Mission Euro-Rettung Schäuble buhlt mit Griechen-Bekenntnis um Krisenhelfer

Finanzminister Schäuble hat sich deutlicher denn je für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen. Eine Pleite schließt er damit praktisch aus. Dass er sich ausgerechnet in Singapur zum Pleitestaat bekennt, ist kein Zufall: Er will die reichen Asiaten als Krisenbekämpfer gewinnen.
Finanzminister Schäuble: "I think there will be no Staatsbankrott in Greece"

Finanzminister Schäuble: "I think there will be no Staatsbankrott in Greece"

Foto: Franck Robichon/ dpa

Die Frage, wie es mit Griechenland weitergeht, musste sich Wolfgang Schäuble in den vergangenen Wochen in allen möglichen Variationen anhören. Bislang antwortete der Bundesfinanzminister stets das gleiche - auch auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Tokio. Er warte den Bericht der Troika aus IWF, Europäischer Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) ab und entscheide dann. Das klang nach elenden, wochenlangen Diskussionen, die wieder für viel Unruhe auf den Finanzmärkten sorgen.

Doch dann, es ist Sonntagmittag in Singapur, wird Schäuble plötzlich deutlicher. Auf einer Veranstaltung der deutschen Auslandshandelskammer will ein Zuhörer wissen, ob ein Land nach einer Pleite die Euro-Zone verlassen müsse. Der Finanzminister nutzt die Frage für eine wunderbare deutsch-englische Antwort: "I think there will be no Staatsbankrott in Greece." Aus dem Politikersprech übersetzt heißt das so viel wie: Pleite praktisch ausgeschlossen. Griechenland bleibt Mitglied der Währungsunion, wenn es die Auflagen der Geldgeber nach Kräften erfüllt. So lautet die Botschaft von Singapur.

Dass Schäuble sich ausgerechnet in dem Stadtstaat zu dem Bekenntnis durchringt, Griechenland wohl weiter durchzuschleppen, ist kein Zufall. Der Euro-Retter ist extra nicht direkt von Tokio nach Berlin zurückgeflogen, sondern macht einen zweitägigen Abstecher nach Südostasien.

In Singapur, einer der reichsten Ecken der Welt, wirbt er mit der ihm eigenen Leidenschaft für europäische Staatsanleihen. Das kleine Land hat nicht nur die höchste Millionärsdichte. Die Wirtschaft wächst seit langem in atemberaubendem Tempo, der hiesige Finanzminister erzielt üppige Haushaltsüberschüsse.

Allein die beiden Staatsfonds des Landes können mehr als 300 Milliarden Dollar anlegen. Wenn es nach Schäuble geht, sollen sie das künftig wieder verstärkt in der Euro-Zone tun. Weniger in Deutschland als vielmehr in Südeuropa. Die Finanzierungsprobleme von Krisenstaaten wie Spanien, Italien und Portugal würden sich dann verringern, weder der Euro-Rettungsschirm ESM noch die EZB müssten im Extremfall einspringen. Eine anhaltende Entspannung der Euro-Krise wäre endlich ein realistisches Szenario.

Ein deutscher Finanzminister wirbt in Singapur für südeuropäische Staatsanleihen - so viel Globalisierung war selten. Doch so leidenschaftlich Schäuble in Asien auch trommelt, auf seinem Trip wird er immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass sich Vertrauen schneller zerstören als wieder herstellen lässt. Zwar sprach Schäuble mit Vertretern der beiden Staatsfonds und dem Premierminister. Doch mit konkreten Zusagen über Investitionen hielten sich alle zurück.

Es werden noch mehr Milliarden gebraucht

Wohl auch, weil der Rest der Welt noch immer nicht versteht, wieso 17 Nationalstaaten in Europa zwar eine gemeinsame Währung haben, aber in der Wirtschafts- und Haushaltspolitik jedes Land alleine vor sich hinwurschtelt. Das Verständnis der Waffen gegen die Krise hält sich ebenfalls in Grenzen. Bei seiner Rede in Singapur sagte Schäuble, er wolle die Zuhörer nicht mit den Details zur Euro-Rettung langweilen: "Die meisten Entscheidungsträger in Europa verstehen die Mechanismen auch nicht."

Weil der deutsche Finanzminister gleichzeitig eingestand, die Kommunikation der Euro-Zone sei ein Desaster, bemüht er sich zumindest persönlich um Besserung. Dazu bedient er sich des KISS-Prinzips, das bei Marketingexperten beliebt ist: Keep it simple and stupid.

Statt sich bei den Gesprächen mit Kollegen und Investoren aus aller Welt im unverständlichen Kleinklein zu verzetteln, räumt Schäuble gegenüber Gesprächspartnern offen ein, wie kompliziert die Währungsunion ist - und sendet dann eine frohe Botschaft aus: Ihr müsst gar nicht alle Einzelheiten verstehen, denn wir machen brav unsere Hausaufgaben.

Die Euro-Zone ist auf einem guten Weg. Diese Losung wird Schäuble auch am Montag beim ASEM-Finanzministertreffen in Bangkok verbreiten. Und dann nach Berlin zurückfliegen. In der Heimat wartet mindestens noch so viel Überzeugungsarbeit wie in Asien. Denn der absehbare Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone bedeutet für die Geldgeber auch: Es werden noch mehr Milliarden gebraucht. Das wird der Troika-Bericht zeigen, auf den Schäuble eigentlich geduldig warten wollte.

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