Industrieländer Die Arbeitslosigkeit sinkt - die Armut steigt

Arm trotz Arbeit: Dieses Phänomen nimmt laut einer Studie in vielen Industriestaaten zu, auch in Deutschland. Dennoch schneidet die Bundesrepublik beim Ranking der sozialen Gerechtigkeit gut ab.
Reinigungskraft im Krankenhaus

Reinigungskraft im Krankenhaus

Foto: Daniel Reinhardt/ DPA

Im vergangenen Jahr ist die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten der Welt erneut zurückgegangen - und liegt nun erstmals wieder unter dem Niveau der Zeit vor der globalen Finanzkrise von 2009. Dennoch nimmt der Anteil der Armen in vielen dieser Staaten zu. Zu diesem Ergebnis kommt der "Social Justice Index 2019" der Bertelsmann-Stiftung.

So liege die Erwerbslosenquote im Schnitt der 41 untersuchten Staaten der EU und des Industrieländerklubs OECD aktuell bei 5,3 Prozent - 2008 waren es noch 5,7 Prozent. Die Armutsquote sei aber in 25 Staaten gestiegen oder gleich geblieben.

Diese Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten. Von 2013 bis 2018 habe sich die Armutsquote von 9,4 auf 9,8 Prozent erhöht, stellen die Autoren fest - wobei sie eine Armutsschwelle von 50 Prozent des Medianeinkommens wählten. Im gleichen Zeitraum ist die Beschäftigung in der Bundesrepublik stark gestiegen.

Mit dem Social Justice Index untersucht die Bertelsmann-Stiftung jährlich die soziale Gerechtigkeit in Industriestaaten anhand von 46 Kriterien in sechs Kategorien: Armutsvermeidung, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Nicht-Diskriminierung und Generationengerechtigkeit. Auf den ersten fünf Plätzen landen in diesem Jahr durchweg Staaten Nordeuropas: Island, Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden. Deutschland belegt Rang zehn - und ist damit besser platziert als etwa die Schweiz oder Österreich.

Betrachtet man die Platzierungen in den einzelnen Kategorien, landet Deutschland hingegen bis auf eine Ausnahme im oberen Mittelfeld - bei der Generationengerechtigkeit sogar leicht unter dem Durchschnitt der OECD- und EU-Staaten. So bewerteten die Forscher zum Beispiel den Zugang zum Arbeitsmarkt trotz des Jobbooms des vergangenen Jahrzehnts in 14 anderen Staaten besser.

Weitaus negativer als in der Bundesrepublik ist es mit der sozialen Gerechtigkeit der Studie zufolge allerdings nicht nur in vergleichsweise wirtschaftsschwachen Ländern wie Mexiko, Bulgarien oder Griechenland bestellt. Die USA erreichen nur Platz 36 - kein anderer Staat versagt demnach so stark bei der Armutsvermeidung. Südkorea landet auf Rang 34, auch hier funktioniert der Kampf gegen Armut schlecht, Nicht-Diskriminierung und soziale Inklusion sogar noch schlechter.

In einem Punkt hebt sich Deutschland von der Mehrheit der anderen Industriestaaten ab: Kinder und Jugendliche sind mit einer Quote von 7,6 Prozent seltener arm als Senioren (Quote: 9,7 Prozent) - zumindest wenn die Armutsschwelle bei 50 Prozent des Medianeinkommens liegt. In Deutschland ist die Schwelle von 60 Prozent geläufiger, bei der die Kinderarmut etwas höher ist als die Altersarmut.

fdi
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