Drohender Währungskrieg zwischen China und den USA So funktionieren Wechselkurse

Der Konflikt zwischen den USA und China weitet sich vom Handels- zum Währungsstreit aus: Die Notenbank in Peking hat den Yuan abgewertet, die Amerikaner wittern Manipulation. Doch wie funktioniert das überhaupt?

Wechselstube in Hongkong: Ein Währungskrieg hätte für Verbraucher fatale Folgen
Philippe Lopez / AFP

Wechselstube in Hongkong: Ein Währungskrieg hätte für Verbraucher fatale Folgen

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Wenn Wechselkurse als Waffe eingesetzt werden, kann das gefährlich werden. Macht eine Nation ihre Währung künstlich billig, um Handelspartner zu übervorteilen, droht im schlimmsten Fall ein Währungskrieg.

Was sich derzeit zwischen den zwei größten Wirtschaftsmächten der Welt abspielt, könnte zumindest so etwas wie der Beginn eines solchen Konflikts sein. Weil US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit immer neue Strafzölle auf chinesische Produkte ankündigt, haben die Machthaber in Peking die Auseinandersetzung nun auf eine neue Ebene gehoben - und ihre Währung, den Yuan, deutlich abgewertet.

Doch wie funktioniert so eine Abwertung überhaupt? Was sind die Mechanismen hinter den Wechselkursen? Und welche Interessen spielen dabei eine Rolle? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie funktionieren Wechselkurse?

Der Wechselkurs ist so etwas wie der Preis für die Währung eines Landes - gemessen an der Währung eines anderen Landes. Der Wechselkurs des US-Dollar lässt sich zum Beispiel in Euro messen (aktuell ist ein Dollar etwa 0,89 Euro wert).

Wie sich der Wechselkurs verändert, hängt von Angebot und Nachfrage für die jeweilige Währung am Devisenmarkt ab. Dort werden an jedem Handelstag Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar hin und her getauscht. Wollen viele Investoren Dollar kaufen und dafür andere Währungen verkaufen, steigt der Wert des Dollar. Umgekehrt sinkt er, wenn Dollar verkauft werden, um andere Währungen zu kaufen.

Viele Länder wie die USA oder Währungsräume wie die Eurozone haben sogenannte freie Wechselkurse. Das heißt: Sie bilden sich nur über Angebot und Nachfrage, ohne direkten Eingriff der Notenbanken.

Das war allerdings nicht immer so: Zwischen 1944 und 1971 zum Beispiel gab es ein System relativ fester Wechselkurse. Alle teilnehmenden Währungen, auch die D-Mark, waren damals an den US-Dollar gekoppelt. Die jeweiligen Notenbanken der Länder (also zum Beispiel die Bundesbank) mussten dafür sorgen, dass sich der Wechselkurs ihrer Landeswährung zum Dollar nur innerhalb einer kleinen Bandbreite verändert, nicht darüber hinaus. Sie taten das, indem sie auf dem Devisenmarkt intervenierten: Wenn der Kurs der Währung zu sinken drohte, nutzten sie ihre Dollar-Reserven um das eigene Geld zu kaufen - umgekehrt verkauften sie, sobald der Kurs stieg.

Auch heute noch gibt es Währungen mit mehr oder weniger festen Wechselkursen, bei denen die Zentralbanken einschreiten. Eine davon ist der chinesische Yuan.

Wie kontrolliert China seine Währung?

Der Yuan bewegt sich nicht frei zum Dollar, sondern orientiert sich an einem Korb von mehr als 20 Währungen, zentraler Bestandteil darin ist der Dollar. Die chinesische Notenbank legt diesen Referenzkurs täglich fest, er darf maximal um zwei Prozent über- oder unterschritten werden.

Wenn die chinesische Notenbank den Kurs des Yuan stützen will, kann sie US-Dollar am Markt verkaufen, weil sie über riesige Devisen-Reserven verfügt. Umgekehrt kann sie den Yuan abwerten, indem sie Dollar kauft.

Die Marke von sieben Yuan je Dollar galt unter Devisenexperten lange Zeit als "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Das ist nun am Montag passiert: Der Yuan verlor deutlich an Wert, im Umkehrschluss stieg der Dollar-Kurs.

Auch der Name der chinesischen Währung ist etwas verwirrend: Renminbi ist die offizielle Bezeichnung (Währungskürzel CNY), sie bedeutet so viel wie "Volkswährung", sobald von einem festen Betrag die Rede ist, es also um die Einheit der Währung geht, wird der Begriff Yuan verwendet. Häufig findet sich auch die Bezeichnung "Renminbi Yuan".

Welche Interessen haben Staaten an einer niedrigeren Währung?

Eine schwache Währung kann die Wirtschaft eines Landes ankurbeln. Denn durch das Abwerten der eigenen Landeswährung werden Exportprodukte heimischer Unternehmen in anderen Währungen günstiger. Das verschafft exportorientierten Unternehmen auf dem Weltmarkt einen Vorteil, weil sie ihre Produkte im Ausland billiger verkaufen können.

