Steuerhinterziehung Zahl der Selbstanzeigen verdreifacht sich

Hochbetrieb in Finanzämtern und Anwaltskanzleien: Von Januar bis März legten laut "SZ" dreimal so viele Steuerhinterzieher ihre Schwarzgelder offen wie im Vorjahr. Es ist aber nicht nur der Hoeneß-Effekt.

Finanzamt in Hamburg: Rasanter Anstieg der Selbstanzeigen
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Finanzamt in Hamburg: Rasanter Anstieg der Selbstanzeigen


München/Berlin - Das "Januarfieber" hat sich offenbar auch im Februar und März fortgesetzt: Im ersten Quartal hat sich die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") offenbarten sich in diesem Zeitraum rund 13.000 Steuerbetrüger dem Finanzamt.

Im Süden und Westen der Bundesrepublik stiegen die Selbstanzeigen besonders drastisch an. Einer Umfrage der "SZ" in den Finanzministerien der Bundesländer zufolge war die höchste Steigerungsrate in Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen, wo sich die Zahl mit 2656 etwa verfünffachte. Mit 2669 noch etwas mehr Steuerhinterzieher zeigten sich demnach in Baden-Württemberg an. In Bayern gingen von Januar bis März mit 2030 viermal so viele Selbstanzeigen ein wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der drastische Anstieg der Selbstanzeigen hatte sich bereits vor dem Jahreswechsel abgezeichnet: Steuerfachanwälte berichteten SPIEGEL ONLINE von einem regelrechten Ansturm auf ihre Kanzleien, manche verzeichneten zehnmal mehr Mandanten, die sich dem Finanzamt offenbaren wollten - allerdings erst nach dem Jahreswechsel, da dann ein weiteres Jahr in die Verjährungsfrist fiel. Konkret müssen die meisten so die Erträge aus den Jahren bis 2002 nicht mehr nachversteuern.

Hoeneß-Effekt und Weißgeld-Strategie

Die Flut der Selbstanzeigen hat mehrere Gründe: Der prominente Fall des Uli Hoeneß, der im März in München zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wurde, ist dabei allerdings nur ein Faktor. Ein Steueranwalt bezifferte den Anteil der Steigerung der Anzeigen in seiner Kanzlei, der auf den Hoeneß-Effekt zurückzuführen sei, lediglich auf 15 Prozent. Der Rest sei auf den inzwischen großen Druck der Schweizer Banken auf ihre deutschen Kunden zurückzuführen, ihr Schwarzgeld zu legalisieren, nachdem das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz gescheitert ist.

Auch die von der "SZ" befragten Landesfinanzminister äußerten sich in diesem Sinne. Die Flut von Selbstanzeigen bestätige seine Ablehnung des Steuerabkommens mit der Schweiz, sagte etwa der rheinland-pfälzische SPD-Ressortchef Carsten Kühl. Auch Bremens grüne Finanzsenatorin Karoline Linnert begründete den Anstieg in der Zeitung sowohl mit dem Fall Hoeneß als auch der Weißgeld-Strategie der Schweizer Banken.

fdi

insgesamt 179 Beiträge
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Spiegelleserin57 16.04.2014
1. interessanterweise...
leben die Steuersünder meistens wohl in den Ländern wo Leute leben denen es ohnehin schon gut geht...was schließen wir daraus?
eloquentinkompetent 16.04.2014
2.
da wüsste man doch gern, wie viel dadurch in die Landeskassen gespült wird.
wpstier 16.04.2014
3. All das Geld das ..
.. nun in die inländischen Banken zurückkommt, lassen die Zinsen für den kleinen Sparer zusätzlich einbrechen!
Uwe S. 16.04.2014
4. der wahre Grund sind...
...doch wohl eher die immer mehr auftauchenden Steuer-CDs, in denen die ach so " ehrenhaften " Bürger aufgelistet sind !
Palmstroem 16.04.2014
5.
Zitat von sysopDPAHochbetrieb in Finanzämtern und Anwaltskanzleien: Von Januar bis März legten dreimal so viele Steuerhinterzieher ihre Schwarzgelder offen wie im Vorjahr. Es ist aber nicht nur der Hoeneß-Effekt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/selbstanzeigen-nach-steuerhinterziehung-zahl-steigt-um-das-dreifache-a-964669.html
Die Steuermehreinnahmen aus diesen Selbstanzeigen machen in Bayern gerade mal 60 bis 80 Millionen aus. Gegen die Miliardensummen aus dem Mehrwert- oder Kapitalertragssteuerbetrug Peanuts! Aber der Pranger sorgt halt für mehr Unterhaltung!
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