Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen Gabriel nimmt Katar in Schutz

Ein bisschen Kritik - und viel Verständnis: Wirtschaftsminister Gabriel hat bei seinem Besuch in Katar für einen fairen Umgang mit dem Land plädiert. Das Emirat habe die Lage der Arbeiter auf den WM-Baustellen verbessert.
Gabriel bei Baustellenbesichtigung: Rund 13.000 Gastarbeiter in Katar

Gabriel bei Baustellenbesichtigung: Rund 13.000 Gastarbeiter in Katar

Foto: Bernd Von Jutrczenka/ dpa

Doha - Es ist ein heikler Besuch von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in Katar: Das Emirat steht seit Monaten in der Kritik, weil dort mehr als 10.000 Gastarbeiter unter oft unwürdigen Bedingungen schuften - viele davon auf den Großbaustellen für die ohnehin umstrittene Fußball-WM 2022.

Gabriel schaute sich also in Doha eine Großbaustelle für einen neuen Stadtteil an, wo auch das Stadion für die Eröffnung der Fußball-WM entstehen soll - und fand äußerst ausgewogene Worte. "Wir wissen, dass es in der Vergangenheit erhebliche Verstöße gegeben hat", sagte der Bundeswirtschaftsminister. Der Westen sollte aber anerkennen, dass Katar auf Druck von Gewerkschaften und der Uno-Arbeitsorganisation ILO viel für die Wanderarbeiter verbessert habe. "Ich finde, das gehört auch zur Wahrheit", sagte Gabriel.

Zu den Hauptproblemen, die Katar zu lösen habe, zähle das Sponsorensystem, bei dem Arbeitgeber von ausländischen Wanderarbeitern hohe Provisionen verlangten und den Menschen oft den Pass abnähmen, sagte Gabriel. Das sei jedoch in der ganzen Golfregion so. Man müsse berücksichtigen, wo Katar herkomme: Obwohl das Land sehr reich sei, befinde es sich "auf dem Niveau eines Entwicklungslands" und habe "keinerlei Erfahrung mit Arbeitsrecht", sagte Gabriel.

Botschafter wirft Medien einseitige Berichterstattung vor

Schon im Vorfeld des Gabriel-Besuchs hatte sich Katar gegen die internationale Kritik gewehrt - offenbar auch, um allzu scharfe Worte aus Deutschland zu verhindern.

Zwischen März und August 2014 seien 700 Inspektionen von Arbeiterunterkünften durchgeführt worden, heißt es laut der Nachrichtenagentur dpa in einem Schreiben des katarischen Botschafters in Berlin, Abdulrahman Bin Mohammed Al-Khulaifi. Dabei hätten Kontrolleure 827 Verstöße gegen katarische Vorschriften geahndet. Die katarische Regierung steht auf dem Standpunkt, die Verantwortung für die Probleme liege zum großen Teil in den Händen ausländischer, auch deutscher Unternehmen.

In dem Brief wirft der Botschafter einzelnen Medien vor, teilweise einseitig und polemisch rund um die WM 2022 und die Baustellenproblematik zu berichten. Er räumt darin aber auch ein: "Wir sind weit davon entfernt zu behaupten, dass in Katar alles perfekt ist und keine Fehler gemacht werden." Noch in diesem Jahr würden Reformen der Arbeitsgesetze umgesetzt.

stk/dpa
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