Seltene Erden Brüderle fordert Rohstoff-Kartell gegen China

Das Imperium schlägt zurück - jedenfalls wünscht sich das Rainer Brüderle so. Der Bundeswirtschaftsminister will die Industrie animieren, sich bei der weltweiten Beschaffung von Rohstoffen zusammenzutun. Ziel des geplanten Nachfragekartells: das mächtige China in die Schranken weisen.

Mine in Kanada: "Kanada gewinnt im Wettlauf um Rohstoffe immer mehr an Bedeutung."
Reuters

Mine in Kanada: "Kanada gewinnt im Wettlauf um Rohstoffe immer mehr an Bedeutung."


Ottawa - Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat die Industrie zur Gründung einer "Deutschen Rohstoff AG" aufgefordert, um die Abhängigkeit bei seltenen Metallen von China zu verringern. "Es gibt die Gefahr, dass wir eine Eisenerz-Opec oder Seltene-Erde-Opec bekommen", sagte er am Dienstag in der kanadischen Hauptstadt Ottawa.

Er habe der Industrie vorgeschlagen, sich bei der weltweiten Beschaffung von Rohstoffen oder dem Erwerb von Minenrechten zusammenzutun. "Die Rohstoff AG ist dabei nicht als Aktiengesellschaft, sondern eher als Arbeitsgemeinschaft zu verstehen." Auch kündigte der FDP-Politiker an, dass die Bundesregierung bei der Entwicklungshilfe für rohstoffreiche Länder künftig stärker darauf achten werde, dass im Gegenzug Deutschland bevorzugter Handelspartner werde.

China beherrscht den Weltmarkt für Seltene Erden zu etwa 97 Prozent. Nach Angaben von Brüderle kann vor allem Kanada der deutschen Wirtschaft künftig mehr der seltenen Rohstoffe liefern, die für Hightech-Produkte wie Handys, Elektroautos oder Windräder gebraucht werden. "Kanada gewinnt im weltweiten Wettlauf um Rohstoffe immer mehr an Bedeutung." Das Land will bis 2013 die Jahresproduktion Seltener Erden um 4000 bis 5000 Tonnen steigern.

Brüderle betonte, die Regierung könne bei der Rohstoffsicherung zwar mit politischen Kontakten und notfalls bei der Finanzierung helfen. Grundsätzlich sei dies aber Sache der Firmen selbst: "Wir werden nicht als Staat anfangen, die Rohstoffe aufzukaufen und Bergwerke zu betreiben." Es werde keine VEB-Rohstoffe geben.

"Die Lampen gehen allmählich auf gelb"

China hat den Export Seltener Erden stark gedrosselt. Deshalb kommt es in westlichen Industrieländern teilweise zu Engpässen. Auch bei Eisenerz und Kupfer gibt es Sorgen vor einer Verknappung des Angebots. Ramsis Shehata vom Stahlkonzern ThyssenKrupp warnte vor weitreichenden Folgen: "Ein Eisenerzkartell wäre für die westliche Welt tödlich."

Die Bundesregierung hat vor kurzem eine eigene Rohstoffstrategie beschlossen. Für die praktische Umsetzung wurde bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine Agentur gegründet. BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel sagte in Ottawa: "Das ist eine Quasi-Monopolstellung, die China hat." Die neue Rohstoffagentur liefere nun Steckbriefe für seltene Metalle und Länderprofile. "Diese Arbeit ist in erster Linie für kleine und mittlere Unternehmen gedacht, die sich keine eigene Forschung leisten können." Kümpel warnte vor Hysterie. "Die Lampen gehen allmählich auf gelb. Die Situation ist brisant, aber nicht katastrophal."

