Reformen gegen Mangel So will der Bund mehr Fachkräfte nach Deutschland locken

In Flughäfen, Restaurants, in der Pflege und im Handwerk: Überall mangelt es an Fachkräften. Die Minister Heil und Faeser haben nun Eckpunkte eines neuen Einwanderungsrechts vorgestellt.
Medizinisches Personal auf einer Intensivstation: Einwanderungssystem »zu schleppend, zu bürokratisch, zu abweisend«

Medizinisches Personal auf einer Intensivstation: Einwanderungssystem »zu schleppend, zu bürokratisch, zu abweisend«

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Überall in Deutschland fehlt es an Fachkräften. Nun haben Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) Eckpunkte eines neuen Einwanderungsrechts skizziert, das den Fachkräftemangel eindämmen soll.

Die Reformen sollten mit einer von CDU und CSU geprägten Migrationspolitik aufräumen, so Faeser und Heil in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Diese Politik habe »die Realität unseres Einwanderungslands geleugnet und damit unserem Wirtschaftsstandort geschadet«. Das deutsche Einwanderungssystem sei bis heute »zu schleppend, zu bürokratisch, zu abweisend«. Die geplante Reform der Fachkräfteeinwanderung umfasst demnach drei Säulen: Qualifikation, Erfahrung und Potenzial.

Anerkennungsverfahren sollen parallel zur Arbeit laufen

Die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte solle künftig nicht mehr durch Bürokratie und Formalia verzögert werden. Dazu sollen die Anforderungen für die Einreise gesenkt werden; dies betrifft vor allem das Anerkennungsverfahren für die berufliche Qualifikation. Fachkräfte, die Berufserfahrung und einen Abschluss ihres Heimatlandes mitbringen und sich hierzulande erfolgreich auf eine Stelle bewerben, sollen nach Deutschland kommen und arbeiten dürfen. Das Anerkennungsverfahren soll dann später parallel zur Arbeit laufen und vom Arbeitgeber finanziert werden.

Die Vorhaben von Faeser und Heil gehen dem Bericht zufolge aber noch weiter. So sollen Berufserfahrene auch ohne Arbeitsvertrag zur Jobsuche nach Deutschland einreisen dürfen, unter zwei Bedingungen: Sie müssen sich noch aus dem Ausland bestätigen lassen, dass ihr Abschluss zumindest teilweise mit einem deutschen vergleichbar ist. Zudem sollen sie belegen können, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können. Dies solle ein Schritt hin zu einer »Chancenkarte« sein, die SPD, Grüne und FDP noch in dieser Legislaturperiode einführen wollen.

Auch für Akademiker soll es leichter werden

Erleichtern will die Ampelkoalition demnach auch die Einwanderung von Fachkräften mit bereits anerkannter Qualifikation. Diese soll künftig auch die Beschäftigung in einem fachfremden Beruf ermöglichen, ein gelernter Schreiner könnte also dann beispielsweise auch einen Job im Vertrieb annehmen, Hauptsache, er bringt einen in Deutschland anerkannten Berufsabschluss mit.

Außerdem sollen für Hochschulabsolventen, die über eine sogenannte »Blaue Karte« nach Deutschland kommen, die Verdienstschwellen gesenkt werden, wie das »Handelsblatt« weiter berichtete. Die Blaue Karte ist eine besondere Aufenthaltserlaubnis für Akademikerinnen und Akademiker aus Nicht-EU-Staaten, die in Deutschland arbeiten. Aktuell gilt eine Mindestgehaltsgrenze von 56.400 Euro brutto im Jahr. In sogenannten Mangelberufen, in denen in Deutschland besonders viele Fachkräfte fehlen, liegt die Untergrenze bei 43.992 Euro.

jlk/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.