Volksabstimmung Schweizer lehnen Rentenreform ab

Die Schweizer haben sich in einer Volksabstimmung gegen eine Reform des Rentensystems entschieden. Damit bleibt sowohl die Mehrwertsteuer als auch das Rentenalter für Frauen unverändert.

Urnenbüro-Mitarbeiter bringen Stimmzettel ins Tal nach Dallenwil
DPA

Urnenbüro-Mitarbeiter bringen Stimmzettel ins Tal nach Dallenwil


In der Schweiz ist die erste Rentenreform seit 20 Jahren bei einer Volksabstimmung gescheitert. Die Reform sah unter anderem vor, dass Frauen bis zum Alter von 65 Jahren und damit ein Jahr länger als bisher arbeiten sollten. Männer in der Schweiz erreichen mit 65 das Rentenalter. Im Gegenzug wollte die Regierung den Rentnern monatlich 60 Euro mehr Grundrente bezahlen. Dafür sollte auch die Mehrwertsteuer von 8 auf 8,3 Prozent erhöht werden. Die Lohnbeiträge an die Renten-, Invaliden- und Erwerbsersatzkassen sollten von 10,25 auf 10,55 Prozent steigen. Diesen Beitrag finanzieren Arbeitgeber und -nehmer je zur Hälfte.

52,7 Prozent der Wähler sagten nach dem vorläufigen Endergebnis Nein zu verschiedenen Maßnahmen, die das Altersgeld langfristig besser absichern sollten. "Das Problem der Finanzierung bleibt damit ungelöst", sagte Innen- und Sozialminister Alain Berset. Stimmberechtigt waren rund fünf Millionen Menschen.

Die konservative Volkspartei (SVP) mit der größten Unterstützung im Land hatte die Reform als "teures Linksprojekt" abgelehnt. Der Partei ging die Reform nicht weit genug. Die Probleme würden nur vertagt. Die bessere Finanzierung werde durch die ebenfalls geplante Erhöhung der Basisrenten praktisch zunichtegemacht. Auch die drittgrößte Partei, die liberale FDP, gehörte zu den Kritikern der geplanten Änderungen. Das Parlament hatte die Reform aber im Frühjahr knapp gutgeheißen.

Die Rentenkasse in der Schweiz ist wie in allen europäischen Ländern unter Druck, weil bald die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, weil die Menschen länger leben und weil die Zinsen seit Jahren niedrig sind.

jul/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.