Sorge um Ansehen der deutschen Wirtschaft Siemens-Chef Kaeser warnt vor Nationalismus

Mit einem Tweet gegen AfD-Fraktionschefin Weidel hatte Siemens-Chef Kaeser im Mai für Aufsehen gesorgt. Nun warnt der Manager erneut vor Nationalismus - dieser gefährde den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands.
Joe Kaeser

Joe Kaeser

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Bei heiklen politischen Fragen halten sich Manager in der Regel zurück. Doch Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich nun erneut deutlich zum Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland geäußert. Er warnte davor, dass Nationalismus und Rassismus in Deutschland salonfähig werden. Das wäre für die Wirtschaft und auch sein Unternehmen verheerend, sagte Kaeser dem Bayerischen Rundfunk. Deutschland lebe vom Export und möglichst offenen Grenzen. Konzerne seien global aufgestellt, mit Mitarbeitern und Kunden jeder Hautfarbe und Religion.

"Es haben damals beim Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen, bis es zu spät war. Und das darf uns in Deutschland nicht wieder passieren", sagte Kaeser. Er hatte im Mai mit einem Tweet gegen Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Bundestag für Aufsehen gesorgt.

Weidel hatte damals gesagt: "Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern." Kaeser hatte daraufhin getwittert: "Lieber "Kopftuch-Mädel" als "Bund Deutscher Mädel". Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Hauptquelle des deutschen Wohlstands liegt."

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Der "Bund Deutscher Mädel" (BDM) war im Nationalsozialismus eine Organisation für Mädchen. Kaeser berichtete, im Nachgang zu seinem Tweet sei nicht nur er, sondern auch seine Familie beschimpft und bedroht worden.

Kaeser sagte nun im Gespräch mit dem BR, wenn er sich öffentlich gegen rechtspopulistische Äußerungen stelle, gehe es einerseits um seine persönliche Werteordnung, aber auch um die Interessen von Siemens als globales Unternehmen.

"Ich kämpfe nicht gegen die AfD"

Der Konzern erwirtschafte 92 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Deutschland. Politische Entwicklungen hierzulande würden in anderen Ländern sehr genau beobachtet. Darum sei er sensibel, wenn "wir mit nationalistisch-populistischen Äußerungen glauben, dass eben Deutschland - vielleicht sogar Bayern - der Nabel der Welt ist. Aber wir dürfen eben nicht vergessen, dass die Welt unser Zuhause ist und den Wohlstand Deutschlands und im Übrigen auch Bayerns mitgarantiert."

Kaeser sagte, seine Haltung richte sich nicht speziell gegen die AfD. "Ich kämpfe nicht gegen die AfD. Sie ist eine zugelassene Partei und wenn die Menschen Vertrauen haben in diese Partei, dann sollen sie sie wählen. Aber es geht um Rassismus und Ausgrenzung und da hab ich echt ein Thema."

Lob für Trump brachte Kaeser Kritik ein

Während Kaeser für seine jüngsten politischen Äußerungen auch viel Zuspruch bekam, hatte er im Januar noch Kritik einstecken müssen. Damals hatte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump gelobt und diesem dazu gratuliert.

Kaeser kündigte damals mit Verweis auf die US-Steuerreform an, Siemens werde die nächste Generation von Gasturbinen in den USA entwickeln. Noch kurz zuvor hatte der Konzern drastische Kürzungen beim Turbinenbau in Deutschland verkündet.

Die Begeisterung Kaesers für Trumps Wirtschaftspolitik scheint inzwischen aber deutlich abgeflaut. Im Juni kritisierte er den US-Präsidenten für dessen Handelspolitik. "Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets", sagte Kaeser damals.

mmq/dpa
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