Schwächelnder Internetkonzern Yahoo-Aufsichtsrat feuert Chefin am Telefon

Es ist eine recht unbarmherzige Art, ein Arbeitsverhältnis zu beenden: Per Telefon hat der Aufsichtsrat des Internetkonzerns Yahoo seine Chefin Carol Bartz entlassen. Die Anleger reagieren begeistert, die Aktie des Unternehmens legte zeitweise um sieben Prozent zu.

Ex-Yahoo-Chefin Bartz: "Ich bin sehr traurig"
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Ex-Yahoo-Chefin Bartz: "Ich bin sehr traurig"


San Francisco - Sie war mit dem großen Versprechen gestartet, Yahoo wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Doch nach nur zweieinhalb Jahren ist Konzernchefin Carol Bartz nun entlassen worden. Das teilte Yahoo im kalifornischen Sunnyvale mit. Damit muss Bartz bereits deutlich vor dem Ende ihres Vier-Jahres-Vertrags gehen.

Sie habe von ihrem Rauswurf am Telefon erfahren, schrieb Bartz in einer Abschieds-Mail an ihre Mitarbeiter, die das Blog "All Things Digital" veröffentlichte. "Ich bin sehr traurig, euch mitteilen zu müssen, dass mich der Aufsichtsratsvorsitzende von Yahoo gerade am Telefon gefeuert hat", schreibt Bartz darin. "Es war mir ein Vergnügen, mit euch zu arbeiten und ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute."

Die Managerin hatte Anfang 2009 den Chefposten bei Yahoo übernommen. Sie strich Hunderte Stellen und senkte damit die Kosten deutlich. Dennoch verlor Yahoo weiter Marktanteile an Google und Facebook, der Umsatz schrumpfte. Unter Bartz vereinbarte Yahoo die Kooperation mit dem Software-Konzern Microsoft bei der Internetsuche.

Trotz des starken Partners tut sich Yahoo schwer, sich gegen den größeren Konkurrenten Google zu behaupten. Zwar zählt das Unternehmen immer noch zu den beliebtesten Adressen im Internet, doch zuletzt schwächelte ausgerechnet das wichtige Geschäft mit grafischen Werbeanzeigen. Marktforschern zufolge wird Facebook Yahoo noch in diesem Jahr bei den Einnahmen für Werbebanner überholen. Dabei war Yahoo Pionier bei diesen Bannern. Konkurrent Google Chart zeigen hat mittlerweile einen Marktwert von 170 Milliarden Dollar - zehnmal so viel wie Yahoo.

Bei den Anlegern kam die überraschende Entscheidung des Verwaltungsrats gut an. Nachbörslich stieg die Yahoo-Aktie Chart zeigen zeitweise um sieben Prozent. Verwaltungsrats-Chef Roy Bostock deutete eine Neuaufstellung des Internetkonzerns an. Zunächst soll Finanzvorstand Timothy Morse die Führung übernehmen, parallel läuft jedoch die Suche nach einem neuen Konzernchef.

cte/dapd/dpa/Reuters

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
spon-1277755831106 07.09.2011
1. nicht so schlimm
vermutlich erhält die Dame Schmerzensgeld. Ich hatte einmal in einer Firma gearbeitet, da wurde den Leuten per e-mail gekündigt (ohne Schmerzensgeld).
goox 07.09.2011
2. Gelebte Demokratie
Alles ist möglich, was im Rahmen des Gesetzes ist. Schade, dass diese Art der gelebten Demokratie bei unserer Bundesregierung noch nicht möglich ist - hire and fire.
keinschwabe 07.09.2011
3. so kann´s kommen....
Zitat von sysopEs ist eine recht unbarmherzige Art, ein Arbeitsverhältnis zu beenden: Per Telefon hat der Internetkonzern Yahoo seine Chefin Carol Bartz entlassen. Die Anleger reagieren begeistert, die Aktie des Unternehmens legte zeitweise um sieben Prozent zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784797,00.html
weit oben wird die Luft dünner und die Sitten rauher! Ist natürlich keine Art, jemanden zu feuern, das über das Telefon zu erledigen. ich denke das Salär wird noch eine Weile bezahlt werden. Der Nächste bitte.....
user56 07.09.2011
4. Kein Wunder
Man sollte Frauen halt nicht in Führungspositionen zulassen, vorallem nicht in Unternehmen in denen für den Erfolg mehr als die Tugenden eine sparsamen Hausfrau oder Buchhalterin nötig sind. Wenn ich Angestellter wäre und die Firma würde eine Frau als Chefin oder meine Vorgesetze einstellen würde ich das zudem als Anlass zur inneren Kündigung ansehen und von da an nur noch "Dienst nach Vorschrift" machen, neue Ideen für mich behalten und der Firma dezent schaden wo immer ich könnte.
woodstocktc 07.09.2011
5. bild
mal wieder so ein Bild-Niveau Bild von ihr herausgesucht. Was soll uns das suggerieren ? Überraschung auf den Rauswurf ? Aufgabe ? Ach kommen Sie, haben Sie neutralen Journalismus gänzlich verlernt oder ist es einfach en Vogue im Archiv nach "name x erstaunt, entsetzt.." zu suchen um in Comichafter Manier Artikel zu schmücken.
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