Sinkende Zinsen Italien findet noch Geldgeber

Durchatmen am Finanzmarkt: Italien kann noch Staatsanleihen verkaufen - und muss dafür niedrigere Zinsen zahlen als befürchtet. Für ein Jahr Laufzeit verlangen die Anleger gut sechs Prozent. Auf Dauer dürfte das aber immer noch zu hoch sein.

Noch-Ministerpräsident Berlusconi: Die politischen Aussichten verbessern sich
AP

Noch-Ministerpräsident Berlusconi: Die politischen Aussichten verbessern sich


Rom - Die Auktion war mit Spannung erwartet worden: Beim Verkauf einjähriger Staatsanleihen an diesem Donnerstag sollte sich zeigen, wie schlimm es wirklich um Italiens Ruf an den Finanzmärkten steht.

Die Antwort: Nicht ganz so schlimm wie befürchtet - aber immer noch schlimm genug. Für die Schuldverschreibungen mit zwölfmonatiger Laufzeit muss der italienische Staat 6,087 Prozent Zinsen zahlen. Das ist zwar ein deutlicher Anstieg gegenüber den 3,57 Prozent bei einer Auktion im Oktober, aber immer noch deutlich unter der Schreckenszahl von sieben Prozent, die einige Analysten erwartet hatten. Zudem war die Nachfrage hoch: Italien hätte fast doppelt so viele Anleihen loswerden können wie tatsächlich verkauft.

Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen waren in den vergangenen Tagen dramatisch nach oben geschossen. Viele Anleger befürchten, dass das Land seine Schulden nicht mehr komplett zurückzahlen kann und lassen sich dieses Risiko höher bezahlen.

Dass diese Angst am Donnerstag etwas zurückging, lag wohl vor allem an den politischen Aussichten für Italien. Neuwahlen werden immer unwahrscheinlicher. Stattdessen deutet sich die Bildung einer Übergangsregierung an, möglicherweise unter Leitung des ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti, wie italienische Medien berichten.

Das drückte nicht nur die Zinsen für einjährige Anleihen, sondern auch für die als entscheidend geltenden Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Rendite rutschte knapp unter die Marke von sieben Prozent, nachdem sie am Tag zuvor noch bei fast 7,5 Prozent gelegen hatte. Händler berichteten, auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit Stützungskäufen dazu beigetragen, die Lage zu beruhigen. Die EZB kauft seit Mai 2010 Anleihen europäischer Krisenstaaten am Markt auf, um die Zinsen niedrig zu halten.

Gerettet ist Italien damit allerdings noch längst nicht. Auf Dauer dürften auch Zinssätze zwischen sechs und sieben Prozent zu hoch sein für das Land, das sich allein im kommenden Jahr mehr als 400 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen muss.

stk/Reuters/dpa/dpad



insgesamt 5 Beiträge
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horst-kurt 10.11.2011
1. Die EZB verzerrt den Markt
Italien kann nur noch Staatsanleihen verkaufen, weil die EZB als Käufer am Markt ist. Die Politik, die sich immer wieder gegenseitig überbietet in der Kritik an Investmentbanken und Hedgefonds, hat aus der EZB den größten europäischen Junkbond-Spekulanten gemacht.
Frank.W, 10.11.2011
2. Och schade...
...niedrigere Zinsen als befürchtet? Mist - hätte wieder so ne schöne Schlagzeile gegeben.... ;-)
knecht3000 10.11.2011
3. Augenwischerei
Warum schreibt man hier nicht mal die einfachen Fakten zum Geldsystem auf...schön zusammengefasst hier: http://www.alex11.org/2011/11/wie-das-bestehende-geldsystem-uns-zu-sklaven-macht/
WILHHERDE 10.11.2011
4. An der Spitze sitzt ja ein Italiener
Die EZB verzerrt den Markt -------------------------------------------------------------------------------- Italien kann nur noch Staatsanleihen verkaufen, weil die EZB als Käufer am Markt ist. Die Politik, die sich immer wieder gegenseitig überbietet in der Kritik an Investmentbanken und Hedgefonds, hat aus der EZB den größten europäischen Junkbond-Spekulanten gemacht.< An der Spitze der EZB sitzt ja auch ein Mann, der sein Land liebt und es nicht im Stich läßt.
Euclid 10.11.2011
5. Bock zum Gaertner
Die Mahner haben recht gehabt als sie davor warten den Bock ( Draghi) zum Gärtner zu machen. Was Merkel und Co nicht begreifen konnten, ist nun zur Wahrheit geworden. Ihm sind die Rechte der deutschen Bürger gleich. Man sollte nicht die deutsche Seele, Michael Kohlhaas, vergessen oder gar Hitler auf dem Weg zur Macht und die Konsequenzen. Wiederholung der Gesichte ist nicht unwahrscheinlich. Dies ist die wirkliche Gefahr.
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