Schneider-Ammann Schweizer Wirtschaftsminister wegen Offshore-Geldern unter Druck

Es klingt absurd: Spitzenpolitiker Schneider-Ammann aus der Steueroase Schweiz schaffte Gelder seines Unternehmens nach Luxemburg und nach Jersey - ausgerechnet zum Steuernsparen. Jetzt hat er eine Debatte am Hals.

Schweizer Wirtschaftsminister Schneider-Ammann in Davos: "Es war alles legal"
REUTERS

Schweizer Wirtschaftsminister Schneider-Ammann in Davos: "Es war alles legal"


Zürich - In Deutschland flogen in den vergangenen Tagen gleich mehrere Prominente mit ihren außergewöhnlichen Steuermodellen auf. Nun hat auch die Schweiz einen prominenten Steuersparer. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann muss sich wegen seiner Geldanlagen im Ausland öffentlich erklären. Doch Schneider-Ammann sieht sich zu Unrecht unter Druck gesetzt: "Es war alles legal, es war alles transparent, die Steuerbehörde hatte zu jeder Zeit vollständig Einblick", sagte der liberale Politiker der "Neuen Zürcher Zeitung" ("NZZ"). Dies habe die Behörde der Firma am vergangenen Freitag nochmals bestätigt.

Nachdem ein Bericht enthüllt hatte, dass die Firmengruppe Ammanns 250 Millionen Schweizer Franken (rund 204 Millionen Euro) zeitweise in Luxemburg und auf Jersey geparkt hatte, waren Forderungen nach einer politischen Untersuchung laut geworden.

In Deutschland hatte in der vergangenen Woche CDU-Bundesschatzmeister Helmut Linssen angekündigt, wegen umstrittener Geldanlagen im Ausland sein Amt abzugeben. Auch die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hatten eingeräumt, Konten in der Schweiz zu haben oder gehabt zu haben.

"In der Schweiz gab es diese Art von Steuerbefreiung nicht"

Der Fall des Schweizer Wirtschaftsministers erscheint anders. "Es ging um Reserven, die wir steuerlich optimiert haben", sagte der Politiker weiter. Die Gelder seien für die strategische Weiterentwicklung der Gruppe gedacht gewesen. Das Unternehmen, das laut Firmen-Website Maschinen herstellt, müsse sich "in einem brutalen Wettbewerb behaupten. In der Schweiz gab es diese Art von Steuerbefreiung vor der Jahrtausendwende nicht."

Auf die Frage, ob das Parken von Geld im Ausland legitim gewesen sei, antwortete Schneider-Ammann: "Wenn man in einer internationalen Gruppe die hiesigen Arbeitsplätze sichern will, ist es legitim, die Steuern zu optimieren. Es wäre unternehmerisch sogar ein Fehler, wenn man die legalen Möglichkeiten nicht ausnutzen würde. Denn damit würde man sich einen wettbewerblichen Nachteil einhandeln."

yes/dpa

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happy2010 08.02.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSEs klingt absurd: Spitzenpolitiker Schneider-Ammann aus der Steueroase Schweiz schaffte Gelder seines Unternehmens nach Luxemburg und nach Jersey - ausgerechnet zum Steuernsparen. Jetzt hat er eine Debatte am Hals. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweizer-wirtschaftsminister-geraet-wegen-offshore-geldern-unter-druck-a-952237.html
Tja, die Bürger der weltgrößten Steueroase Schweiz bringen das Geld in andere Steueroasen, um weitere, wenige Prozent Steuern zu sparen. Wann endlich merkt die Menschheit, um es mit den Worten der FT und Oxfam zu sagen: Steueroasen sind die mit gewaltigem Abstand größte Bedrohung für alle Industrienationen dieses Planeten. Sie plündern Staaten aus, und entziehen Mittel, sorgen für ungleichen Wettbewerb und schüren Unruhen und zerstören Sozialgefüge In der Kategorie rangieren Steueroasenfolgen VOR Kriegsgefahr
cato-der-ältere 08.02.2014
2. Tränen des Mitgefühls
"Brutaler Wettbewerb", "Arbeitsplätze sichern", - unsere Helden, was wären wir ohne ihren selbstlosen Einsatz für unser Wohl? Da darf man schon ein Tränchen verdrücken. Nebenbei - das ganze Thema Steuergerechtigkeit kommt ja nur aufgrund der Leaks und allgemein des Internets derart in den Fokus der Öffentlichkeit. Zuvor, sagen wir mal seit dem 2. Weltkrieg, wurde bereits Billionen am Staat vorbei geschaufelt. Selige Zeiten. Wobei die Zahl "Billion" scheinbar aber immer noch diesen privaten Schattenhaushalt trifft. Was bedeutet dass sämtliche "Schulden"-Krisen und Sozialkürzungen in Europa sich in Luft auflösen würden wenn diese Leute einfach ganz normal ihre Steuern zahlen würden. Ob dadurch wir alle im "brutalen Wettbewerb" untergehen würden, ich bezweifele es.
kabian 08.02.2014
3. Vorbildfunktion??
Ich kann mir ein lächeln nicht verkneifen. Waren nicht die Schweizer hier, die ihr Land über den Klee lobten das sie nicht viele Steuern zahlen und das sie es deswegen gar nicht nötig hätten Steuern zu hinterziehen?
wolfi55 08.02.2014
4.
Zitat von happy2010Tja, die Bürger der weltgrößten Steueroase Schweiz bringen das Geld in andere Steueroasen, um weitere, wenige Prozent Steuern zu sparen. Wann endlich merkt die Menschheit, um es mit den Worten der FT und Oxfam zu sagen: Steueroasen sind die mit gewaltigem Abstand größte Bedrohung für alle Industrienationen dieses Planeten. Sie plündern Staaten aus, und entziehen Mittel, sorgen für ungleichen Wettbewerb und schüren Unruhen und zerstören Sozialgefüge In der Kategorie rangieren Steueroasenfolgen VOR Kriegsgefahr
Die Schweiz ist per se kein Niedrigsteuerland. Die Steuergrundlagen sind aber etwas anders. Der Gang von Deutschen in die Schweiz dient eher der Vermeidung aller Steuern. Das Problem sind die kompletten Steuervermeider in Jersey und Bermudas etc.
happy2010 08.02.2014
5.
Zitat von kabianIch kann mir ein lächeln nicht verkneifen. Waren nicht die Schweizer hier, die ihr Land über den Klee lobten das sie nicht viele Steuern zahlen und das sie es deswegen gar nicht nötig hätten Steuern zu hinterziehen?
Auch das ist falsch Laut einer studie der Uni Zürich unter Feld/Frey 2006 wurde glaklar belegt, das die Schweizer trotz geringerer Steuerlast und einfacherer Steuererklärung grob denselben Anteil am steuerbaren Hinterziehen wie im Rest Europas Nur: Offiziell unterscuhen will man das nicht Zum einen wäre ein Nimbus zerstört Zum zweiten hätte das rechtliche Gesetzesanpassungen in der Schweiz zur Folge, die austomatisch dem Ausland Rechte bei Auskunftserlangen einräumen würde. Daher ist die letzte offizielle Studie dazu von 1948 in der Versenkung verschwunden. Damals war ein O Zitat: Der Schweizer Bürger bestieht Mithilfe des Bankengeheimnisses den schweizer Staat wie die Raaben. Und welch Wunder: Das Bankengeheimnis machte die Schweiz vom Bauernstaat Reich Deswegen lieber intern Gelder verlieren, als den immens größeren Zustrom von aussen zu begrenzen
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