Studie zur Schattenwirtschaft Mehr Schwarzarbeit wegen Mindestlohn

Der Mindestlohn hilft nicht nur Geringverdienern. Laut einer Studie wird er auch die Umsätze der Schwarzarbeit erhöhen - um 1,5 Milliarden Euro.
Baustelle in Dresden: Mindestlohn befeuert angeblich Schwarzarbeit

Baustelle in Dresden: Mindestlohn befeuert angeblich Schwarzarbeit

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.

Tübingen - Vom seit Januar geltenden Mindestlohn profitieren offenbar nicht nur die betroffenen Arbeitnehmer, sondern auch die Schattenwirtschaft. Einer Studie zufolge wird der der informelle Sektor dieses Jahr erstmals seit vielen Jahren nicht mehr schrumpfen, sondern um 1,5 Milliarden Euro wachsen.

Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt unverändert bei 12,2 Prozent, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz hervorgeht. Demnach war der Wert hierzulande mit Ausnahme des Krisenjahrs 2009 seit Jahren bisher rückläufig.

"Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt", erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt. Mit dem Begriff werden sowohl Schwarzarbeit als auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei und Betrug bezeichnet.

Nach Schätzung der Experten dürfte tatsächlich aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Minimallohns durch Schwarzarbeit umgangen werden. Denn die notwendigen Lohnsteigerungen in den dafür typischen Branchen liegen den Fachleuten zufolge bei insgesamt etwa sieben Milliarden Euro. Der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft von 1,5 Milliarden Euro durch den Mindestlohn ist wesentlich geringer.

Schwarz gearbeitet wird demnach besonders häufig in Gaststätten, Hotels sowie Teilen der Bauwirtschaft. Auch bei persönlichen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft werde in Deutschland vergleichsweise häufig am Fiskus vorbei verdient, hieß es.

Mit Blick auf andere Länder steht die Bundesrepublik aber nicht schlecht da: Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, liegt Deutschland mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld - ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder. Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Hier liegt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP zwischen 18 und 22 Prozent.

Direkt messen lässt sich Schwarzarbeit nicht. Die vorgelegten Zahlen sind lediglich Schätzungen. Die Experten leiten dazu aus mehreren Faktoren ein voraussichtliches Volumen der Schattenwirtschaft ab.

Zusammengefasst: Die Schattenwirtschaft in Deutschland wird einer Studie zufolge 2015 um 1,5 Milliarden Euro zunehmen - ihr Anteil am BIP bleibt aber weiter bei niedrigen 12,2 Prozent. Der Mindestlohn ist laut Forscher ein Grund dafür, dass Schwarzarbeit nicht zurückgeht.

Das SPIEGEL-ONLINE-Wirtschaftsressort testet für eine Woche den "Zusammengefasst"-Absatz. Kritik, Feedback, Anregungen? Bitte hier .

nck/dpa