Kanada ist eines der wichtigsten Bergbauländer der Welt. Auf dem Markt tummeln sich 3000 einheimische und global aufgestellte Konzerne. Deutschland importiert vor allem Rohstoffe wie Aluminium, Erz, Kupfer, Kobalt, Nickel, Titan und Silizium. 2008 waren es 8,3 Millionen Tonnen im Wert von 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt liegt das Handelsvolumen bei rund zehn Milliarden Euro - der deutsche Exportüberschuss bei zwei Milliarden Euro.

mik/dpa

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gandhi, 02.11.2010
1. Was faellt den Chinesen auch ein,
Zitat von sysopDas Imperium schlägt zurück - jedenfalls wünscht sich das Rainer Brüderle so. Der Bundeswirtschaftsminister will die Industrie animieren, sich bei der weltweiten Beschaffung von Rohstoffen zusammenzutun. Ziel des Rohstoff-Kartells: Das mächtige China in die Schranken weisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726780,00.html
die Marktmechanismen zu ignorieren, schliesslich ist auch der Western bereit, jeden Preis fuer die seltenen Erden zu bezahlen, manche wollen die sich sogar mit Gewalt holen. Vielleicht schwebt dem Bruederchen vor, man koennte ja den Iran bitten, seine Oellieferungen an China einzustellen. Aber er hat doch ein viel wirksameres Mittel zur Hand. Er kann die deutschen Konsumenten auffordern, keine Ware aus China mehr zu kaufen. Ob die deutscehn Konsumenten allerdings bereit sind, dem Bruederchen zuzuhoeren, dass bezweifle ich.
karsten112 02.11.2010
2. Elektronikschrott
Zitat von sysopDas Imperium schlägt zurück - jedenfalls wünscht sich das Rainer Brüderle so. Der Bundeswirtschaftsminister will die Industrie animieren, sich bei der weltweiten Beschaffung von Rohstoffen zusammenzutun. Ziel des Rohstoff-Kartells: Das mächtige China in die Schranken weisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726780,00.html
Vielleicht könnte man ja als erstes mal den Export von Elektronikschrott und Müll aller Art im Allgemeinen verbieten. Das wäre ja schon mal ein Anfang.
sic tacuisses 02.11.2010
3. Es festigt sich immer mehr der Eindruck,
Zitat von Gandhidie Marktmechanismen zu ignorieren, schliesslich ist auch der Western bereit, jeden Preis fuer die seltenen Erden zu bezahlen, manche wollen die sich sogar mit Gewalt holen. Vielleicht schwebt dem Bruederchen vor, man koennte ja den Iran bitten, seine Oellieferungen an China einzustellen. Aber er hat doch ein viel wirksameres Mittel zur Hand. Er kann die deutschen Konsumenten auffordern, keine Ware aus China mehr zu kaufen. Ob die deutscehn Konsumenten allerdings bereit sind, dem Bruederchen zuzuhoeren, dass bezweifle ich.
als habe der "Weinfestminister" tatsächlich sein Hirn versoffen.
vantast64 02.11.2010
4. Ja, Brüderchen, bewaffnete Verteidigung des Wohlstands?
Kommt wohl auch noch so weit, daß "unsere Interessen" zu verteidigen sind, wie es der Bundestag schon vor 20 Jahren beschlossen hatte. Weshalb hat man sich dann über den Versprecher von BuPrä. Köhler so aufgeregt?
.......... 02.11.2010
5. Schammlos....
Zitat von Gandhidie Marktmechanismen zu ignorieren, schliesslich ist auch der Western bereit, jeden Preis fuer die seltenen Erden zu bezahlen, manche wollen die sich sogar mit Gewalt holen. Vielleicht schwebt dem Bruederchen vor, man koennte ja den Iran bitten, seine Oellieferungen an China einzustellen. Aber er hat doch ein viel wirksameres Mittel zur Hand. Er kann die deutschen Konsumenten auffordern, keine Ware aus China mehr zu kaufen. Ob die deutscehn Konsumenten allerdings bereit sind, dem Bruederchen zuzuhoeren, dass bezweifle ich.
Gandhi fordert Boykott... Diese Forderung ist an schammlosigkeit nicht zu überbieten... Andereseits sollten die deutschen Konsumenten chinesische Waren boykottieren. Wie wirkt es in Deutschland, wenn andere Laender deutsche Produkte boykottieren? Ich frage mich öfter, ob solche Aussagen auf die Hirnlosigkeit oder auf ar.ische Gedankengut basieren!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.