro am Ende gesehen. Griechenland sollte ihn begraben. Doch als Griechenland diese Woche sich Geld leihen müsste, wurde die Staatsanleihe von Privaten Investoren aufgenommen. Für den Euro wird es nicht eng. Eher sind andere Währungen, die sich Sorgen machen müssen. Als diese Woche an der Wall Street der Kurs für den franz. Franc gestellt wurde, war das wohl mehr Psyscho. Den USA ist halt nichts peinlich. In diesem ganzen Investmentstrudel gibt es zwei Länder und eine Volksgruppe, die das ganze hin und herschieben, wie es ihnen gefällt.
Sehr witzig. Sie glauben tatsächlich die Oma Ernas wären bei der (zeitlich überraschenden und ganz kurzfristigen Emission)zu ihren Sparkassen zur Zeichnung gerannt? Oder europäische Geschäftsbanken, bei denen diese toxic assets landen werden, hätten volle Tresore, aus denen sie schöpfen könnten? Die EZB druckt das Geld und nutzt dann das Investmentvehikel Geschäftsbank als Verteiler. Und auch die EZB hat kein Geld. Sie druckt es nur und enteignet damit Euro-Sparer.
sacco 06.03.2010
5.
Zitat von Ghost12Praktisch arbeiten alle westlichen großen Notenbanken zusammen, eine Währung lässt man nicht untergehen, da wird gestützt. Alle diese ungedeckten Papiergeldwährungen verlieren gerade daher zusammen immer mehr an Wert. Probleme werden gemeinsam weginflationiert. Ich sehe hier keine "Verschwörung", ich sehe überhaupt keine Struktur, Plan oder Exit. Das ist reines Chaos, bei dem der gesamte Wohlstand der betreffenden Länder draufgeht, höchstwahrscheinlich aber auch die Freiheit der Einwohner.
ob verschwörung oder ungewollte folge - der effekt ist der selbe und zwar mit sicherheit, nicht höhstwahrscheinlich.
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