Generell kann eine Abwertung der Währung auch bei der Bewältigung von Krisen sehr helfen. Funktioniert hat das beispielsweise im Falle Großbritanniens. Das Land wertete nach 2007 das Britische Pfund ab und konnte so die Auswirkungen der globalen Weltwirtschaftskrise abfedern.

In einem gemeinsamen Währungsraum wie der Eurozone kann dagegen nicht mehr jedes Land für sich alleine seine Währung abwerten. Diese schmerzvolle Erfahrung musste zum Beispiel Griechenland während der Eurokrise machen.

Auch wenn der Wechselkurs des Euro oder des Dollar offiziell frei ist und die Notenbanken nicht mit Währungskäufen eingreifen, um den Kurs nach oben oder unten zu treiben, können sie ihn doch beeinflussen. Ein Mittel dafür ist etwa die Zinspolitik: Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen senkt, macht sie Anlagen im Euroraum damit weniger attraktiv. Entsprechend fließt weniger Geld in den Euro - und der Wechselkurs sinkt.

Unter Ökonomen ist aber umstritten, ob es auf Dauer sinnvoll ist, den Kurs der eigenen Währung zu drücken. Denn der positive Effekt für den Export kann dadurch zunichte gemacht werden, dass heimische Verbraucher leiden. Sie müssen mit einer billigeren Landeswährung mehr für ausländische Importe zahlen. Ihre Kaufkraft sinkt, das kann den inländischen Konsum belasten.

Welche Folgen hätte ein Währungskrieg?

Ein Abwertungswettlauf zwischen verschiedenen Ländern kann fatale Folgen haben. Denn starke Währungsschwankungen erhöhen die Unsicherheit von Unternehmen, beispielsweise beim Kauf von Rohstoffen für die Produktion. Auch die privaten Haushalte können unter sprunghaft steigenden Preisen stark leiden. Ein Währungskrieg - da sind sich alle Experten einig - ist auf Dauer Gift für die Weltwirtschaft.



insgesamt 16 Beiträge
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StefanXX 06.08.2019
1. "Belastung des inländischen Konsums" ist kein gutes Argument
Schöner Artikel finde ich, aber den vorletzten Absatz sehe ich etwas anders. Das Abwerten der eigenen Währung hat auch Risiken das stimmt, aber wirtschaftlich dürften die Vorteile bei weitem überwiegen. Denn wenn ausländische Produkte weniger nachgefragt werden, weil sie durch die Abwertung der eigenen Währung zu teuer werden, belastet das zusätzlich auch das Land mit der festeren Währung. Das Land mit der festeren Währung wird also gleich von zwei Seiten torpediert: Zum einen weil - aus seiner Sicht - Importe günstiger werden und damit die eigene Wirtschaft leidet. Und zum anderen weil - aus seiner Sicht - Exporte teurer bzw. weniger konkurrenzfähig werden und somit die heimische Wirtschaft ein zweites Mal leidet. Wirtschaftlich überwiegen die Vorteile/Chancen die Nachteile/Risiken also bei weitem. Den Preis für diese wirtschaftlichen Vorteile zahlt letztlich der Verbraucher, weil sein Lebensstandard dadurch sinkt. Er kann sich manch gewohnte Produkte nicht mehr leisten bzw. muss mit günstigeren (und damit zumeist auch schlechteren) Alternativen aus heimischer Produktion vorlieb nehmen muss.
fungel99 06.08.2019
2. Geht doch
seit Ewigkeiten mal wieder ein lesenswerter Artikel. Sachlich, ohne eigene Meinung. Die kann sich der geneigte Leser über Chinas Kurs nun selber bilden.
helmutspecht 06.08.2019
3. Währungskrieg
Laut Ronald Gehrt auf Lynx haben Devisentrader den Wechselkurs auf über 7,00 Yuan getrieben, denn die chinesische Notenbank hat am Montag den Wechselkurs auf 6,9225 Yuan festgelegt. Im übrigen wurde auch der Euro im Verhältnis zum Yuan teurer.
mr.anderson 06.08.2019
4. Fehler in der interaktiven Grafik?
Mir scheint die interaktive Grafik nicht ganz korrekt zu sein. Wenn man sich einen Datenpunkt ansieht, steht da z.B. Montag, 06.08.2019 Kurs: 7,04 $. Müsste da nicht 7,04 CYN stehen? Auch die Überschrift deutet darauf hin: Dargestellt ist der Yuan-Kurs gegen den Dollar. Mr. Anderson
loquimur 06.08.2019
5. Das kompensiert doch nur die neuen Zusatzzölle.
Wenn ein chinesischer Akku wegen eines amerikanischen Importzolls jetzt ein paar Dollar mehr kostet als vorher, und der chinesische Exporteur aber möchte, dass dieser Effekt kompensiert wird, dann muss er _vor_ Zollaufschlag eben entsprechend billiger anbieten. Und genau das leistet die Abwertung. Die chinesischen Exportprodukte werden vor Zollaufschlag billiger.
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