Wirtschaftliche Folgen So teuer ist der Shutdown in den USA

Ein langsameres Wachstum, Einbußen von bis zu 50 Milliarden Dollar - der Shutdown in den USA hätte schon nach zwei Wochen verheerende Folgen. Und das ist erst der Anfang: Wenn sich Republikaner und Demokraten bis zum 17. Oktober nicht einigen, gerät die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft.

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Hamburg - Der zweite Tag des Shutdowns in Amerika: Im öffentlichen Dienst herrscht an vielen Stellen Stillstand, weil im US-Kongress ein Streit über den Haushalt tobt. Es ist einfach kein Geld mehr da, um den Betrieb von Nationalparks, Museen oder Sehenswürdigkeiten aufrechtzuerhalten.

Experten bangen um den Zustand der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Weil sich Demokraten und Republikaner bei wichtigen politischen Entscheidungen ständig gegenseitig blockieren, sei Amerika zu einem ineffektiven Akteur degeneriert, sagt etwa Harold James, Professor an der US-Eliteuniversität Princeton.

Noch reagieren die Börsen relativ ruhig auf den Infarkt des staatlichen Verwaltungsapparats. Noch glauben die meisten Experten, dass Demokraten und Republikaner ihren Streit rasch beilegen werden. US-Präsident Barack Obama etwa traf sich am Mittwoch mit den Chefs internationaler Großbanken, darunter auch Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain, vermutlich auch, um mögliche Lösungen des Haushaltsstreits zu besprechen. Das Gezanke mit den Republikanern aber schadet der Volkswirtschaft schon jetzt.

Wie teuer der Shutdown genau ist - darüber gibt es unterschiedliche Schätzungen. Vergleichsweise harmlos klingt die Prognose von Mark Zandi, dem Chefökonom des Finanzinformationsdiensts Moody's Analytics. Seinen Berechnungen zufolge würde ein drei- bis vierwöchiger Shutdown Amerikas Wirtschaftswachstum im vierten Quartal um gut 1,4 Prozentpunkte drosseln. Statt um 2,5 Prozent würde die US-Wirtschaft demnach nur noch um rund ein Prozent wachsen.

Einbruch der Wirtschaft befürchtet

Düsterer sind die Prognosen der Macroeconomic Advisers, einem Finanzdienst, der mit Laurence Meyer einen ehemaligen Spitzenmanager der US-Notenbank Fed an Bord hat. Schon zwei Wochen Stillstand, so dessen Prognose, würden bewirken, dass die Wirtschaft im vierten Quartal gar nicht mehr wächst, sondern um 0,3 Prozent schrumpft. In absoluten Zahlen ausgedrückt wären das Einbußen von rund 50 Milliarden Dollar.

Grundlage der Analyse der Macroeconomic Advisers sind Erfahrungswerte aus den Jahren 1995 und 1996. Auch seinerzeit stand der Verwaltungsbetrieb in zwei Etappen für insgesamt fast vier Wochen still. In die Berechnungen fließen mögliche Verluste aus zahlreichen Sektoren ein - unter anderem sinkende Löhne von Angestellten, nicht produzierte Güter, nicht erbrachte Dienstleistungen sowie nicht getätigte Investitionen. Ein Großteil der Produktivität geht laut Macroeconomic Advisers im Militärsektor verloren.

Doch auch im restlichen Regierungsapparat wären die volkswirtschaftlichen Einbußen eines zweiwöchigen Shutdowns enorm.

Hinzu kommt: Der Shutdown wäre nur ein kleiner Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Verheerungen, die drohen würden, wenn man sich auch bis zum 17. Oktober noch nicht geeinigt hätte. Dann wäre die sogenannte Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar erreicht. Zwar würden Gläubiger den USA weiter Geld leihen, es wäre der Regierung aber per Gesetz verboten, dieses anzunehmen und über die Obergrenze hinaus neue Schulden zu machen. Der Staat wäre faktisch pleite.

Es wäre den Vereinigten Staaten von Amerika dann unmöglich, ihren Verpflichtungen nachzukommen, hatte Finanzminister Jack Lew schon vergangene Woche gewarnt. Die Folgen wären verheerende Auswirkungen auf die Konjunktur. Nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt.

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insgesamt 86 Beiträge
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neuronenzenker 02.10.2013
1. tja leider
ist der Euro gleich der Dollar, da der Dollar die Leitwährung ist...viele denken das geht sie nichts an, selber schuld wenn sie das Geldsystem so akzeptieren wie es ist...hier noch ein interview mit dem bekannten Mr. Dax über die Vorgänge in Europa Dirk Müller - Showdown für €uropa (Mr. Dax) Dirk Müller - Showdown für (http://www.youtube.com/watch?v=nI9mccutiGs)
wakaba 02.10.2013
2.
Hier merkt man fast gar nichts da auf kommunaler Ebene als i.o ist. Obama hat einen gewaltigen Sieg errungen, den Rep den Stinkefinger gezeigt und rettetd vielen Millionen Amerikaner das Leben. Die Mediabubble wird immer unwirksamer. O. Ist
joG 02.10.2013
3. Demokratie ist nicht billig vor allem.....
....wenn es echte Demokratie ist. Aber was wäre bei 14 Billionen BIP zu viel? Sicher doch nicht 50 Milliarden. Es geht hier schließlich auch um viel.
simsonsim 02.10.2013
4. Hab ich da was falsch verstanden?
Warum sind 0,3% weniger Wirtschaftswachstum für 2 Wochen düsterer als 1,4% weniger Wirtschaftswachstum für 4 Wochen? Wer kann es mir erklären?
Löschknecht 02.10.2013
5. Rating?
Ich erwarte jetzt eigentlich ein deutliches Signal von den Ratingagenturen.
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