Abstimmung Schweizer Fair-Food-Initiative droht zu scheitern

Wollen die Schweizer gute Lebensmittel staatlich verankert haben? Ersten Schätzungen zum Ausgang einer entsprechenden Abstimmung zufolge soll eine klare Mehrheit dagegen sein.

Schweine auf einem Gutsbetrieb in der Schweiz
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Schweine auf einem Gutsbetrieb in der Schweiz


Ganz am Anfang hatte es nach einem Vorsprung ausgesehen, doch die Zustimmung für die Fair-Food-Initiative war zuletzt deutlich geschrumpft, nun könnte die Mehrheit für die Abstimmung über umweltschonendes, tierfreundliches und fair hergestelltes Essen sogar klar verfehlt worden sein. Das zeigt die erste Trendrichtung des Schweizer Forschungsinstituts GFS Bern, wie die "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ") und der SFR berichten. Demnach sagen 64 Prozent Nein zu der Initiative.

Es sei eine verpasste Chance, sagte Maya Graf, Nationalrätin der Grünen im SRF. Nationalrätin und Grünen-Präsidentin Regula Rytz zeigt sich ebenfalls enttäuscht über die Ablehnung.

Der Initiativtext (hier geht's zur Website) verpflichtet den Staat, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu fördern, die "umwelt- und ressourcenschonend, tierfreundlich und unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden." Das gilt explizit auch für Lebensmittel, die nicht in der Schweiz produziert wurden, sowie für verarbeitete Lebensmittel. Langfristig müssten dann alle Inhaltsstoffe aller Produkte sowie deren Verarbeitung Schweizer Standards entsprechen. Kritiker entgegnen, dass der Vorschlag teuer, kontraproduktiv und kaum umsetzbar sei. (Mehr zur Initiative können Sie hier in einem Überblickstext nachlesen.)

Die "NZZ" zitiert den Politologen Lukas Golder von der GFS Bern. Die Ernährungsinitiative werde wie erwartet deutlich abgelehnt. Der Verlauf war laut Golder typisch für Initiativen: Erst habe es eine starke Zustimmung gegeben, aber es sei ihm zufolge nicht gelungen, das Thema wirklich zu politisieren. Als klar geworden sei, dass mit Annahme der Food-Initiative der Preis der Lebensmittel steigen dürfte, sei deren Schicksal besiegelt gewesen.

Maya Graf
picture alliance/ KEYSTONE

Maya Graf

Mitiniatoren wie Maya Graf bestreiten das. Graf sieht das Problem bei den Gewinnmargen mancher Importeure. "Weil sie billige Lebensmittel importieren, etwa Hühnchen aus Deutschland, die sie in der Schweiz für das Zehnfache verkaufen."

yes

insgesamt 28 Beiträge
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lesseworld 23.09.2018
1. Der Preis entscheidet, sonst nichts
Allenfalls für kleine Interessengruppen sind derartige ideologische Initiativen von Bedeutung. Der Rest resp. die Mehrheit will am Ende einfach nur den bestmöglichen Preis. Marktwirtschaft eben, eigentlich ganz einfach.
rudisresterampe 23.09.2018
2. Ganz genau so ist es!
Gesund finden alle toll aber wenn es ein bisschen mehr kostet will es keiner mehr. Und ich rede jetzt nicht von den Leuten die wirklich jeden Cent umdrehen müssen.
dirk warkner 23.09.2018
3. Ich denke nicht, dass es immer so einfach ist....
....mit diesem "Alle wollen immer nur billig". Ich denke, vor allem wollen viele Menschen dies immer noch selbst entscheiden können und im Zweifel und Einzelfall auswählen können, für welche Produkte sie sich dann tatsächlich entscheiden. Es geht also meiner Meinung nach nicht um "immer billig" (stimmt in der Schweiz ja sowieso nicht!) sondern um (Wahl-)Freiheit im Gegensatz zu auferlegten Zwängen von staatlicher Seite....das hat in Deutschland bei der Veggi-Day-Initiative der Grünen auch nicht funktioniert...
erst_nachdenken 23.09.2018
4. "Wenn es ein bisschen mehr kostet" (Zitat aus Beitrag Nr. 2)
Die Schweiz ist jetzt schon eine Hochpreis-Insel. "Ein bisschen mehr" kosten Lebensmittel hier ohnehin schon - eher "deutlich" mehr als in Deutschland. Warum tuen es sich Kunden selbst aus Zürich oder Sankt Gallen an, samstags beispielsweise in Lörrach (D) beim Edeka einzukaufen (die Nummernschilder auf dem Parkplatz und die Dialekte im Laden sprechen eine deutliche Sprache). Und warum ist Konstanz wochenends mit Schweizer Einkaufstouristen überflutet? Weil Lebensmittel und Kosmetika in der Schweiz eben überteuert sind. Ich habe vollstes Verständnis, dass man auch in der Schweiz weitere Preistreibereien nicht akzeptieren will.
thequickeningishappening 23.09.2018
5. Da gab es ja mal Den umgekehrten Fall
Luxemburg stieg mit "billig" von Zigaretten und Benzin zur Steueroase auf weil "billig" eben Jedem am nächsten ist. Aber vor Schengen gab es da strikte Kontrollen: Jede Zigarette wurde vom Zoll gezählt und wer Einen Reserve Kanister dabei hatte Der musste latzen. So muesste Es Die Schweiz auch handhaben. Geht leider nicht: man sitzt halt mitten drin, im Schwitzkasten Der EU. Und wenn billig einführen erlaubt ist dann siegt Der Geiz und Die Gier ueber Das Gemeinwohl. Ich kaufe nicht mehr bei Aldi & Co weil bei uns z.B. Die Milchbauern bis in Den Suizid getrieben werden durch Den "Freien Markt" !
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