"Ein bisschen schräg" Gabriel kritisiert Treffen von Siemens-Chef mit Putin

Siemens-Chef Kaeser rechtfertigt seinen Besuch bei Wladimir Putin, trotz der politischen Krise auf der Krim. Wirtschaftsminister Gabriel kritisiert den Auftritt als "schräg", CDU-Politiker Röttgen nennt das Verhalten im SPIEGEL "peinlich und unverantwortlich".
Putin (links), Siemens-Chef Kaeser: Schelte vom SPD-Chef

Putin (links), Siemens-Chef Kaeser: Schelte vom SPD-Chef

Foto: Alexander Zemlianichenko/ dpa

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin kritisiert. "Ich fand den Auftritt ein bisschen schräg", sagte Gabriel im ARD-"Bericht aus Berlin". "Wir wollen keine Wirtschaftssanktionen. Aber wir müssen auch dem russischen Präsidenten zeigen, dass die Politik, die er betreibt, an die imperiale Politik des letzten Jahrhunderts erinnert und wir die nicht akzeptieren können."

Man dürfe "nicht den Eindruck machen, dass sich Europa seine Werte und die Klarheit, dass wir für die Unverletzlichkeit von Grenzen eintreten, nicht wie Pfeffersäcke abkaufen lassen", sagte Gabriel.

Kaeser hatte nach seinem Besuch bei Putin am Mittwochabend von einer "vertrauensvollen Beziehung" zu russischen Unternehmen gesprochen und darauf verwiesen, dass Siemens bereits seit 160 Jahren in Russland tätig sei. In einem ZDF-Interview sagte er zudem, sein Unternehmen lasse sich "von kurzfristigen Turbulenzen in der langfristigen Planung nicht leiten". Der Besuch bei Putin sei schon sehr lange geplant gewesen. Auch das Kanzleramt sei vorab informiert gewesen.

"Wenn der Siemens-Chef das Vorgehen Putins auf der Krim als 'kurzfristige Turbulenz' bewertet und die Wertegemeinschaft mit Putin beteuert, ist das peinlich und unverantwortlich", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, dem SPIEGEL. Der CDU-Politiker wirft Kaeser vor, damit die deutschen Interessen zu unterlaufen. "Kaesers Vorgehen zeigt, dass er entweder die geopolitische Bedeutung der Krise nicht verstanden hat oder dass er das Einzelinteresse seines Unternehmens über die Interessen nicht nur Deutschlands, sondern Europas und des gesamten Westens stellt."

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aar/dpa